Krankenkassen: Spezialärzte treiben Prämien in die Höhe

Die Krankenkassen-Prämien steigen 2015 im Durchschnitt um 4 Prozent. Ein Grund für die hohen Prämien sind die Spezialärzte, die das Gesundheitssystem mit unnötigen Kosten belasten. Die Zahlen zeigen: Je mehr Spezialisten es in einem Kanton hat, desto höher sind die Prämien.

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Krankenkassen-Prämien: Spezial-Ärzte treiben die Kosten

8:12 min, aus Kassensturz vom 28.10.2014

Ihr Honorar ist garantiert. Ärzte können jeden Handgriff in Rechnung stellen. Selbst für unnötige Behandlungen werden sie bezahlt. Das wirkt sich auf die Kosten aus. «Je höher die Fachärzte-Dichte in einem Kanton ist, desto höher sind auch die Gesundheitskosten pro Kopf», sagt der St. Galler Gesundheitsökonom Tilman Slembeck.

Denn die Spezialisten entscheiden, welche Behandlungen sie ihren Patienten verordnen. «Wir wissen aus Studien sehr gut, dass ein neuer Arzt etwa 50 Prozent seines Umsatzes dadurch generiert, dass er neue Patienten findet, sie häufiger behandelt und mehrmals aufbietet.»

Je mehr Spezialisten, desto höher die Prämien

Die Anzahl Fachärzte in den Kantonen wirkt sich direkt auf die Höhe der Prämien in der Grundversicherung aus. Hochgerechnet auf 100‘000 Einwohner praktizieren in Basel-Stadt 280 Fachärzte – das ist die höchste Fachärzte-Dichte der Schweiz.

Die Folge: In Basel-Stadt müssen die Versicherten mit monatlich 533 Franken (gerechnet mit Unfalldeckung und einer Franchise von 300 Franken) die höchsten Prämien zahlen. Siebenmal weniger Spezialisten arbeiten dagegen im Kanton Appenzell Innerrhoden.

Die Versicherten dieses Kantons kommen mit 320 Franken pro Person am günstigsten weg. Die Zahlen zeigen: Je mehr Spezialisten, desto höher die Prämien.

Ärzte wollen nicht Kostentreiber sein

Die Spezialisten-Dichte sei nicht der Hauptgrund für die hohen Prämien, widerspricht Urs Stoffel vom Ärzteverband FMH.

«Wir wissen, dass 20 Prozent der Patienten 80 Prozent der Kosten verursachen. Das ist auf das steigende Alter der Patienten zurückzuführen und darauf, dass immer mehr Patienten gleichzeitig mehrere Krankheiten haben. Und natürlich führt auch der medizinische Fortschritt zu immer teureren Behandlungen.»

Doch laut Gesundheitsökonom Tilman Slembeck lässt sich die enorme Kostensteigerung damit nur teilweise erklären: «Basel-Stadt und Basel-Landschaft haben die gleiche Altersstruktur. Trotzdem sind in Basel-Stadt die Gesundheits-Kosten pro Kopf viel höher, und das liegt daran, dass es dort viel mehr Spezialärzte hat.»

Weniger Spezialisten bedeuten tiefere Kosten – tiefere Kosten bedeuten weniger Prämien.

KK-Prämie & Spezial-Ärzte

KantonSpezial-Ärzte/100'000 EWDurchschn. KK-Prämie*
BS280512.-
GE240483.-
ZH150394.-
VD140435.-
BL130420.-
BE120426.-
ZG110337.-
TI110415.-
NE100403.-
SG100362.-
AG90373.-
SH90380.-
LU80355.-
TG80359.-
AR70332.-
FR70372.-
GR70330.-
SO70376.-
VS70342.-
JU60407.-
NW60308.-
SZ60343.-
GL50344.-
AI40308.-
OW40325.-
UR30332.-

* = für Erwachsene mit Franchise 300.-

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Studiogespräch mit Versicherungsspezialist Stefan Thurnherr

4:32 min, aus Kassensturz vom 28.10.2014

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