Lebensversicherung: Tipps vom Experten

Nach dem letzten «Kassensturz»-Bericht zum Thema Lebensversicherungen sind viele Zuschauerfragen eingetroffen. Diese zeigen: Die Verunsicherung ist gross. Stefan Thurnherr von der Firma VZ Insurance Services AG erklärt, worauf man achten soll.

Tipps für den Versicherungsabschluss

Bildlegende: Tipps für den Versicherungsabschluss Colourbox

Herr Thurnherr, nach dem «Kassensturz»-Beitrag vom 18. Januar sind etliche Zuschauermeldungen bei uns eingegangen. Viele haben eine solche fondsgebundene Lebensversicherung abgeschlossen und fragen nun, was sie tun können.

Die vorzeitige Kündigung einer Lebensversicherung ist in der Regel mit einem hohen Verlust verbunden. Lassen Sie von der Versicherung den sogenannten Rückkaufswert berechnen: Das ist der Betrag, den Ihnen die Versicherung aktuell zurückzahlen würde. So können Sie besser abschätzen, ob Sie den Vertrag vorzeitig auflösen oder besser durchhalten sollten.

Ein unabhängiger Finanzberater kann Sie bei diesem Entscheid unterstützen. Eine wirklich unabhängige Beratung kostet aber etwas. Besonders gut überlegen sollten Sie eine vorzeitige Kündigung, wenn Sie auf den Versicherungsschutz bei Tod und Invalidität unbedingt angewiesen sind.

Was ist denn besonders an fondsgebundenen Lebensversicherungen?

Sie kombinieren einen Versicherungsschutz bei Tod und/oder Invalidität mit einem Sparprozess. Der Sparteil wird aber nicht wie bei herkömmlichen Lebensversicherungen fest verzinst, sondern in Anlagefonds und damit an der Börse investiert. Die Rendite hängt also entscheidend davon ab, wie sich die Börsen entwickeln. An der Börse investieren sollte man grundsätzlich nur Geld, das man mindestens 10 Jahre oder besser noch länger mit Sicherheit nicht braucht. Dann ist man den grossen Schwankungen an den Börsen viel weniger ausgesetzt.

Gibt es überhaupt Situationen, wo es sich lohnt, sich eine Fondspolice zuzulegen?

Fondsgebundene Lebensversicherungen beinhalten im Kern sehr hohe Kosten. Der Kunde bezahlt Gebühren für den Verwaltungsaufwand und für die Abschlussprovision. Dazu kommen Kosten für eine meist unnötige Todesfallversicherung und bei Fondspolicen gegen Einmalprämie eine Stempelsteuer. Eigentlich lohnt sich eine solche Anlage nur, wenn der grösste Teil des Geldes in Obligationenfonds investiert werden soll. Im Unterschied zum Sparen mit Fondsanlagen bei der Bank sind bei der Fondspolice die Zinserträge steuerfrei, wenn gewisse Bedingungen erfüllt sind: Die Police muss vor dem 66. Geburtstag abgeschlossen und darf nicht vor 60. Geburtstag ausbezahlt werden, und die Laufzeit der Police muss mindestens 10 Jahre betragen. Kursgewinne von Aktienfonds hingegen sind auch bei einer Direktanlage steuerfrei. Grundsätzlich empfehle ich eine klare Trennung: Anlegen bei der Bank und absichern bei der Versicherung.

Und wann bietet es sich an, eine normale Lebensversicherung abzuschliessen?

Eine Lebensversicherung macht grundsätzlich Sinn, wenn man nach dem Tod jemanden finanziell absichern muss oder eine private Invalidenrente braucht. Beispielsweise wenn man eine Familie zu ernähren hat und auf ein Erwerbseinkommen angewiesen ist. Beides lässt sich aber auch mit einer reinen Risikoversicherung absichern, die deutlich günstiger und flexibler ist als eine kombinierte Todesfall-Erwerbsunfähigkeits- und Sparversicherung.

Heute Abend besucht mich ein Versicherungsberater, der mir eine Lebensversicherung anbieten möchte. Was muss ich mir überlegen, bevor ich unterschreibe?

Brauche ich wirklich so eine Versicherung? Bin ich sicher, dass ich die Versicherung auch in 10, 20 oder vielleicht 30 Jahren noch brauche und zahlen kann? Wieviel Geld erhalte ich konkret zurück, wenn ich die Prämie in 5 oder 10 Jahren nicht mehr zahlen kann? Gibt es nicht flexiblere Möglichkeiten, um fürs Alter vorzusorgen?