Rentnerin verliert Hunderttausende bei Wohnungskauf

Eine Eigentumswohnung im Tessin, das war der Traum von Giuseppina Schneider. Doch aus der gemütlichen Wohnung für die letzte Lebenszeit wird nichts. Das Ganze wird zum Fiasko. Sie verliert mehrere hundertausend Franken.

Video «Albtraum Hauskauf: Rentnerin verliert Hunderttausende» abspielen

Albtraum Hauskauf: Rentnerin verliert Hunderttausende

7:33 min, vom 3.12.2013

Nach 47 Jahren in der Deutschschweiz wollte sich die gebürtige Italienerin Giuseppina Schneider eine Wohnung im Tessin kaufen. Ihre Traumwohnung fand sie in Monteggio: In einem ehemaligen Fabrikgebäude sollten schöne Loftwohnungen entstehen. Die Maklerfirma war Remax, der Verkäufer und Generalunternehmer hiess Luca Dubbini. Alles schien in Ordnung.

Giuseppina Schneider verkaufte ihr Haus in der Ostschweiz um die 297'000 Franken teure Wohnung bezahlen zu können.

Ihre Tochter Christina, die sie beim Kauf unterstützte, hat sich bei der Maklerfirma Remax mehrmals erkundigt, ob der Verkäufer seriös sei. «Alles funktioniere tipptopp, wir müssen keine Bedenken haben», sagt Christina Schneider im «Kassensturz».

Zu viel Vertrauen in den Notar

Bauherrin

Bildlegende: Giuseppina Schneider. SRF

Doch bereits wenige Monate nach Vertragsunterzeichnung gab es erste Probleme: Remax schrieb, es gebe Verzögerungen, der Bau laufe nicht wie geplant. Die Schneiders machen sich keine Sorgen. Sie meinen, der Notar garantiere den seriösen Ablauf.

Sie bezahlen – wie im Vertrag vereinbart – die Tranchen an den Notar und dieser überweist sie dem Verkäufer je nach Bauetappe. Zuerst 10‘000 Franken Reservations-Vereinbarung, dann 90‘000 Franken beim Baustart und schliesslich 100‘000 Franken bei Abschluss des Rohbaus.

«Generalunternehmer» taucht unter

Plötzlich erfahren sie: Luca Dubbini, der Generalunternehmer ist nicht mehr auffindbar. Zuerst heisst es, er sei im Urlaub in Tunesien erkrankt und im Spital. Er hätte einen Tumor und brauche Chemotherapie.

Später kommt heraus: Dubbini ist unauffindbar. Und: Die zweite Tranche von 100'000.- Franken habe der Notar nach Tunesien weitergeleitet.

Rohbau war nicht fertig

Die Maklerfirma Remax hat Generalunternehmer Dubbini als vertrauenswürdig empfohlen. Geschäftsführer Marco Röllin legt Wert auf die Feststellung, dass Remax-Makler im eigenen Namen handeln.

Die Geschäftsbeziehung zu Luca Dubbini sei im Vorfeld des Verkaufs einwandfrei verlaufen. «Zur Zeit des Verkaufs gab es keinen Grund zu sagen, etwas sei dubios.»

Ein Schock, als sie den Zustand des Hauses feststellen: Das Dach ist ein Provisorium, die Fenster nicht vorhanden.

200‘000 Franken sind weg

Seit einem Jahr stehen die Bauarbeiten still. Seit einem Jahr gibt es immer wieder neue Schwierigkeiten, offene Handwerkerrechnungen, die Fassade bröckelt, in der Küche drückt das Wasser durch. Doch 200‘000 Franken sind weg.

Die Schneiders haben der Maklerfirma Remax vertraut und auch dem Notar und der Architektin. Letztere hatte leichtfertig die zweite Zahlung von 100'000 Franken ausgelöst. Indem sie bestätigte, der Rohbau sei abgeschlossen.

Doch das stimmte nicht: Immobilienexperte Lorenz Heim sagt, ein Rohbau sei erst fertig, wenn Fenster und Dach intakt seien und dies ist bei der Wohnung von Giuseppina Schneider nicht erfüllt.

Niemand will jetzt schuld sein am Debakel. Die Architektin lässt von ihrer Anwältin ausrichten, sie hätte sich korrekt verhalten. Der Rohbau sei fertig. Luca Dubbini schreibt, er selbst sei von einer Baufirma betrogen worden. Wo er sich zur Zeit aufhält, verrät er nicht.

Tipp: Es braucht eine unabhängige Kontrolle

Immobilienexperte Lorenz Heim rät, beim Kauf von Stockwerkeigentum unbedingt eine unabhängige Baukostenkontrolle beizuziehen.

Diese kontrolliert Vergaben und Rechnungen und schlage Alarm, wenn es aus dem Ruder laufe: «Sonst wurstelt der Architekt oft weiter und wenn das nicht gelingt, kann es zu Situationen kommen, wie es die Schneiders erlebt haben. Dass mitten im Bau aufgehört wird zu arbeiten und der Käufer vor einer Bauruine steht.»

Tipps

Tipps

Wie Hauskäufer ihr Geld sichern können, erklärt der Immobilien-Experte Lorenz Heim zum Artikel.

Ihre Meinung