Zum Inhalt springen

Familie und Freizeit Unseriöse Partnervermittlung in flagranti ertappt

Die Firma Berkeley International verspricht ihren Kundinnen und Kunden das grosse Glück in der Liebe. Für 10‘000 Franken soll es auserlesene Partnervorschläge regnen.Diverse Frauen werden so über den Tisch gezogen. Die Kassensturz-Rechtsexpertin meldet sich als Single an und recherchiert verdeckt.

Legende: Video Unseriöse Partneragentur: Von «Kassensturz» inflagranti ertappt abspielen. Laufzeit 16:00 Minuten.
Aus Kassensturz vom 19.04.2016.

Beatrice (Name von der Redaktion geändert) hat an die schönen Versprechungen der Agentur Berkeley International geglaubt und viel Geld verloren. Ihr erstes Treffen mit der Leiterin des Schweizer Büros von Berkeley International fand in einem Luxushotel statt. Sie erinnert sich: «Inga Verbeeck berichtete von ihren sehr hohen Erfolgsquoten im europäischen Raum und den vielen tollen Männern in ihrer Kartei.» Geschmückt hat Verbeeck die Ausführungen mit Erfolgsstories aus der Schweiz. Die Kundin war überzeugt.

10‘000 Franken, aber kaum Partnervorschläge

Der Preis für diesen exklusiven Service: 10‘000 Euro. Beatrice bezahlte und wünschte sich Kontakte mit Männern, die eine ernsthafte Beziehung suchen und ihre Anforderungen erfüllten. Der erste Vorschlag war ein gewisser Marcel (Name von der Redaktion geändert). Nach zwei Monaten erfolgte die erste Zusammenführung, doch Beatrice konnte sich für diesen Kandidaten so gar nicht erwärmen: «Marcel war überhaupt nicht, was ich gesucht habe und ich war nicht das, was er wollte.» Danach waren die Berkeley-Mitarbeiter kaum mehr zu erreichen. Sie ist überzeugt: «Die Agentur möchte nur Geld kassieren und stellt ab und zu Kandidaten vor, damit die Kunden Ruhe geben.»

Nach zwei Monaten traf ich den berühmten Marcel, den vermutlich schon jede Frau in der Schweiz kennt, die bei Berkeley war.
Autor: Beatrice

«Kassensturz» weiss: Das Schweizer Büro von Berkeley International hat Marcel auch anderen Frauen vorgestellt. Und die «Kassensturz»-Journalistin findet weitere Frauen aus der Schweiz und anderen europäischen Ländern, die von Inga Verbeeck über den Tisch gezogen worden sind. Eine davon ist Anita (Name von der Redaktion geändert). Eine 40-jährige Frau, erfolgreich im Beruf. Auch ihr fehlte zum perfekten Glück der richtige Partner. Ein Mann in ihrem Alter soll es sein, gebildet und erfolgreich. Das Angebot von Berkeley schien genau das Richtige. Inga Verbeeck garantiert ihr viele Kontaktmöglichkeiten. Anita zahlt 14'000 Franken für die Partnervermittlung. Doch auch bei ihr lief die Partnersuche mit dem Genfer Ableger von Berkeley International komplett schief. Kaum ist das Geld bezahlt, hört sie nichts mehr.

Schweizer Gericht gibt Kundinnen recht

Beide Frauen klagen gegen das Schweizer Büro von Berkeley International und bekommen recht: Zwei Gerichte erklären den Vertrag aus formalen Gründen als nichtig, die Firma muss das einbezahlte Geld und die Anwaltskosten zurückerstatten. Doch daran hält sich das Schweizer Büro nicht.

«Kassensturz»-Juristin Gabriela Baumgartner will herausfinden warum und macht sich auf die Suche nach Inga Verbeeck. Die Kupplerin hat bereits eine neue Firma: Ivy International. Auch Ivy vermittelt gut situierte Singles und ist in den Medien sehr präsent. Gabriela Baumgartner meldet sich als Singlefrau an und vereinbart einen Termin mit Inga Verbeeck in der Lobby eines Luxushotels. Wie bei den anderen Kundinnen versucht Verbeeck die «Kassensturz»-Juristin für eine Mitgliedschaft für mindestens 10‘000 Franken zu gewinnen.

Heutzutage hofft man, im Internet professionelle Lösungen für alle Probleme zu finden.
Autor: Anita

Nach rund einer Stunde unterbricht «Kassensturz» das Gespräch, konfrontiert die Kupplerin mit den Schweizer Gerichtsurteilen und will wissen, warum sie nicht bezahlt und stattdessen weitere Singles an Land zieht. Inga Verbeeck sagt: «Kontaktieren Sie Berkeley in London, wir haben mit ihnen in einem Joint Venture gearbeitet. Es gibt eine geteilte Haftung. Meine Ex-Geschäftspartnerin und ich werden das gemeinsam lösen.» Zudem verspricht sie, die Kundinnen hätten ihr Geld innert vier bis sechs Monaten zurück.

«Massenhaft glückliche Kunden»

Den Vorwurf, die Agenturen würden nur Geld kassieren und nichts für ihre Kunden tun, weist sie zurück: «Ich könnte Ihnen 100 Namen von glücklichen Kunden nennen, darf sie jedoch nicht veröffentlichen. Liebe lässt sich nicht garantieren.» Glückliche Kunden kennt «Kassensturz» allerdings keine, und die Geprellten warten nach wie vor auf ihr Geld.

Die Anwälte von Mairead Molloy, Direktorin von Berkeley International Corporation Limited, schreiben, das Unternehmen habe Inga Verbeeck die Lizenz gegeben, verschiedene Ableger der Firma zu führen. Doch sie hätten die Geschäftsbeziehungen abgebrochen. Ihre Agentur hätte keine Verbindung zu Inga, lediglich die Marke sei an Inga lizenziert gewesen und Berkeley International Corporation Limited hafte nicht in den Fällen der beiden Frauen.

Im «Kassensturz»-Studio erklärt Rechtsexpertin Gabriela Baumgartner, an welche Vorschriften sich Partnervermittlungen halten müssen.

Legende: Video Studiogespräch mit Gabriela Baumgartner, Rechtsexpertin Kassensturz/Espresso abspielen. Laufzeit 3:28 Minuten.
Aus Kassensturz vom 19.04.2016.

24 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Teilen Sie Ihre Meinung... anwählen um einen Kommentar zu schreiben

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

Bitte beachten Sie unsere Netiquette verfügbar sind noch 500 Zeichen

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

  • Kommentar von S. Weiss, Bündnerland
    Vor einigen Jahren: Mein damaliger Vermieter - ein allein erziehender Bauer - bezahlte viel Geld bei einer Partnervermittlung, obwohl ich ihm dringlichst davon abgeraten hatte. Dann die erste vorgeschlagene Kandidatin, doch etwas stimmte nicht mit der Tel.nummer: 6-stellig (mehr als 5 Jahre zuvor wurde auf 7 Stellen umgestellt)!! Meine ironische Bemerkung, die Dame sei vermutlich schon längst verheiratet, bestätigte sich, nachdem ich sie ausfindig machen konnte. Und zwar seit drei Jahren...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Thomas Meister, Zürich
    Danke Kassensturz für den Beitrag. Ich wünschte es gäbe noch einen weiteren Beitrag über Online Plattformen, wo sich Tausende angemeldet haben. Friendscout war vor ein paar Jahren eine gute Möglichkeit jemand beim chatten kennenzulernen. Nun sind die Profile so aufgebaut, dass beide Parteien zuerst zahlen müssen bevor man kommunizieren kann. Obwohl ich ein "gutes" Profil habe, herrscht absolute Funkstille. Ich glaube Friendscout ist nicht sauber und bin enttäuscht.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Hans, Meilen
    Die Leute verlernen heute das verbale Kommunizieren. Kein Wunder, dass Dating-Plattformen Hochkonjuktur haben. Heute kommuniziert man fast nur noch auf Social media. Bei Datingseiten sind die User offener als beim direkten Kontakt mit der Person. Zum Glück habe ich immer die Finger davon gelassen. Man weiss nie, wenn man kontaktiert im Web. Onlinedating kostet Geld. Man kann auch gleich Lotto spielen. Die Chancen einen 6er oder eine richtige Frau kennenzulernen, sind gleich gross. Also minimal
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten