Viele Mieter können sich Kaution kaum leisten

Vermieter verlangen immer höhere Mietkautionen. Deshalb entscheiden sich viele Mieter dazu, ihr Mietzinsdepot fremd zu finanzieren. Dies insbesondere durch sogenannte Mietkautionsversicherungen.

Eine Umfrage des Vergleichsdienstes Comparis zeigt auf: 17 Prozent der Schweizer Mieter haben eine Mietkautionsversicherung abgeschlossen. Diese ersetzt die Vorauszahlung von bis zu drei Monatsmieten auf ein Sperrkonto, für den Fall dass die Miete nicht mehr bezahlt werden kann. Gegen eine Gebühr bürgt eine Versicherung beim Vermieter bei einem Zahlungsstopp.

Das Kapital für die Kaution muss auf diese Weise nicht bereitgestellt werden. Kann der Mieter mal seine Miete nicht bezahlen, schiesst die Versicherung das Geld dem Vermieter vor und fordert es danach wieder beim Mieter ein.

Vermieter gehen auf Nummer sicher

Annekäthi Krebs vom Hauseigentümerverband Schweiz bestätigt gegenüber dem Konsumentenmagazin «Espresso» von Radio SRF 1, dass die Vermieter ihre Kautionsforderungen nach oben korrigieren: «Vermieter müssen sich absichern, weil es sehr lange dauern kann, bis sie zahlungsunfähige Mieter loswerden können.»

Auch Ruedi Spöndlin, Rechtsberater beim Schweizerischen Mieterverband beobachtet, dass heute mehrheitlich drei Monatsmieten als Depot verlangt werden. «Das hat wohl damit zu tun, dass heute viele Liegenschaften professionell verwaltet werden – auch Private geben ihr Objekt oft in die Hände von Liegenschaftsverwaltungen.» Und bei diesen habe sich eine Absicherungsmentalität breit gemacht: «Die Verwaltung will ja nicht verantwortlich sein für Ausfälle, wenn ein Mieter nicht zahlen kann.»

Versicherung ist teuer

Die Absicherungsmentalität hat also zur Folge, dass je länger je mehr Vermieter das gesetzliche Maximum von drei Monatsmieten als Depot verlangen. «Es ist klar, dass sich das nicht alle leisten können», sagt Ruedi Spöndlin vom Mieterverband. Oft bleibe also nichts anderes übrig, als auf eine Versicherungslösung zu setzen.

Allerdings handelt es sich um eine teure Lösung: Das Geld für die jährlichen Prämien – meistens ein paar hundert Franken pro Jahr – ist nämlich weg, während das Mietzinsdepot am Ende des Mietverhältnisses zurückbezahlt wird.

Kleinkredit unter Umständen günstiger

Wer das Geld für das Mietzinsdepot nicht auf der Seite hat, dem bleiben neben der Versicherungslösung nur wenige Alternativen: Vor einigen Jahren hat das Konsumentenmagazin «Espresso» von Radio SRF 1 einen Vergleich gemacht und festgestellt, dass ein Kleinkredit unter Umständen günstiger sein kann.

Der Schweizerische Mieterverband empfiehlt zudem, Freunde oder Verwandte um ein Darlehen anzufragen. «Dabei muss man aber berücksichtigen, dass bei Zahlungsschwierigkeiten die Freundschaft in die Brüche gehen kann», gibt Ruedi Spöndlin zu bedenken.

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