Brauchen wir Max Frisch wieder?

  • Montag, 4. April 2016, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Montag, 4. April 2016, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Montag, 4. April 2016, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Was macht Max Frisch heute noch aktuell. Oder wieder aktuell? Mehr als er selber wahrscheinlich erwartet hat, meinen die Frisch Experten Julian Schütt und Thomas Strässle.

Wie kein anderer Schriftsteller forderte Max Frisch von der Schweiz, sie müsse, da sie vor allem Ideen und Leistungen zu bieten habe, sich immer von neuem vergewissern, «wo sie steht, woher sie kommt und wohin sie will».

Zum 25. Todestag des Schriftstellers am 4. April 2016 befasst sich die Sendung «Kontext» auf SRF2 Kultur mit der Aktualität Max Frischs. Seine politische Beschäftigung mit der Schweiz, ihrem Verhältnis zu Europa und zu Flüchtlingen hat in den letzten Jahren wieder an Bedeutung gewonnen. Auch sind vermehrt wieder Autoren gefragt, die intervenieren. Bricht ein neues Max-Frisch-Zeitalter an?


Darüber diskutiert Monika Schärer mit zwei jüngeren Frisch-Experten: mit dem Biografen Julian Schütt und dem Literaturwissenschaftler Thomas Strässle, Präsident der Max Frisch-Stiftung.

Beiträge

  • Wie wird Frisch heute gelesen?

    Wirkungsloser Klassiker?

    Max Frisch hat 1964 von der «durchschlagenden Wirkungslosigkeit» des Klassikers Bertolt Brecht gesprochen.

    Müssen wir heute, 25 Jahre nach seinem Tod, auch von der durchschlagenden Wirkungslosigkeit Max Frischs reden? Er selber weigerte sich zu Lebzeiten, als Schweizer Klassiker abgestempelt, verharmlost und vereinnahmt zu werden.

    Wie wird Max Frisch heute gelesen? Polarisiert er noch immer?

    Julian Schütt

  • Max Frisch (rechts) mischte sich in die Politik ein. Werden auch heute Autoren wieder politisch aktiver?

    Ein neues Frisch-Zeitalter?

    Nach dem Tod Max Frischs wurde es zunächst still um den Autor. Politische Interventionen waren im Literaturbetrieb, der sich selber genügte, eher verpönt. Die Wirklichkeit galt als zu komplex, als dass man sie literarisch gestalten könnte.

    Inzwischen, angesichts von bedrängenden Geschehnissen wie Kriegen, Terror und Flüchtlingstragödie sind aber intellektuelle Instanzen, die politische Ereignisse kommentieren und einordnen, wieder gefragt. Erlebt auch Max Frisch, der immer kritisch Stellung bezog, ein Revival?

    Julian Schütt

  • Frisch verlangte «einen konstruktiven Beitrag zur Europa-Politik»: Ist dieser für die Schweiz aktueller denn je?

    Die Schweiz - ein Land ohne Utopie?

    Die Frage Max Frischs, «wohin die Schweiz will» ist weiterhin hochaktuell, besonders was ihr Verhältnis zur Europäischen Union betrifft. Max Frisch hatte sich seinerzeit besonders von den jüngeren Landsleuten einen «konstruktiven Beitrag zur Europa-Politik» erhofft.

    Dazu ist es bis heute nicht gekommen.

    Nach wie vor hat die fundamentale Kritik von Max Frisch Gültigkeit, nämlich dass die Schweiz als «etwas Grossartig-Gewordenes» erscheint, das partout bewahrt und verteidigt werden muss, statt dass sie sich als «etwas Werdendes» versteht.

    Julian Schütt

  • Brauchen wir Frischs Blick, um die aktuelle Lage zu durchschauen?

    Brauchen wir Max Frisch wieder?

    Max Frisch hat sich immer wieder zwischen alle Fronten gestellt und unbequeme Fragen gestellt, die zum Teil heute noch brisanter sind als zur Zeit, als er sie aufwarf.

    Schon der kürzlich verstorbene frühere deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt zog Max Frisch als kritischen Experten bei, um Grundsätzliches über Terrorismus zu erfahren. Noch aktueller sind Max Frischs Gedanken über Emigranten, Flüchtlinge und über Überfremdungsängste. Es sind unverzichtbare Gegenpositionen zur heute oft parteipolitisch zurechtgestutzten Flüchtlingsdiskussion.

    Julian Schütt

Autor/in: Julian Schütt, Moderation: Monika Schärer, Redaktion: Cornelia Kazis