Bröckelnde Denkmäler

  • Mittwoch, 5. Oktober 2016, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Mittwoch, 5. Oktober 2016, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 5. Oktober 2016, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Wir halten viel von unseren Denkmälern – doch sie müssen auch immer wieder als Versuchsobjekte herhalten. Vermeintliche Wundermittel versprechen, die historischen Gebäude für immer zu erhalten. Stattdessen verursachen sie schlimme Schäden.

Viele denkmalgeschützte Bauten sind regelmässig eingerüstet. Oft nicht wegen gewöhnlicher Unterhaltsarbeiten, sondern weil frühere Bausünden korrigiert werden müssen. Denn in den 70er- und 80er-Jahren verfiel man in der Denkmalpflege den Versprechungen der bauchemischen Industrie. Vermeintliche Wundermittel sollten die historischen Gebäude ein für alle Mal konservieren. Doch Jahrzehnte später kommt zum Vorschein, dass diese bauchemischen Mittel schlimme Schäden angerichtet haben.


Wie konnte es dazu kommen, dass denkmalgeschützte Gebäude mit bauchemischen Mitteln übergossen wurden, deren Langzeitfolgen völlig ungewiss waren? Die Suche nach Antworten auf diese Frage zeigt: Die Forschung in diesem Bereich wurde empfindlich gekürzt. Die Auflagen für die bauchemische Industrie sind ungenügend. Und die Gefahr, dass unsere Denkmäler «kaputt-saniert» werden, ist keineswegs gebannt.

Am Berner Münster hat man die Lehren aus den Experimenten mit bauchemischen Mitteln gezogen. Dort lassen die Handwerkerinnen und Handwerker möglichst in allen Bereichen die Finger von neuen Wundermitteln.
Nachdem die praktische Grundlagenforschung an historischen Baumaterialien vor zehn Jahren weg gekürzt wurde, will ein neuer Professor an der ETH Zürich wieder ein Labor für solche Untersuchungen aufbauen.

Beiträge

  • Sandstein in Behandlung: Ein schwieriger Fall.

    Vermeintliche Wundermittel und ihre dramatischen Folgen

    Viele unserer Denkmäler sind aus Sandstein gebaut. Weil er weich und witterungsanfällig ist, bereiteten diese Sandsteinbauten den Denkmalpflegern schon immer grosses Kopfzerbrechen.

    In den 70er- und 80er-Jahren griff man bei den Sanierungen der Denkmäler darum gutgläubig zu neuen bauchemischen Konservierungsmitteln. Doch heute weiss man: diese Mittel haben den Zerfall der Denkmäler sogar noch beschleunigt.

    Cathrin Caprez

  • Denkmalpflege: Glasmalerin bei der Arbeit.

    Denkmalpflege ohne Glasglocke: Fehler müssen drin liegen

    Wie pflegt man ein weltbekanntes Denkmal, ohne es unter eine Glasglocke zu stellen? Die Handwerkerinnen und Handwerker aus der Berner Münsterbauhütte stellen sich Tag für Tag dieser Herausforderung.

    Ein Steinmetz, ein Experte für Glasmalereien und eine Restauratorin erklären, wie ihnen in ihrer Arbeit dieser Spagat gelingt.

    Eine Reportage über hausgemachten Mörtel, 600 Jahre alten Staub und darüber, was die Luftverschmutzung mit alten Fenstern anrichtet.

    Cathrin Caprez

  • Erneuerungsarbeiten im Ständeratsaal im Bundeshaus Bern 2011.

    Grundlagenforschung auf der Baustelle?

    Die langjährige Berner Münsterarchitektin Annette Loeffel und der neu berufene ETH-Professor Stefan Holzer diskutieren über praktische und theoretische Denkmalpflege.

    Gibt es überhaupt Grundrezepte für die Arbeiten an Denkmälern? Und ist Grundlagenforschung wirklich die Aufgabe von Handwerkern? Ein Gespräch darüber, ob und wie wir unsere Denkmäler erhalten können.

    Maya Brändli und Cathrin Caprez

Autor/in: Cathrin Caprez, Maya Brändli, Moderation: Brigitte Häring, Redaktion: Dagmar Walser