Damit sich die Geschichte nicht wiederholt

  • Mittwoch, 21. Juni 2017, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Mittwoch, 21. Juni 2017, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 21. Juni 2017, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Die Überlebenden des Holocausts haben als Zeitzeugen in der Geschichtsschreibung nach 1945 eine wichtige Rolle gespielt. Viele von ihnen haben sich dafür eingesetzt, dass Auschwitz nicht vergessen wird. Was wird aus dieser mahnenden Erinnerung, wenn diese Stimmen des Jahrhunderts nicht mehr leben.

Die hundertjährige Dorothea Buck, die unter den Nazis zwangssterilisiert wurde, erzählt, wie sie jahrzehntelang gegen Zwangspsychiatrie gekämpft hat. Und die 97-jährige Esther Bejarano zeigt auf, was sie dem Antisemitismus entgegensetzt hat: Musik und einen Dialog mit der jungen Generation. Beide Frauen haben ihre Leben einem Ziel untergeordnet, dass sich Nationalsozialismus nie mehr wiederhole.

Zeitzeuginnen wie Dorothea Buck und Esther Bejarano haben die Geschichtsschreibung über den Holocaust geprägt. Es stellt sich die Frage, was diese leisten kann, wenn sie sich nicht mehr auf die Zeitzeugen berufen kann.

Beiträge

  • Das Personal einer Psychiatrischenanstalt, die die sogenannte nationalsozialistische «Rassenhygiene» garntieren sollten.

    Dorothea Bucks Kampf für mehr Würde in der Psychiatrie

    Mit neunzehn Jahren wird Dorothea Buck zwangssterilisiert. Die Diagnose «Schizophrenie» wurde ihr 1936 zum Verhängnis, denn psychisch Kranke sollten keine Kinder bekommen im Nationalsozialismus. Sie erlebte eine unmenschliche Psychiatrie, auch noch nach 1945.

    Dorothea Buck überwand ihre Krankheit und gründete 1987 den «Bund der Euthanasiegeschädigten und Zwangssterilisierten». Sie stiess in Deutschland, Österreich und der Schweiz den «Trialog» an, einen gleichberechtigten Austausch zwischen Betroffenen, Angehörigen und Therapeuten – und bewegt noch als Hundertjährige die Psychiatrie.

    Dörte Hinrichs

  • Esther Bejarano musste im Vernichtungslager im Mädchen-Orchester auftreten.

    Esther Bejarano: Mit Musik gegen Fremdenhass

    Musik ist ihr Leben - und Musik hat ihr das Leben gerettet. Esther Bejarano war in Auschwitz. Im grössten Konzentrations- und Vernichtungslager musste sie im sogenannten Mädchen-Orchester auftreten.

    Heute lebt die gebürtige Saarländerin in Hamburg. Als eine der letzten Zeitzeuginnen spricht sie nicht nur in Schulen über ihre Vergangenheit, sondern singt auch auf deutschen Bühnen gegen Rassismus und Fremdenhass.

    Remi Bütler

  • Nur noch wenige Menschen können aus erster Hand von den Verbrechen im Zweiten Weltkrieg erzählen.

    Die Geschichte des Holocausts ohne Zeitzeugen

    Viele der Holocaust-Zeitzeugen haben sich dafür eingesetzt, dass die nachfolgenden Generationen Auschwitz nicht vergessen und sich diese Geschichte nie mehr wiederholt. Sie haben öffentlich darüber gesprochen und sind in Schulen aufgetreten.

    Auch wenn die Zeitzeugen einmal nicht mehr leben, können offene Fragen zum Holocaust in Zukunft beantwortet werden, wenn die Gesellschaft wirklich bereit sei, sich dieses Themas anzunehmen. Davon ist der Historiker Daniel Gerson überzeugt. Wichtig dabei wäre etwa die Frage, wie aus «normalen» Deutschen Nazis wurden.

    Maya Brändli

Autor/in: Maya Brändli, Remi Bütler, Dörte Hinrichs, Moderation: Bernard Senn, Redaktion: Sabine Bitter