Der Reichtum der Francophonie

  • Montag, 9. Oktober 2017, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Montag, 9. Oktober 2017, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Montag, 9. Oktober 2017, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Was verbindet eine Autorin und zwei Autoren aus Iran, Haiti und Algerien? Sie alle schreiben auf Französisch. Unter dem Motto «Francfort en français» stellt die diesjährige Frankfurter Buchmesse die literarische «Francophonie» ins mediale Schaufenster.

Man schätzt, dass weltweit 500 Millionen Menschen französisch sprechen. Die einstige «Grande Nation» hat auf dem ganzen Erdball ihre Spuren hinterlassen; und die francophone Literatur ist heute ein Spiegel der unterschiedlichsten Erfahrungen, Stimmungen, Perspektiven und Prägungen.

«Kontext» pickt nicht nur vier Perlen aus diesem reichhaltigen Angebot heraus, sondern fragt nach der individuellen Beziehung zur französischen Sprache; bei den einen weckt sie schmerzhafte Erinnerungen an Sklaverei und Kolonialisation; für andere symbolisiert sie Freiheit und Unabhängigkeit.

Beiträge

  • Daniel Laferrière

    Haiti – Dany Laferrière

    Dany Laferrière, 64, gehört zu den wichtigsten literarischen Stimmen der Karibik. Aufgewachsen in Porte-au-Prince musste er Haiti - aus politischen Gründen – verlassen und ging als junger Erwachsener nach Montréal.

    Seine erste Zeit als mittelloser Immigrant und Frauenschwarm verarbeitete er in seinem ersten Roman «Die Kunst einen Schwarzen zu lieben ohne zu ermüden».

    Das Buch, das gnadenlos die weissen Klischees vom omnipotenten Schwarzen entlarvt, machte ihn über Nacht berühmt. Das Buch, das nun wieder neu aufgelegt wurde, verblüfft durch seine Aktualität.

    Roman im Verlag Wunderhorn.

    Luzia Stettler

  • Négar Djavadi

    Iran – Négar Djavadi

    Négar Djavadi, 48, wuchs in Teheran – als Tochter von Oppositionellen - auf , besuchte dort die französische Schule und musste dann 1979, nach der Machtübernahme von Khomeini, auf abenteuerliche Weise in den Westen flüchten. Ihr Vater galt als Staatsfeind und war zum Tode verurteilt worden.

    In Paris fand die Familie eine neue Heimat.

    Négar Djavadi ist Drehbuchautorin und Filmemacherin und hat mit «Desorientale» nun ihren ersten Roman geschrieben: eine heiter-melancholische Familiensaga, die praktisch ein ganzes Jahrhundert iranische Geschichte abdeckt und stark autobiografische Züge trägt.

    Luzia Stettler

  • Jean Marie Blas de Robles

    Algérien – Jean-Marie Blas de Roblès

    Jean-Marie Blas de Roblès, 64, Sohn einer Familie, die seit Generationen in der französischen Kolonie Algérien gelebt hatte, wurde im Alter von 8 Jahren – nach dem Ende des Algerien-Krieges - gezwungen, ins Mutterland Frankreich zurückzukehren.

    Als «pied noir» verpönt, konnte er dort nie richtig Wurzeln schlagen. Wohl auch deshalb wurde er später zum Weltreisenden. Dieser weite Horizont prägt auch seine Bücher; im jüngsten Roman «Der Mitternachtsberg» geht es um einen französischen Concierge, dessen grosse Leidenschaft das Tibet ist. Und der gleichzeitig ein brisantes Geheimnis verbirgt.

    Luzia Stettler

Autor/in: Luzia Stettler, Moderation: Brigitte Häring, Redaktion: Mariel Kreis