Die Performancekunst «Spoken Word» wird erwachsen - und weiblich

  • Freitag, 28. Oktober 2016, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Freitag, 28. Oktober 2016, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Freitag, 28. Oktober 2016, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Am Spoken Word-Festival «woerdz» in Luzern traten vier Frauen aus drei Generationen auf: Die New Yorker Künstlerin Laurie Anderson, Ariane von Graffenried von «Bern ist überall» sowie die Performerinnen Fatima Moumouni und Susan Reznik: Vier Porträts und ein Blick auf die aktuelle Spoken Word-Szene.

Seit knapp 20 Jahren gibt es in der Schweiz eine junge, wilde Spoken Word-Szene. Mittlerweile sind viele ihrer Exponenten zu etablierten Bühnenkünstlerinnen und -künstlern herangereift. Natürlich ist die Szene immer noch jung und wild, vor allem in ihrer Ur-Form, dem Poetry Slam.

Aber inzwischen hat sie ein grosses Festival, das alle zwei Jahre stattfindende «woerdz» im Theater Südpol in Luzern. Und es treten dort Veteranen auf, die ihre Slammer-Vergangenheit längst abgelegt haben und abendfüllende Soloprogramme aufführen oder Bücher publizieren.

Erfreulich auch: Nachdem Frauen im Spoken Word, ähnlich wie im Rap, anfangs stark untervertreten waren, sind sie mittlerweile gut vertreten, auch im Programm von «woerdz». Zum Beispiel Ariane von Graffenried vom Künstlerkollektiv «Bern ist überall», die Münchner Slammerin Fatima Moumouni und die Schweizer Newcomerin Susan Reznik. Ausserdem trat eine Frau am «woerdz» auf, die seit Jahrzehnten stilbildend ist für eine Kunst, welche die Grenzen zwischen Literatur und Performance aufhebt: Die New Yorker Musikerin, Filmerin und Performerin Laurie Anderson.

Vier Porträts von Spoken Word-Künstlerinnen aus drei Generationen und eine Diskussion mit Literaturredaktor Markus Gasser darüber, warum die Häuser voll sind mit jungen Menschen, wenn Spoken Word aufgeführt wird. Das ist Kontext am 28. Oktober 2016.

Beiträge

  • Die Wortpoetin Fatima Moumouni.

    Fatima Moumouni und Susan Reznik: Lautstarke Wortpoetinnen

    Fatima ist Münchnerin und studiert seit fünf Jahren in der Schweiz. Sie ist schwarz «zumindest halb, aber genug, um ständig für mein gutes Deutsch gelobt zu werden». Wenn sie so richtig loslegt, kippt die Wortakrobatin gerne mal ins Schweizerdeutsch.

    Susan ist in Basel aufgewachsen «mit Blinschikis und Borsch» und weil sie beim «Gangsterrap-Gremium» abgelehnt wurde, slamt sie jetzt halt auf der Bühne. Da sie «ja sowieso gerne redet».

    Susanne Sturzenegger

  • Frau mit vielen Talenten: Ariane von Graffenried trat auch am Woerdz in Luzern auf.

    Ariane von Graffenried: Spoken Word als avantgardistische Poesie

    Ariane von Graffenried tanzt auf vielen Hochzeiten. Im Programm «Grand Tour» geht sie mit dem Experimentalmusiker Robert Aeberhard als Künstlerduo «Fitzgerald & Rimini» auf Europareise. 

    Jeder Ort ein Song. Jeder Song eine Wanderung zwischen Literatur, Musik und Performance. Ausserdem gehört sie dem Künstlerkollektiv «Bern ist überall» an, ist Dozentin am Institut für Theaterwissenschaften in Bern, schreibt Kolumnen, Prosa- und Theatertexte sowie Sachbücher. Als Künstlerin führt sie in der lauten Welt des Spoken Word eine feine Klinge mit intelligenten, poetisch-lyrischen Texten.

    Markus Gasser

  • Laurie Anderson ist schon seit 40 Jahren in der Szene.

    Laurie Anderson's lebenslange Arbeit «The language of the future»

    Seit über 40 Jahren ist Laurie Anderson Teil der New Yorker Subkultur. Bekannt wurde sie 1981 mit dem Song «Oh Superman», in welchem sie Stimmen sampled und verzerrt, auf ein politisches Ereignis Bezug nimmt und zugleich zwischen Realität und Vision schwebt.

    All diesen Elementen ist sie bis heute treu geblieben.

    In ihren Filmen und Shows kommt üppiges Bildmaterial hinzu. «Letters to Jack» ist das jüngste Kapitel ihres lebenslangen Projekts «The language of the future», in dem sie in ihrer experimentellen Art das amerikanische Narrativ fortschreibt. Und das sie am «woerdz»-Festival zeigte.

    Markus Gasser

Autor/in: Markus Gasser & Susanne Sturzenegger, Moderation: Bernard Senn, Redaktion: Mariel Kreis