Ein Stich voraus: Technische Textilien aus der Ostschweiz

  • Montag, 10. Oktober 2016, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Montag, 10. Oktober 2016, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Montag, 10. Oktober 2016, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Ein T-Shirt misst den Herzschlag. Ein Vorhang leuchtet in der Nacht. Eine Matratze überwacht einen Patienten. Technische Textilien aus alteingesessenen Ostschweizer Stickereien erobern den Weltmarkt dank der Verknüpfung von Tradition und Innovation.

Seit dem 18. Jahrhundert wird in der Ostschweiz gestickt. Erst von zarter Frauenhand, ab 1850 an Stickautomaten.
Die Region um den Bodensee produzierte vor dem 1. Weltkrieg das wichtigste Exportgut der Schweiz. Dann änderte
sich die Mode, der Markt brach ein, viele Stickereien wurden stillgelegt. Wer überlebt hat, musste sich immer wieder neu erfinden – bis heute.

Ein wichtiges neues Standbein für die Ostschweizer Textilindustrie sind die technischen Textilien für Sport- und Freizeit, das Bauwesen oder die Medizin. Ein Stoffkäppchen ausgestattet mit Sensoren misst die Sauerstoffsättigung im Blut eines frühgeborenen Kindes. Eine mit Keflar verstärkte Stoffhose schützt Motorradfahrer vor Verletzungen. Ein waschbares T-Shirt wird zur Abspielstation von Handy-Nachrichten. Die Möglichkeiten technischer Textilien scheint unbegrenzt.

Dass Firmen aus der Ostschweiz in diesem wachsenden Markt vorne mitspielen, basiert auf ihrem in Jahrhunderten gewachsenen Wissen über Textilien und ihre Eigenschaften. Tradition trifft auf Innovation.

Beiträge

  • St. Galler Stickerei Forster Rohner: sich immer wieder erfinden

    Michelle Obama, Paola del Medico oder Amal Clooney schmücken sich an wichtigen Tagen ihres Lebens mit Stickereien aus St.Gallen.

    Die Firma Forster Rohner bestickt Stoffe seit 1904 und wird heute, in vierter Generation von Caroline und Emanuel Forster geführt. Überlebt hat die Traditionsfirma nur dank Auslagerung von Arbeit nach Asien und dank Innovation.

    Die Herstellung von Technischen Textilien ist heute ein wichtiges neues Standbein. Von Stoffen, die leuchten bis zu Matratzen, die dank Sensoren Patienten überwachen.

    Monika Schärer

  • Drei Hightech-Textilien: erfühlt, beschrieben, erklärt

    Die Textildesignerin Karin Maurer vom Zürcher Modelabel Beige erfühlt und beschreibt mit geschlossenen Augen drei Stoffe. Hans Kohn von der Traditionsfirma Schoeller AG in Sevelen erklärt ihre Herstellung und Nutzung.

    Ein Stoff verstärkt mit Keflar schützt Motorradfahrer bei Stürzen.Ein Stoff mit eingebauten Glaspartikeln bringt Velofahrer in der Nacht zum Leuchten.Und ein federleichter Stoff mit eigenem Feuchtigkeitsmanagement fliegt mit Astronauten ins All.

    Julia Voegelin

  • Stickmaschine: Von 6 Stichen pro Minute zu 10 Stichen pro Sekunde

    1869 baute Franz Saurer die erste Handstickmaschine. Sie machte 6 Stiche pro Minute. Heute gehört die Firma Saurer einer chinesischen Unternehmer-Gruppe, baut in Arbon am Bodensee aber immer noch Stickmaschinen.

    Die Leistung von damals hat sich um ein x-faches erhöht. Je schneller die Maschinen, desto billiger das T-Shirt auf dem Markt.

    Hanna Wick

Autor/in: Monika Schärer, Hanna Wick, Julia Voegelin, Moderation: Monika Schärer, Redaktion: Raphael Zehnder