Ist Frausein eine Krankheit?

  • Mittwoch, 27. April 2016, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Mittwoch, 27. April 2016, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 27. April 2016, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Viele Frauen gehen einmal jährlich zur Frauenärztin – obwohl sie gesund sind. Über die Fehlversorgung in der Frauenheilkunde

Kaum ein Arzt hat so viele gesunde Patientinnen wie ein Frauenarzt: Die Frauen kommen regelmässig in die Praxis, egal ob sie krank oder gesund sind – zum Beispiel für den PAP-Abstrich zur Vorsorge vor Gebärmutterhalskrebs. Doch Zahlen zeigen, dass dieser Test viel zu oft durchgeführt wird. Was steckt hinter den häufigen Arztbesuchen und warum besteht ausgerechnet in der Gynäkologie gleichzeitig eine Über-, Unter- und Fehlversorgung. Ist das Gewinnstreben der Ärzte schuld, ein gesteigertes Sicherheitsbedürfnis der Frauen – oder die Medikalisierung des weiblichen Geschlechts, deren Ursprünge in der Geschichte der Gynäkologie weit zurückreichen?

Beiträge

  • Eine Gynäkologin erzählt, wie für sie der Arbeitsaltag ist.

    «Bitte, machen Sie sich frei.»

    Auf dem Rücken liegend, die Beine gespreizt – so werden die Patientinnen beim Frauenarzt untersucht. Wir besuchen eine Gynäkologin in ihrer Praxis und fragen sie, wie sich das für sie anfühlt – und sprechen mit ihr über Freud und Leid ihres Berufes.

    Odette Frey

  • Die PAP-Abstrich werden in der Schweiz voraussichltich zu häufig durchgeführt.

    Der PAP-Abstrich – Zu viel des Guten

    Sieben von zehn Frauen gehen jedes Jahr zum Frauenarzt für den PAP-Abstrich. Dank dem Abstrich kann Gebärmutterhalskrebs verhindert oder zumindest frühzeitig erkannt und daher oft erfolgreich behandelt werden. Doch der Abstrich wird in der Schweiz viel zu häufig durchgeführt.

    Odette Frey

  • Ingrid Mühlhauser kritisiert die Jahreskontrolle beim Frauenarzt.

    Die Crux mit der Krebsvorsorge

    «Eine gesunde Frau muss nicht zum Arzt», sagt die Medizinerin Ingrid Mühlhauser im Interview. Die Expertin für evidenzbasierte Medizin kritisiert die Jahreskontrolle beim Frauenarzt. Der Nutzen vieler Vorsorge-Untersuchungen sei wissenschaftlich nicht belegt.

    Und: Die Vorsorge könne den Frauen auch Schaden zufügen.

    Odette Frey

  • Von Beginn weg für die Ärzte klar: Der männliche Körper ist die Norm, der weibliche ein Spezialfall.

    Krankheit Frau

    Eine kurze Geschichte der Gynäkologie: Im 19. Jahrhundert etabliert sich die Gynäkologie als mehr oder weniger eigenständiges medizinisches Fach.

    Für die Ärzte ist von Beginn weg klar: Der männliche Körper ist die Norm, der weibliche ein Spezialfall, der unbedingt einer speziellen Medizin bedarf.

    Katharina Bochsler

  • Die Medikalisierung weiblicher Umbruchphasen geht weiter, findet Gesundheitsforscherin Petra Kolip.

    Die Medikalisierung weiblicher Umbruchphasen

    Noch bis in die 1990er Jahre wurde Frauen in Schweizer Spitälern selbst bei geringsten Beschwerden die Gebärmutter vollständig entfernt und meist im selben Zug auch grad die Eierstöcke. Die Zeit solch radikaler gynäkologischer Eingriffe in den weiblichen Körper ist heute zwar vorbei.

    Doch die Medikalisierung weiblicher Umbruchphasen geht weiter. Ein Gespräch mit Gesundheitsforscherin Petra Kolip.

    Katharina Bochsler

Autor/in: Katharina Bochsler und Odette Frey, Moderation: Brigitte Häring, Redaktion: Christoph Keller