Künste im Gespräch: Teppich, Tschick und Deutscher Stil

  • Donnerstag, 15. September 2016, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Donnerstag, 15. September 2016, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Donnerstag, 15. September 2016, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Webkunst aus der marokkanischen Sahara im Zürcher Museum Bellerive. Wolfgang Herrndorfs Roman macht Karriere: auf der Bühne und der Leinwand. Und: Die Schönheit deutscher Worte. Zur Neuausgabe von Engels Stilkunst.

Künste im Gespräch berichtet über drei erstaunliche Karrieren. Die erste kommt aus dem Bereich der textilen Kunst: Die Teppiche, welche Frauen des Berberstamms Aït Khebbach seit den 1980er Jahren weben, verbinden schlagend dekorativ Tradition mit Recycling. Ihr zeitgemässes Kunsthandwerk ist in einer Zürcher Ausstellung ausserhalb der Wüste Marokkos zu sehen.


Wolfgang Herrndorfs Roman «tschick» war ein Bestseller, der bereits kurz nach seinem Erscheinen 2010 die Theaterbühnen eroberte und zum meistgespielten Stück der Saison 2012/13 wurde. Nun macht der Roman auch im Kino in einer Verfilmung von Fatih Akin Karriere.


Und schliesslich: Die Neuausgabe von Eduard Engels «Deutscher Stilkunst» in der «Anderen Bibliothek» zeigt auf, wie diese bahnbrechende Publikation eines jüdischen Autors aus dem Jahr 1911 in Nazideutschland und auch nachher weiterwirkte, ohne dass Engel genannt worden wäre.

Beiträge

  • Sesshafte Berber schlafen in Marokko auf weicheren Teppichen

    Die Grenzziehung zwischen Marokko und Algerien veränderte nicht nur die Landkarte, sondern auch die Lebensumstände der Bewohner. Der Berberstamm der Aït Kebbach wurde sesshaft. Doch auch in Lehmhäusern schliefen die einstigen Nomaden weiterhin am Boden.

    Seit den 1980er Jahren knüpfen die Berberinnen Wolle und Stoffstreifen aus recycelten Textilien in die bis anhin gewebten Schlafteppiche. So wurden sie weicher - und farbenfroher.

    Das blühende Kunsthandwerk und seine Geschichte ist in der Ausstellung «Couleurs désert» im Zürcher Museum Bellerive zu erleben.

    Noemi Gradwohl

  • Der Regisseur Fatih Akin hat «tschick» verfilmt.

    Ein Roman und seine Karriere im Theater und im Kino

    «tschick» handelt von zwei Jugendlichen, die mit einem geklauten Auto abhauen. Dieser Roman hat den deutschen Autor Wolfgang Herrndorf innert Kürze berühmt gemacht. Seit seinem Erscheinen 2010 sind zunächst die Theaterbühnen auf den Stoff aufmerksam geworden.

    Nun hat Regisseur Fatih Akin das Roadmovie verfilmt. Ein Gespräch über das Phänomen einer universellen Pubertät und die Karriere eines modernen Buchklassikers.

    Kaa Linder

  • Konrad Duden: Zeitgenosse des Sprachpuristen Eduard Engel.

    Von der Arisierung der «Deutschen Stilkunst»

    Eduard Engel (1851-1938) schuf 1911 ein neuartiges Stilbuch, nämlich eine Gesamtdarstellung von Problemen des sprachlichen Ausdrucks. Gegen die «Fremdwörterei» wandte er sich, gegen Eitelkeit und für Wahrhaftigkeit und Verständlichkeit.

    Die «Andere Bibliothek» hat nun seine «Deutsche Stilkunst» neu herausgegeben, erstmals seit 1931. Im Vorwort weist Stefan Stirnemann auch auf einen anderen Stilpapst hin: Das NSDAP-Mitglied Ludwig Reiners schrieb für sein gleichnamiges Werk (1944) ungeniert bei Engel ab. Dieser war jüdischer Herkunft.

    Raphael Zehnder

Autor/in: Noëmi Gradwohl, Kaa Linder, Raphael Zehnder, Moderation: Bernard Senn, Redaktion: Ellinor Landmann, Theresa Beyer