Schweizer Ortsbildschutz - alter Zopf oder Ei des Kolumbus?

  • Mittwoch, 12. Juli 2017, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Mittwoch, 12. Juli 2017, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 12. Juli 2017, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Das Bundesinventar für schützenswerte Ortsbilder (ISOS) ist weltweit ein einzigartiges denkmalpflegerisches Instrument, ein Kind der 60er Jahre, lange verpönt, inzwischen etabliert: ist die Idee noch zeitgemäss angesichts der Forderungen nach verdichtetem Bauen?

In den 60er Jahren machte ein massiver Bauboom auch vor historischer Bausubstanz nicht Halt, dem Bauerndorf drohte ebenso wie der mittelalterlichen Vorstadt die Abrissbirne. Um die architektonische Vielfalt der Schweiz zu erhalten, wurde ein Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz ISOS erstellt: nicht einzelne Bauwerke, sondern gewachsene Ensembles sollen geschützt werden.

In welchem Verhältnis steht das inzwischen etablierte Inventar zur aktuellen Raumplanungsdiskussion: als Verhinderer von Moderne oder als wichtiges Instrument zur Erhaltung einmaliger historischer Bausubstanz und damit kultureller Identität? Das Thema ist von beträchtlicher Brisanz, wie eine Tagung zeigte im Januar dieses Jahres.

Und: soeben ist der letzte Band erschienen, ein dreiteiliges Werk über die schützenswerten Ortsbilder des Kanton Zürichs.

Beiträge

  • Das Valle Malvaglia gehört auch ins Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder mit nationaler Bedeutung für die Schweiz.

    Die Pionierin Sibylle Heusser

    1972 beauftragte das BAK eine junge Architektin, in der Schweiz schützenswerte Ortsbilder zu suchen und Kriterien festzulegen, nach denen die verschiedenen Ortsbilder als «schützenswert» zu definieren sind: wie kann ein Industriequartier, wie ein Walserweiler nach gleichen Kriterien qualifiziert werden? Für die junge Architektin – Sibylle Heusser - eine Pionieraufgabe und ein lebenslanges Abenteuer.

    Maya Brändli

  • Von der Stadt sind 75 % schützenswerte Ortsbilder – nicht alle finden das gut.

    ISOS: Von Feind und Freund

    Anfangs Jahr sind die letzten drei Bände herausgekommen – Thema der Kanton Zürich.

    Dabei sind alleine 75% der Stadt Zürich als schützenswerte Ortbilder festgelegt worden, was nicht nur die FDP und die SVP masslos ärgerte, sondern auch unter den ArchitektInnen und Städtebauern Diskussionen auslöste: Wird hier Moderne und Entwicklung verhindert? Zürich zu Tode geschützt oder aufgewertet? Und wie steht es um Verdichtungen?Das baukulturelle Erbe erhöht die Akzeptanz für Verdichtung – sagt der Zürcher Kantonsplaner Sacha Peter. Nur: wie bringt man das den Laienbehörden in den Gemeinden bei? Und was spricht aus deren Sicht dafür? Oder dagegen?

    Karin Salm

  • Lukas Bühlmann setzt sich als Leiter des schweizerischen Verbandes der Landesplaner für eine nachhaltige Entwicklung des Lebensraumes in der Schweiz ein.

    Alter Zopf oder wertvolle Hilfe?

    Lukas Bühlmann ist Leiter der Schweizerischen Vereinigung für Landesplanung und beschäftigt sich mit all den widersprüchlichen und nur schwer unter einen Hut zu bringenden raumplanerischen Ansprüche in der Schweiz. Was ist die Rolle von ISOS? Wo sinnvoll, wo weniger? Ein Abschlussgespräch.

    Maya Brändli

Autor/in: Maya Brändli und Karin Salm, Moderation: Monika Schärer, Redaktion: Cornelia Kazis