Themenmorgen: «Das Theater mit Tell» 

  • Donnerstag, 15. November 2012, 9:06 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Donnerstag, 15. November 2012, 9:06 Uhr, DRS 2
  • Wiederholung:
    • Donnerstag, 15. November 2012, 18:30 Uhr, DRS 2
    • Donnerstag, 15. November 2012, 23:33 Uhr, DRS 4 News
    • Freitag, 16. November 2012, 2:33 Uhr, DRS 4 News
    • Freitag, 16. November 2012, 5:33 Uhr, DRS 4 News

Ob Wilhelm Tell je gelebt hat, ist bis heute nicht klar. Seine Symbolkraft wirkt dennoch ungebrochen weiter. So wird gerade in diesem Jahr auf der Bühne die Heldengeschichte gleich mehrfach neu erzählt. Hat Tell uns heute noch etwas zu sagen?

Spätestens in den 1980er-Jahren des 20. Jahrhunderts bewies die historische Forschung, dass die Befreiungssage der Schweiz zum grössten Teil ein Mythos ist.

Das trifft vor allem für den Helden Wilhelm Tell zu. Sein berühmter Apfelschuss stammt vermutlich aus dem Fundus mittelalterlicher Wandersagen.

Das Standardwerk zu Tell, seine «Biografie», wurde 1988 vom bekannten Historiker Jean-François Bergier publiziert. Nicht zufällig fiel damals die Entmystifizierung des Nationalhelden zusammen mit dem Zerbrechen der Nachkriegsblöcke, mit dem Ende des Kalten Kriegs.

Trotz dieser Entmystifizierung ist die Wirkungsgeschichte Tells nicht abgeschlossen, zumal viele Symbole in dieser Figur eingeschrieben sind, wie das des Widerständlers, des Meisterschützen und des Tyrannenmörders.

Im Themenmorgen diskutieren die Historiker Guy Marchal und Thomas Maissen darüber, was der Stoff heute hergibt, ausgehend von drei aktuellen Theateraufführungen: «Wilhelm Kasperli Tell», ein Figurentheater für Kinder, der Mythentausch «Tell/Zahhak» von Mass&Fieber mit der iranischen Theatergruppe Don Quixote, sowie «Wilhelm Tell. Das Original» am Zürcher Theater Neumarkt.

Buchtipps
Jean-François Bergier: Wilhelm Tell. Realität und Mythos. Zürich 2012. Römerhof Verlag
Thomas Maissen: Geschichte der Schweiz. Baden 2010
Thomas Maissen: Schweizer Geschichte im Bild. Baden 2012
Guy Marchal: Schweizer Gebrauchsgeschichte: Geschichtsbilder, Mythenbildung und nationale Identität. Basel 2006

Beiträge

  • «Willhelm Tell, das Original» im Theater Neumarkt

    Friedrich Schillers Drama «Wilhelm Tell» gehört zur Pflichtlektüre in Deutschschweizer Oberstufenschulen. Am Theater Neumarkt in Zürich hat man das Drama kurzerhand für ein jugendliches Publikum umgeschrieben und mit einem Augenzwinkern von Schulstaub befreit.

    Die unbescheidene Version des deutschen Punk-Musikers und Autors Jens Rachut heisst «Wilhelm Tell, das Original». Für die krachende Inszenierung zeichnet Hausherr Raphael Sanchez und gemeinsam ist beiden der Spass an verkehrten Welten.

  • «Kasperli Tell»: Tell als Figurentheater

    Die Geschichte von Wilhelm Tell ist kein Stoff, der sich auf den ersten Blick fürs Kindertheater eignet - es wird viel gemordet und zu lachen gibt es wenig. Das Figurentheater «Gustavs Schwestern» hat nun den «Tell» für Kinderaugen tauglich gemacht.

    Die Macherinnen Sibylle Grütter und Jacqueline Surer kreuzen die Geschichte des helvetischen Nationalhelden mit einer anderen Figur mit schweizerischem Heldenformat: Kasperli. Der streikt gerade, will keine Sprüche mehr klopfen und keine Krokodile mehr einfangen. Dafür stürmt er die Bühne und ergattert sich die Rolle von Walther Tell. Dass das schiefgehen muss, ist nur die halbe Wahrheit.

  • «Tell / Zahhak»: ein Mythentausch

    «Tell/Zahhak» heisst das Projekt, das diesen Sommer an den Tellspielen in Altdorf uraufgeführt wurde: ein iranisch-schweizerischer Mythentausch. 

    Die freie Schweizer Theatergruppe «Mass & Fieber», seit 15 Jahren bekannt für ihre komplexen und intelligenten Theaterprojekte, haben zum 500 Jahre-Jubiläum der Tellspiele den Auftrag erhalten, die Spiele zusammen mit einem aussereuropäischen Partner zu realisieren. Sie haben sich mit der Theatergruppe «Don Quixote» aus Teheran zusammengeschlossen.

Autor/in: Markus Gasser, Kaa Linder, Sabine Bitter, Jean-Luc Wicki, Michael Schwendimann