Überleben in der Nische: Schweizer Literaturzeitschriften

  • Dienstag, 19. Juni 2018, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 19. Juni 2018, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Dienstag, 19. Juni 2018, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Spätestens seit es das Internet gibt, greifen nur noch wenig Leserinnen und Leser regelmässig zu Literaturzeitschriften. Warum also kommen junge Menschen auf die Idee, überhaupt Literaturzeitschriften zu gründen? Über Zeitschriften, ihre MacherInnen, ihre Leistungen und Probleme.

Literaturzeitschriften hatten lange einen fixen Platz im bildungsbürgerlichen Alltag. Mit dem Aufkommen des Internets schien ihnen der Abstieg in die Bedeutungslosigkeit jedoch fast sicher: Vergleichbare Inhalte wurden online rund um die Uhr und gratis verfügbar – sinkende Auflage- und Abonnementszahlen waren die Folge. Gedruckte Literaturzeitschriften wurden ein Nischenphänomen.

Auch was die Zeitschriftenförderung durch Stiftungen der öffentlichen oder privaten Hand angeht, hat die Literatur seit Aufkommen der Leistungsgesellschaft einen zunehmend schweren Stand – Fördergelder sind rar geworden, und die Ansprüche, die gestellt werden, sind teils fast schon zu spezifisch, als dass sie noch kreativ umgesetzt werden könnten. Von den Schweizer Literaturzeitschriften, die schon länger bestehen, hat nur eine Handvoll überlebt.

Erstaunlicherweise gab es aber in den letzten zehn Jahren einen regelrechten Aufschwung: Etliche Literaturzeitschriften wurden – zumeist von jungen Menschen – neu ins Leben gerufen und existieren noch immer, ja, wachsen zum Teil sogar.

Wir begeben uns auf eine Tour durch die Welt der jüngeren Schweizer Literaturzeitschriften und fragen: Worin liegt der Reiz an der Existenz in der Nische? Wozu braucht es Literaturzeitschriften heute noch? Wie können sie trotz der widrigen finanziellen Bedingungen überleben?

Beiträge

  • «Das Narr»: Wie macht man eine Literaturzeitschrift?

    «Das Narr» ist eine Literaturzeitschrift, die seit 2011 existiert und von einer jungen Redaktion herausgegeben wird.

    Sie setzt einen starken Fokus auf die Publikation von jungen, nicht-etablierten Autorinnen und Autoren.Wir waren bei der Vernissage einer neuen Ausgabe dabei und haben mit Lukas Gloor und René Frauchiger, den beiden Herausgebern des «Narr», darüber gesprochen, wie eine neue Literaturzeitschrift entsteht, welche Idee hinter dem «Narr» steckt, und mit welchen Schwierigkeiten der Betrieb einer Literaturzeitschrift heute einhergeht.

    Simon Leuthold

  • Das Geld: Finanzprobleme und Fördergelder

    Die überwiegende Mehrheit der Schweizer Literaturzeitschriften könnte ohne Förderbeiträge von öffentlicher und privater Hand nicht überleben.

    Die Förderungslandschaft für Literaturmagazine hat eine komplexe Topographie: Städte, Kantone, der Bund und private Stiftungen bieten verschiedene Möglichkeiten der Förderung an. Wir versuchen, Licht in dieses Dunkel zu bringen. Angelika Salvisberg (Pro Helvetia), Yeboaa Ofosu (Migros-Kulturprozent) und Nicole Pfister Fetz (Autorinnen und Autoren der Schweiz) geben Auskunft über Problemstellen und über ihre Mittel und Wege der Förderung.

    Simon Leuthold

  • Das Warum: Über die Bedeutung von Literaturzeitschriften

    Welche Funktionen können oder sollten Literaturzeitschriften im Literaturbetrieb wahrnehmen? Welchen Gewinn versprechen sich die Leserinnen und Leser von der Lektüre einer Literaturzeitschrift? Braucht es noch Literaturzeitschriften? Ein Gespräch aus Produktions- und Rezeptionsperspektive mit dem Literaturwissenschaftler und Feuilletonisten Philipp Theisohn und Michael Wiederstein, Chefredaktor der Zeitschriften «Literarischer Monat» und «Schweizer Monat».

    Nicola Steiner

Autor/in: Simon Leuthold, Nicola Steiner, Moderation: Hansjörg Schultz, Redaktion: Raphael Zehnder