Venedig – Touristenstadt am Limit

  • Montag, 10. Juli 2017, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Montag, 10. Juli 2017, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Montag, 10. Juli 2017, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

An die dreissig Millionen Touristinnen und Touristen reisen jedes Jahr nach Venedig, in die Kulturstadt, die seit 1987 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Für die rund 55 000 Einheimischen ist der Massentourismus eine tägliche Belastungsprobe.

In den engen Gassen von Venedig gibt es oft kein Durchkommen mehr, und der Wohnraum ist kaum mehr bezahlbar. Viele Einheimische ziehen notgedrungen auf Festland. Darüber hinaus belasten die mit Schweröl betriebenen Kreuzfahrtschiffe die Luft und greifen beim Anlegen die historische Bausubstanz an.

Weil Venedig am Limit ist, läuft die Stadt Gefahr, auf die Liste des gefährdeten Weltkulturerbes gesetzt zu werden. Darüber wird derzeit an der UNESCO-Jahreskonferenz in Krakau diskutiert.

«Kontext» mit einem Augenschein in der Lagunenstadt und einer Nachfrage am UNESCO-Hauptsitz in Paris.

Beiträge

  • Auch dieses Bild gibt es in Venedig noch – Wäsche die zum trocknen aufgehängt wird.

    »Die versteckten Seiten der Serenissima»

    Venedig, die schöne Stadt mit den Kanälen und Brücken, die «Serenissima», die sonst im Rest der Welt nur als wunderschöne, etwas morbide Reisedestination wahrgenommen wird, sie ist immer noch eine Stadt, eine Kommune mit Bewohnerinnen und Bewohnern.

    Und diese kämpfen dagegen, dass nicht alles, was Venedig noch zur Stadt macht – Geschäfte, Büros, das Krankenhaus, Ämter – aufs Festland verlegt wird und der Touristeninfrastruktur weichen muss.

    Ein Besuch in der Stadt hinter der Stadt, bei Bewohnerinnen und Bewohnern.

    Brigitte Häring

  • Auch die Lagune in Venedig wird durch den Massentourismus belastet.

    Rettung fraglich

    Nicht nur das historische Zentrum von Venedig, sondern auch die Lagune wird durch den Massentourismus belastet. Zudem steigt der Meeresspiegel als Folge des Klimawandels.

    Sperrwerke, die die Stadt vor den Flutwellen schützen, sind zwar im Bau, aber umstritten, etwa weil dafür tonnenweise Beton in der Lagune versenkt worden sind.

    Der Versuch, die Stadt zu retten, komme zu spät, lautet die Kritik von Bürger- und Umweltorganisationen und von Fachleuten wie der Stadtplanerin Veronika Howe, die untersucht hat, wie eine umweltgerechte Stadtentwicklung in Venedig aussehen könnte.

    Sabine Bitter

  • Der Massentourismus setzt der wunderschönen Lagunenstadt zu.

    Welterbe im Schatten der Grandi Navi

    Der Massentourismus setzt der Lagunenstadt zu.

    Wenn der Markusdom von vorbeifahrenden Kreuzfahrtschiffen in den Schatten gestellt wird, wenn an jeder Ecke Soft Ice und Souvenirs made in China angeboten werden, verliert die Stadt ihre geografische, historische und ästhethische Einzigartigkeit und Autenthizität, jene Eigenschaften, die ihr zur Auszeichnung als UNESCO-Welterbe verholfen haben. Dieses Label wird derzeit in Frage gestellt.

    «Kontext» hat bei der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur am Hauptsitz in Paris nachgefragt.

    Sabine Bitter

Autor/in: Brigitte Häring und Sabine Bitter, Moderation: Hansjörg Schultz, Redaktion: Cornelia Kazis