Von Engeln und Eliten: Mädchen in Knabenchören

  • Freitag, 13. Dezember 2019, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Freitag, 13. Dezember 2019, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Freitag, 13. Dezember 2019, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Weihnachtszeit ist Knabenchor-Saison. Wir freuen uns daran, wie die Buben brav in Reih und Glied stehen und engelsgleich in höchsten Tönen singen. Aber ist ein reiner Knabenchor noch zeitgemäss? Müssen Mädchen also aussen vor bleiben, damit unsere Weihnachtslieder genau so und nicht anders klingen?

Vor etwa einem Jahr hat ein neunjähriges Mädchen den Wunsch geäussert, im Berliner Staats- und Domchor - einem traditionsreichen Knabenchor – singen zu wollen. Sie durfte vorsingen, wurde aber abgelehnt. Die Begründung: ihre Stimmfarbe passe nicht in den Klang des Chores. Ihre Mutter ist Anwältin und entschied den Chor zu verklagen. Dass Mädchen keinen Zugang zu prestigeträchtigen Ausbildungsinstitutionen wie Knabenchören bekommen - darin sah sie einen Verstoss gegen das Gleichstellungsgesetz.

Im August entschied das Gericht: wen ein Chor aufnimmt, läuft unter dem Grundrecht der Kunstfreiheit. Mit dem Urteil war die Debatte entfacht: Verteidiger der Tradition trafen auf jene, die finden, dass subventionierte Knabenchöre im Jahr 2019 nicht mehr auf der Grundlage des Geschlechts selektieren dürfen.

Kontext knüpft an die Debatte an, holt sie in die Schweiz und fragt: Sind Knabenchöre Ausbildungsstätten oder künstlerische Klangkörper? Klingen Mädchenstimmen wirklich anders als Knabenstimmen? Wer hat Zugang zu welchem Repertoire? Und warum eigentlich werden Knabenchöre so derartig überhöht und Mädchenchöre so wenig beachtet?

Beiträge

  • Kunstfreiheit vs. Gleichberechtigung. Was ist gewichtiger?

    Die Debatte um den Berliner Staats- und Domchor hat Unruhe in die Institution Knabenchor gebracht, sagt die Berliner Musikwissenschaftlerin Ann-Christine Mecke im Interview.

    Im Kern berührt sie die Frage, ob sich Knaben- und Mädchenstimmen im Klang unterscheiden. Ihre Studien zeigen, dass die Anatomie durchaus einen gewissen Einfluss hat. Eine grössere Rolle spielt aber, wie eine Kinderstimme hin auf ein bestimmtes Klangideal trainiert wird.

    Theresa Beyer

  • Der Apostel Paulus, die Kastraten und die Laienchorbewegung

    Wegen des Privilegs, geistliche Musik aufführen zu dürfen, haben Knabenchöre in der westeuropäischen Musik eine viel längere Tradition als Mädchen- und gemischte Chöre. Aber warum eigentlich?

    Wir fragen bei der Musikwissenschaftlerin Silke Leopold nach.

    Jenny Berg

  • Mädchenstimmen – Knabenstimmen: wo liegt der Unterschied?

    Für die Laien sind die Stimmen von Mädchen und Knaben vor ihrem Stimmbruch nicht zu unterschieden. Geübte Ohren jedoch können differenzieren - aber nicht 100%. Wo also liegt der Unterschied?

    Theresa Beyer

  • Warum geschlechtergetrennter Chor-Unterricht sinnvoll sein kann

    Es gibt immer mehr Städte in Europa, in denen es nicht nur gemischte Kinderchöre gibt, sondern auch reine Mädchenchöre.

    Basel ist solch eine Stadt: Hier wurde 1991 die Mädchenkantorei Basel gegründet – explizit mit dem Ziel, eine Chorschule zu eröffnen, die den Mädchen dieselbe Ausbildung ermöglicht wie den Knaben in der Knabenkantorei.

    Was unterscheidet also die beiden Chöre? Ein Besuch bei der Mädchen- und der Knabenkantorei Basel.

    Jenny Berg

Autor/in: Theresa Beyer, Jenny Berg, Moderation: Bernard Senn, Redaktion: Dagmar Walser