Wie der Neoliberalismus unseren Alltag verändert

  • Montag, 26. Oktober 2015, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Montag, 26. Oktober 2015, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Montag, 26. Oktober 2015, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Den einen ist er des Teufels, den anderen gilt er als der Weg, der die Wirtschaft am effizientesten organisiert: Der Neoliberalismus hat seit den 80er-Jahren die Gesellschaften drastisch verändert. Er ist ins Denken der Menschen eingedrungen und zum Massstab auch im Alltag geworden.

Einst gab es die «soziale Marktwirtschaft», die der Wirtschaft auch gesellschaftliche und soziale Verantwortung zuschrieb. Seit den 80er-Jahren hat sich die Form der Marktwirtschaft, die als «Neoliberalismus» bezeichnet wird, zu einer mächtigen Ideologie entwickelt.

Alles wird beziffert, berechnet, bemessen, zu Ranglisten geordnet. Um Effizienz und Vergleichbarkeit, um Optimierung und Wachstum geht es dabei, aufs Individuum heruntergebrochen um Eigenverantwortung, Innovationskraft, ja um ein «survival of the fittest». Was bleibt dabei auf der Strecke? «There is no alternative», behauptete einst Margaret Thatcher.

Beiträge

  • Milton Friedman war ein US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler.

    Was ist Neoliberalismus?

    Als 1938 in Paris Oekonomen zusammenkamen, verstanden sie unter «Neoliberalismus» einen Kapitalismus, in dem der Staat eine Rolle spielte und wirtschaftliche Rahmenbedingungen formen sollte, die der ganzen Gesellschaft zu gute kommen sollten.

    Mit dem «Neoliberalismus» der Chicagoer Schule um Milton Friedman wandelte sich diese Idee in eine Apologie von Effizienzdenken, Gewinnmaximierung und Staatsabbau, von einem Egoismus ohne soziales Gewissen. Kleine Geschichte eines Begriffs, dessen Bedeutung sich gewandelt hat.

    Raphael Zehnder

  • Colin Crouch ist ein britischer Politikwissenschaftler und Soziologe.

    Colin Crouch: «Die bezifferte Welt»

    Der englische Politikwissenschaftler und Soziologe Colin Crouch zeichnet in seinem Buch «Die bezifferte Welt» ein drastisches Bild vor allem britischer und amerikanischer Zustände.

    Die Oekonomisierung des Alltags habe sogar Schulen, Polizei und Spitäler erfasst, jede Dienstleistung wird errechnet, berechnet und ausgemessen.

    Der Markt sei keine perfekte Wissensmaschine, die aus anonymen Entscheidungen Transparenz herbeizaubere, schreibt Crouch. Lasse man die Logik der Finanzmärkte ungehindert operieren, könnte sie unsere Gesellschaften zerstören.

    Aurel Jörg

  • Nur noch Kennzahlen oder Wohlstand durch Neoliberalismus?

    Was bringt der Neoliberalismus?

    Besteht das westliche Wertesystem heute lediglich noch aus Kennzahlen? Oder schafft höhere Effizienz nicht auch mehr Wohlstand für alle?

    Zwei politisch höchst unterschiedliche Oekonomen streiten sich über den Neoliberalismus: Yves Wegelin, Redaktor der «WochenZeitung» («WoZ»), und Marco Salvi, Projektleiter beim Think-tank «Avenir Suisse» mit Bankerfahrung.

    Raphael Zehnder

Autor/in: Raphael Zehnder und Aurel Jörg, Moderation: Eric Facon, Redaktion: Dagmar Walser