Komponistenszene Island

Grad ums Eck liegt sie ja nicht gerade, die Insel Island. Doch sind uns ihr Kulturschaffen und ihre Musik im Speziellen vielleicht näher, als wir denken.

Island: Farbiger Himmel mit Rauchsäule.
Bildlegende: Komponistenszene Island: weit weg und nah zugleich. Keystone

Viele Komponisten aus Island haben sich das zum Musikmachen Nötige nämlich im Ausland geholt: Inspiration, Handwerk, Kenntnisse. Nicht zuletzt darum, weil es in Island selbst bis 1950 kein Musikleben gab im Sinne wie es das europäische oder US-amerikanische Festland kannte. Kein Sinfonieorchester, keine Kammermusik-Ensembles, keine Tradition einer eigentlichen Kunstmusik.

Das ursprünglich isländische Erbe der Musik, namentlich die gesungenen Sagas, spielt allerdings auch heute noch eine Rolle bei isländischen Komponisten. Die Natur kommt dazu als weiterer Faktor, den aber vielleicht mehr das ausländische Ohr und unsere Projektion auf Island mit sich bringen mit seinen Geysiren, seiner kargen Vegetation, dem Nordlicht und einer doch eher dünn gesäten Bevölkerung.

Heute hat Island ein blühendes Musikleben. Seit 1980 finden allwinterlich in Reykjavik die «Dark Music Days» statt, eine Plattform für die klassische Musik wie auch für die jüngere und jüngste isländische Komponistengeneration. Bei aller Experimentierfreudigkeit scheuen sich die isländischen Komponisten nicht vor Schönklang und Anleihen bei der traditionellen Dur-Moll-Tonalität. Das mag mit der vergleichsweise sehr kurzen Geschichte isländischer Kunstmusik zu tun zu haben. Einer Geschichte, die keine stilistischen Leitplanken und gar Verbote kennt, wie sie etwa im Europa der Zwölfton- und seriellen Musik zumindest während einigen Jahrzehnten durchaus existierten.

Wie frei fühlt sich das Musikmachen an in Island, und gibt es überhaupt so etwas wie eine stilistische Besonderheiten auf der ästhetisch von Europa und den USA beeinflussten Insel? «Musik unserer Zeit» macht einen Abstecher nach Island, hört sich am Festival «Dark Music Days» um, bei der isländischen Komponistin Karolina Eiriksdottir und dem Dirigenten und Komponisten Daniel Bjarnasson sowie bei dem Festivalleiter Kjartan Olafsson.

Gespielte Musik

Redaktion: Benjamin Herzog