Nordische Mythologie und das Christentum

Christliche Praxis und Lehre wurzeln nicht nur in Jerusalem, Athen und Rom, sondern haben auch Elemente aus dem Norden integriert. Sie gilt es anlässlich der Mittsommer­nacht kritisch aufzuspüren. Denn das Christentum hat dem Norden weit mehr als nur den Weihnachtsbaum zu verdanken.

Ein beleuchteter und geschmückter Christbaum in einer Kirche
Bildlegende: Auch der Christbaum kommt aus dem Norden, aber was noch? Imago/Chromorange

Viele Trends kommen aus Nordeuropa. Die isländischen Fussball-Fans wurden mit ihrem Wikinger-Ritual zu Sympathieträgern der EM. Dänische Serien mischen den Fernsehmarkt auf. Skandinavische Wörter wie «hygge» finden in anderen Sprachen Eingang. Mittlerweile wird Mittsommernacht auch hierzulande gefeiert.
Die Faszination am Europas Norden ist historisch gewachsen, bleibt aber bisweilen auch sehr problematisch. Hitler etwa versuchte, den christlichen Glauben durch eine germanisch-nordische Mythologie zu ersetzen. Perspektiven geht der Frage nach, welche nordischen Elemente das Christentum tatsächlich übernommen hat: ausser dem Weihnachtsbaum. Dabei geht es nicht nur um das traditionell enge Verhältnis von Kirche und Staat in Skandinavien – wie in England war die Kirche dort lange Zeit Staatskirche –, sondern auch, wie das Christentum im Norden adaptiert wurde. Denn auch Konkurrenzkämpfe wurden ausgetragen: Der Nordismus etwa, die Faszination durch die Himmelsrichtung Norden, wendet sich vom traditionellen Blick nach Osten ab, nach Jerusalem.

Redaktion: Raphael Rauch