Am Grosselternkurs werden Grosis zu Profis

Die Klinik Hirslanden bietet einen Kurs über Babypflege und -erziehung für Grosseltern an. Seit deren Kinder noch klein waren hat sich einiges geändert – vor allem das Wickeln ist zu einer halben Wissenschaft geworden. Da staunen nicht nur die Grossväter, die gewöhnlich mehr Nachholbedarf haben.

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Grosseltern im Wickelkurs

4:23 min, aus Puls vom 19.1.2015

Harry und Nadine Berg waren zu Beginn des Grosselternkurses ein bisschen skeptisch – was sollten sie als Eltern von erwachsenen Kindern noch über die Kinderpflege lernen? Sie staunten aber nicht schlecht, als ihnen das Wickeln an der Babypuppe anschaulich gemacht wird.

Richtig gewickelt wird heute nämlich mit «Kinaesthetics Infant Handling». Nach der Bewegungslehre soll das Kind die Bewegungen beim Wickeln bewusst miterleben. Das Baby wird mit vielen Drehbewegungen gewickelt, so dass gleichzeitig seine Organe mitbewegt werden. Gleich wie früher ist nur noch das Resultat – das sauber verpackte Baby.

Zwar sind beim Wickeln die grössten Veränderungen passiert, seit die Bergs das letzte Mal wickelten, im Kurs wird aber auch Wissen aufgefrischt: Die Grosseltern erfahren etwas über Kinderernährung, was in die Notfallapotheke gehört und worauf sie sonst noch achten müssen bei der Kinderbetreuung.

Eltern auf Hilfe der Grosseltern angewiesen

Der Kurs vermittle oft zwischen Eltern und Grosseltern in der Diskussion, wie der Nachwuchs aufgezogen werden soll, erzählt Kursleiterin Stefanie Baumann.

Den Kurs gibt es bereits seit eineinhalb Jahren. Angefangen habe es damit, dass die frischgebackenen Eltern das Pflegepersonal oftmals baten, mit Pflegeinstruktionen zu warten bis die eigenen Eltern anwesend seien, so Baumann.

Die meisten Kursbesucher werden künftig einen Teil der Betreuung bei ihren Enkeln übernehmen, weil ihre Kinder und Schwiegerkinder wieder voll oder teilweise ins Berufsleben einsteigen möchten. Viele Berufstätige sind bei der Erziehung auf die Hilfe ihrer eigenen Eltern angewiesen.

Laut Bundesamt für Statitistik waren im Jahr 2013 nur noch 24,2 Prozent aller Mütter nicht erwerbstätig und somit Vollzeitmütter – 1992 waren es noch 47,2 Prozent! Der Anteil der Vollzeitmütter hat sich somit in zehn Jahren fast halbiert, das Familienmodell hat sich stark verändert und damit auch die Rolle der Grosseltern.

Wickeln wird zur Grossvätersache

Viele Mütter wollen nicht mehr Vollzeit zu Hause bleiben und die Männer sind stärker involviert in die Kinderpflege. Und so merken vor allem die Grossväter im Kurs, dass sich einiges getan hat seit der Geburt ihrer eigenen Kinder. Die meisten von ihnen feiern im Kurs eine Premiere – Wickelpremiere.

Und die Grossmütter haben grossen Spass daran, den Spiess nun umzudrehen.

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