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Alltag & Umwelt Seuchen nach Hochwasser – Gespenst oder reale Gefahr?

In den Überschwemmungs-Gebieten in Bosnien-Herzegowina, Serbien und Kroatien herrscht Seuchenangst. Um das Risiko so klein wie möglich zu halten, hat die Versorgung der Betroffenen mit sauberem Trinkwasser oberste Priorität.

Legende: Video Seuchengefahr bei Hochwasser abspielen. Laufzeit 04:24 Minuten.
Aus Puls vom 26.05.2014.

Die Bilder und Nachrichten der letzten Tage aus dem Gebiet Bosnien-Herzegowina, Serbien und Kroatien haben die verheerenden Folgen des Hochwassers gezeigt. Nebst Dutzenden von Toten, zerstörten Häusern, und Menschen, die vor dem Nichts stehen, lauert dort noch eine andere Gefahr: Die bosnischen Behörden warnten letzte Woche vor dem Ausbruch von Seuchen.

Eine Warnung, die oft zu hören ist in Überschwemmungsgebieten. Grund dafür ist verschmutztes Trinkwasser: Bei Überschwemmungen werden häufig Trinkwassertanks oder -brunnen überflutet.

Im abgestandenen Wasser fühlen sich Keime wohl

Kläranlagen müssen abgestellt werden und kilometerlange Abwasserrohre unter der Erde werden zerstört. Tierkadaver bleiben lange im Wasser liegen, Abwasser und Ausscheidungen von Mensch und Tier vermischen sich mit dem Trinkwasser.

Zahllose infektiöse Organismen wie Bakterien, Viren und Pilze tummeln sich nun im Wasser. Am schlimmsten sind die menschlichen Ausscheidungen, von denen das Wasser durch die zerstörte Infrastruktur nicht gereinigt werden kann. Mangels Alternativen trinken oder nutzen die Menschen in den Katastrophengebieten verschmutztes Wasser – und erkranken an Durchfall und Fieber. Schwindel und Gewichtsverlust sind die Folge. Besonders anfällig sind ältere Menschen oder solche mit geschwächtem Immunsystem.

Legende: Video Serie «Vor 50 Jahren»: Der Typhus wütet in Zermatt abspielen. Laufzeit 05:06 Minuten.
Aus Einstein vom 19.12.2013.

Typhus und Hepatitis A

Eine der beiden Krankheiten, vor deren seuchenartiger Verbreitung im Hochwassergebiet bosnische Behörden besonders warnen, ist Typhus, ausgelöst durch das Bakterium Salmonella Typhi. Es kann Fieber, einen verlangsamten Puls, Kopf- und Bauchschmerzen und trockenen Husten auslösen. Nach anfänglicher Verstopfung kann es in der dritten Woche zu erbsenbreiartigen Stuhlgang kommen. Die Krankheit dauert drei bis vier Wochen.

Die zweite befürchtete Seuche ist Hepatitis A. Sie wird durch Picornaviren ausgelöst, ebenfalls verbreitet durch verschmutztes Wasser. Anzeichen sind plötzliches Einsetzen von Fieber, Unwohlsein, Brechreiz und Bauchbeschwerden. Einige Tage später folgt Gelbsucht. Die Krankheit dauert mehrere Wochen, die Genesungszeit allerdings kann Monate dauern.

Keine Cholera befürchtet

Für die Ausbreitung von Cholera besteht in diesem Hochwassergebiet kein Risiko. Cholera kommt auf dem Balkan nicht mehr vor. Allerdings gab es schon Fälle, wo Helfer aus Cholera-Gebieten das Virus wieder in eine Region eingeschleppt haben. Haiti gilt als solcher Fall, wo es die schlechte Trinkwasserversorgung in der Folge zu einem Seuchenausbruch kam. Bei schweren Cholera-Fällen kommt es zu wässrigen Durchfällen mit starkem Flüssigkeitsverlust, manchmal begleitet von Erbrechen. Unbehandelt kann sie innert Stunden zu Kreislaufkollaps, Muskelkrämpfen und Tod führen.

Insgesamt ist das Risiko für die Entstehung einer Seuche in einem Hochwassergebiet geringer als allgemein angenommen. Zwar sind lokale Häufungen von Hepatitis A und Typhus möglich, das Risiko für eine Seuche oder Epidemie schätzt die Fachgruppe «Wasser» des Schweizerischen Katastrophenhilfekorps aber als «sehr gering» ein. Über die Zeit hat sich erwiesen, dass nur dort die Gefahr gross ist, wo eine Krankheit bereits andauernd und gehäuft vorkommt.

Schutz vor der Ausbreitung

Da Krankheiten durch verschmutztes Trinkwasser immer ein Risiko in Überschwemmungsgebieten sind, gehört das Verteilen von Trinkwasser, Trinkwasser-Qualitätskontrolle und die Reinigung von Wasser mit Chlor immer zu den ersten geleisteten Hilfsaktionen. Darüber hinaus wird die Ausbreitung von Krankheiten genau beobachtet und möglichst schnell rapportiert, um die Kranken richtig zu versorgen und eine weitere Verbreitung zu verhindern.

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