Silber – Edelmetall ohne Wert für den Körper

Nicht nur Finger und Ohren soll Silber veredeln. Dem Trinkwasser zugesetzt soll es auch Krankheiten vorbeugen, versprechen die Hersteller. Doch dafür gibt es keine Belege – wohl aber begründete Vorbehalte.

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Silber in der Medizin

5:54 min, aus Puls vom 4.3.2013

Silber geht durch den Magen – und zwar bei jedem Menschen täglich, ohne es zu merken. Denn kleinste Partikel natürlich gelösten Silbers kommen in Trinkwasser vor, aber auch in Milch- oder Getreideprodukten. In normalen Dosen ist es, soweit bislang bekannt, nicht schädlich. Bedenklich wird es erst, wenn dieser Anteil künstlich erhöht wird, durch Nahrungsergänzungsmittel beispielsweise oder durch extra angereichertes «Silberwasser».

Dass es diese Wasser in sich hat, erfuhr auch ein Baselbieter, nachdem er fünf Jahre lang täglich ein Glas Wasser getrunken hatte, das er mit einem speziellen Gerät, dem «Pocket Silver», mit sogenanntem kolloidalem Silber anreicherte. Zwei ins Trinkwasser gestellte und unter Strom gesetzte Silberelektroden setzen feinste Silberpartikel ins Wasser frei – je länger, desto mehr. Die Silberpartikel sind so klein, dass der Körper sie auf Zellebene aufnehmen kann – mit sichtbaren Folgen: Das Gesicht des Mannes färbte sich zunehmend bläulich, ebenso seine Schleimhäute. Dieser Prozess, auch Argyrie genannt, ist nicht mehr umkehrbar. Blutanalysen zeigten: Der Silbergehalt des Baselbieters lag 200-mal über dem Normalwert.

Silber wirkt gegen Bakterien und Pilze

Der nun bläulich getönte Mann war einem Heilsversprechen aufgesessen: 650 Krankheitserreger soll der «Pocket Silver» abtöten können und deswegen vor zahllosen Krankheiten schützen. Er könne Augen-, aber auch Atemwegserkrankungen abwenden, den Verdauungsapparat schützen und sogar gegen Geschwüre helfen, lautet das vollmundige Versprechen, das sich auf keinerlei Studien stützt. Doch statt dieses Effekts sind eher gesundheitliche Schäden zu erwarten. Deshalb warnt das Bundesamt für Gesundheit jetzt vor dem Einsatz des Geräts.

Dennoch: Ganz zum Verteufeln ist Silber nicht. Silberbeschichtete Langzeitkatheter und silberhaltiges Nahtmaterial sollen vor Infektionen schützen, silberhaltige Augentropfen und silberbeschichtete Wundverbände bei Verbrennungen vor Entzündungen bewahren. Es kommt in Implantaten zum Einsatz oder in Griffen an Kliniktüren.

Vergiftet statt versilbert

Ansonsten aber gilt: Silber ist prinzipiell für den Menschen toxisch. Das bestätigen auch die Weltgesundheitsorganisation WHO sowie die US-Umweltbehörde EPA und klassifizieren es als Umweltschadstoff. Gesundheitliche Folgen hängen von der Dosis, der Dauer und der Art der Aufnahme ab. Die Schäden können vor allem Magen und Leber betreffen, aber auch Nerven und sogar das Erbmaterial. Insbesondere Ungeborene leiden unter einer Exposition, zeigten Versuche an Labortieren.

Dem zum Trotz ist der Stoff weit verbreitet. Etwa 250 Produkte befinden sich auf dem internationalen Markt, die explizit Silber als verwendete Zutat aufführen – von antibakteriellen Farben und Lacken angefangen über Geräte, Bekleidung, Kosmetik- und Hygieneartikel bis hin zu Türschnallen, Koffern, Schuheinlagen oder Babyprodukten. So stufen Gesundheitsämter die Situation ein:

  • Körperpflegeprodukte: Wird sehr kritisch gesehen, da die Nanopartikel des Silbers über die Haut in den Organismus eintreten können. Silber ist antimikrobiell: Weil die Haut von zahllosen Bakterien besiedelt wird, die für eine gesunde Hautflora wichtig sind, kann Silber diese Hautbarriere empfindlich stören. Wissenschaftlich ist die Problematik aber nicht untersucht.
  • Lebensmittel: Bereits in der Produktion kommen Lebensmittel häufig mit Silber in Berührung, zum Beispiel durch silberbeschichtete Arbeitsflächen. Diese sind aber von Kontrollbehörden geprüft und zugelassen, denn das verwendete Silber setzt keine Partikel mehr frei. Wasser, Getreide- und Milchprodukte enthalten von Natur aus Silber.
  • Nahrungsergänzungsmittel: Die Wirkung von Silber in solchen Produkten ist nicht belegt. Wohl aber wird gewarnt, denn es kann schwere Nebenwirkungen auslösen. Auch wenn viele Hersteller damit werben: Silber ist kein wichtiges Spurenelement. Dass die Produkte verkauft werden dürfen, haben sie dem Umstand zu verdanken, dass Nahrungsergänzungsmittel keinen Beschränkungen oder Zulassungsverfahren unterliegen.
  • Medizinische Verwendung: Silber in der Medizin kommt vor allem in Wundverbänden bei Verbrennungen sowie in Katheter-Beschichtungen oder in Implantaten zum Einsatz, seltener als Desinfektionsmittel.

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