«Die Welt ist auf eine neue Epidemie wie Ebola nicht vorbereitet»

WHO-Direktorin Margaret Chan warnt in einem Interview vor ungenügenden Frühwarnsystemen und kritisiert den Umgang mit Staaten, die ihrer Meldepflicht nachkommen.

Die WHO-Präsidentin spricht vor einer blauen Wand, auf der das Logo der WHO mehrfachzu sehen ist.

Bildlegende: Margaret Chan warnt davor, sich in falscher Sicherheit zu wiegen. Keystone

Die Welt ist nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation WHO auf eine neue Epidemie wie beim Ebola-Ausbruch nicht vorbereitet. Nur etwa ein Drittel der 194 WHO-Mitgliedsstaaten verfüge über ein Frühwarnsystem zur Erkennung gefährlicher Krankheiten, sagte die WHO-Direktorin Margaret Chan der spanischen Zeitung «El País».

Dazu benötige man Laboratorien, die Infektionen mit seltenen Krankheiten rechtzeitig und zuverlässig diagnostizieren können, und auch besondere Behandlungsmöglichkeiten. «Wenn die Krankenhäuser nicht über Quarantäne-Stationen verfügen, wird eine Infektion sich rasch ausbreiten.» In Afrika lägen 20 Länder in der Reichweite von Fledertieren, die das Ebola-Virus übertragen.

Die WHO-Direktorin beklagt, dass Staaten, die Infektionsfälle meldeten, von anderen Ländern mit Reisebeschränkungen «bestraft» würden. «Es gibt noch immer 43 Staaten, die wegen Ebola solche Beschränkungen aufrechterhalten», so Chan. «Wir haben diese Verbote nicht empfohlen!»