Herzinfarkt ist nicht gleich Herzinfarkt

Seit über einem Jahr sind in den Kantonen Bern und Zug Rettungsfahrzeuge mit einem Gerät ausgestattet, das verschieden starke Infarkttypen unterschieden kann. Die Erfahrung zeigt: Die Schnelldiagnose funktioniert und hilft dabei, dass Patienten am richtigen Ort behandelt werden können.

Bei einem Herzinfarkt ist rasches Handeln von grosser Bedeutung – und die korrekte Diagnose. «Anhand der Kurven im EKG kann man unterscheiden zwischen einem Infarkt, der die gesamte Dicke der Herzwand betrifft und einer milderen Form, die nur die Innenschicht betrifft und für den Patienten erfahrungsgemäss deutlich weniger gefährlich ist», erklärt Thierry Carrel, Direktor der Klinik für Herzchirurgie am Inselspital Bern.

Liegt ein schwerer Infarkt vor, muss die betroffene Person so schnell wie möglich in ein spezialisiertes Herzzentrum gebracht werden, wo sie abgeklärt und auch gleich behandelt werden kann. Da die Unterscheidung durch das spezialisierte Gerät im Rettungswagen vorgenommen wird, entfällt der Umweg über ein anderes Spital. So können bis zu 40 kostbare Minuten gewonnen werden.

«Das EKG des Patienten wird vom Rettungsdienst direkt per Mail dem Spezialarzt im Triemlispital zugeschickt. Dieser kann sofort entscheiden, welche Behandlung wo nötig ist. So kann man wertvolle Zeit einsparen und der Patient erhält die nötige Behandlung viel schneller», fasst der Leiter des Zuger Rettungsdiensts, Andreas Müller, die kantonsübergreifende Teamarbeit zusammen.

Dass sich das Gerät als Standardausrüstung in Rettungswagen durchsetzt, ist laut Thierry Carrel gut möglich. «Es ist einfach in der Bedienung und sehr nützlich für uns im Zentrum. Wir sind rechtzeitig vorgewarnt, erhalten wichtige Daten und können wenn nötig auch Anweisungen zurückschicken – zum Beispiel, wenn während des Transports eine schwere Rhythmusstörung auftritt.»

Sendung zu diesem Artikel