Vor 60 Jahren: Die erste erfolgreiche Nierentransplantation

Der 23. Dezember 1954 ist als besonderer Tag in die Annalen der modernen Medizin eingegangen: Am Peter Bent Brigham Hospital in Boston gelang die erste erfolgreiche Verpflanzung einer menschlichen Niere.

Schwarzweissaufnahme eines Operationssaals aus der Vogelperspektive. Unter einer grossen Lampe arbeiten mehrere Personen an einer Operation.

Bildlegende: In Boston gelang dem Chirurgen Joseph E. Murray die erste erfolgreiche Verpflanzung einer menschlichen Niere. Countway Repository

Die Niere ist weltweit und auch in der Schweiz das Organ, das am häufigsten transplantiert wird. 2013 war dies hierzulande 278 Mal der Fall, während lediglich 33 Herzen verpflanzt wurden.

Was heute ein Routineeingriff ist, war vor 60 Jahren eine medizinische Sensation. Erst dann hatte die Forschung das Problem der Abstossung fremder Organe so weit in den Griff bekommen, dass überhaupt ein erfolgversprechender Eingriff möglich war. Begünstigend kam hinzu, dass es sich am 23. Dezember 1954 bei Spender und Empfänger um eineiige Zwillinge handelte – ihr Immunsystem war identisch, was keine Abstossungsreaktionen befürchten liess.

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50 Jahre Nierentransplantation

7:35 min, aus Puls vom 13.12.2004

Transplantationen zwischen genetisch nicht identischen Personen wurden ab den 1960er-Jahren möglich, als Medikamente zur Immunsuppression auf den Markt waren. Die erste erfolgreiche Nierentransplantation in der Schweiz wurde 1964 in Zürich durchgeführt.

Für die erste Lebend-Transplantation erhielt der Chirurg Joseph E. Murray 1990 zusammen mit Edward Donnall Thomas den Medizin-Nobelpreis «für ihre Einführung der Methode der Übertragung von Gewebe und Organen als klinische Behandlungspraxis in die Humanmedizin».

Heutzutage ist auch die Transplantation von Organen verstorbener Spender üblich. Gewisse Voraussetzungen bezüglich der Abstossung sind dabei die selben, allerdings muss nicht auf dieselbe Blutgruppe geachtet werden. Dafür brauchen Empfänger von Lebendspenden nicht jahrelang auf der Warteliste auszuharren, die hierzulande 2013 rund 1300 Patienten umfasste.

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