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Körper & Geist Der Preis der Brillenfreiheit

Immer mehr Menschen träumen von einem Leben ohne Brille. Im Falle von Alterssichtigkeit müssen allerdings viele Fragen beantwortet werden, bevor man sich unter den Laser legt oder sich künstliche Linsen implantieren lässt.

Ungefähr ab 50 ist fast jeder Mensch mit Alterssichtigkeit konfrontiert. Ursache dafür ist die Linsenmasse im Auge, die mit zunehmendem Alter immer unbeweglicher wird. Die Folge: In der Nahdistanz, etwa beim Lesen, sieht man nicht mehr scharf.

Die erste Abklärung bei einem Patienten über 45 betrifft seine eigene Linse: Ist diese noch klar oder besteht bereits eine Trübung, also ein Grauer Star? (bei klarer Linse zu Punkt 4.)

1. Im Falle einer bereits vorhandenen Trübung: Bei weitsichtigen Patienten können die natürlichen Linsen in einer Kataraktoperation durch Kunstlinsen ersetzt werden. Bei Normal- und Kurzsichtigen wartet man mindestens bis Mitte 50 zu. Daran schliesst sich ein Monovisions-Test an.

2. Monovision ist eine Methode, bei der die Augen so behandelt werden, dass eines in der Nähe scharf sieht, das andere in der Weite. Mit beiden Augen zusammen liegt dann der schärfste Punkt zwischen dem scharfen Punkt des linken und rechten Auges. Dieser Zustand wird mit einer Laserbehandlung oder dem Einsetzen von Kunstlinsen erreicht. Allerdings kommt nicht jeder Patient damit gleich gut zurecht. Deshalb wird die Akzeptanz erst einmal mit Kontaktlinsen getestet.

70 Prozent der Patienten ertragen eine Dioptrie Differenz zwischen beiden Linsen, sie sehen dann in einen Meter Distanz am schärfsten. 50 Prozent ertragen 1.5 Dioptrien Differenz (Schärfe bei 60 Zentimetern Abstand) und zehn Prozent eine Differenz von 2.5 Dioptrien (Schärfe in 40 Zentimetern).

3. Bei Unverträglichkeit der Monovision: Falls sich Patienten mit Schärfe in der Ferne und in Computerdistanz begnügen, bietet sich die Implantation von Extended-Focus-Intraokularlinsen an. Sie bilden scharf ab 60 Zentimetern ab, die berüchtigten «Halos» – Lichthöfe in der Nacht um Lichtquellen – bleiben weitgehend aus. Für die Nähe braucht man eine Lesebrille. Wer auch auf Lesedistanz scharf sehen möchte, fragt nach trifokalen Intraokularlinsen. Sie rufen aber verstärkt Halos hervor; meistens gewöhnen sich die Patienten jedoch an sie.

4. Lifestyle-Operationen: Bei klarer Linse besteht keine Kassenpflicht! Man spricht in diesem Falle auch von Lifestyle-Operationen.

Zuerst wird in diesem Fall die Monovisionsverträglichkeit getestet (gemäss Punkt 2). Bei Fehlsichtigkeiten von -8 bis +3 Dioptrien kann mittels Laser Monovision erstellt werden (wie Punkt 2). Falls die Monovision den Patienten überfordert, können Extended-Focus-Intraokularlinsen oder trifokale Intraokularlinsen implantiert werden.

Das früher gefürchtete Infektionsrisiko bei Linsenimplantationen ist heute gering: Experten beziffern es auf 1 zu 10‘000 bis 1 zu 3000. Anders als früher ist ein Auge bei einer Infektion auch nicht mehr in jedem Falle verloren, viele davon kommen sprichwörtlich mit einem heilen Auge davon.

5. «Supracor»: Inzwischen gibt es auch Anbieter, die scharfes Sehen in allen drei Bereichen mittels Laserbehandlung versprechen. Das Verfahren heisst «Supracor» und basiert auf der verbreiteten LASIK-Lasermethode. Bei dieser Methode wird die Brechkraft der Hornhaut für die Ferne und Nähe angepasst. Aktuell ist das Verfahren geeignet für weit- und alterssichtige Personen ab 47 Jahren, soll aber auch eine erweiterte Anwendung für kurz- und alterssichtige Patienten erfahren.

Legende: Video Prof. Jens Funk: Plädoyer für die Brille abspielen. Laufzeit 3:33 Minuten.
Vom 26.01.2015.

Sowohl die «Supracor»-Behandlung wie die Linsenimplantation kosten in der Schweiz durchgeführt rund 10‘000 Franken. Einzelne Schweizer Augenkliniken vermitteln teils deutlich günstigere Operationen in der Türkei, in Frankreich oder den Niederlanden.

Warum ein Chefarzt für die altbewährte Brille plädiert, sehen Sie im nebenstehenden Interview mit Prof. Jens Funk, Stv. Klinikdirektor der Augenklinik Universitätsspital Zürich.

4 Kommentare

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  • Kommentar von Daniel Werther, Biel
    Bevor man eine Operation inbetracht zieht: Suchen Sie sich einen guten Augenoptiker und sprechen Sie mit ihm über bifokale oder multifokale Kontaktlinsen. Seit etwa 20 Jahren bin ich nur begeistert davon. Zum Lesen, Arbeiten am Bildschirm, in die Ferne. Leider wurde dies in der Sendung überhaupt nicht thematisiert. Die Anpassung fordert oft etwas Geduld vom Anpasser wie vom Kunden. Und: nicht alle Fehlsichtigen können Mehrsichtlinsen tragen. Ein Versuch lohnt sich allemal.
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  • Kommentar von Marcel Suhner, winterthur
    Laser OP s dient vor allem dem Geldbeutel des Augenarztes. Ihr volles Wartezimmer reicht ihnen nicht aus. Wartezeiten bis 3 Monate für einen Termin. Genereller Ärztemangel. Gehören zu den best verdienenden Ärzten in der Schweiz welche eine Gratisausbildung genießen. Dann müssen sie nebenbei noch zusätzlich operieren damit der Geldbeutel richtig schön voll wird. Hier wird Ihnen auch noch eine Gratiswerbeplattform geboten. Wo bleibt die Zeit für den Patienten?
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  • Kommentar von Thomas Ceskutti, Kloten
    Dabei finde ich eine schöne Brille - gerade bei Frauen - sehr sexy ! Bei einer Brille besteht das einzige Risiko das man sie verliert oder das sie im dümmsten Moment kaputt geht. Beides ist normalerweise nicht gesundheitsgefährdend.
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    1. Antwort von Ruedi, Stäfa
      Es gibt Leute, die eine Brille auf der Nase stört. Ich bin kurzsichtig und trage seit über 30 Jahren Kontaktlinsen. Operieren würde ich nie. Mittlerweile brauche ich zum Lesen eine leichte Lesebrille wenn ich die Linsen nicht herausnehmen will. Linsen haben gegenüber Brillen grosse Vorteile: Helm, Schwimmen, Ski fahren, beschlagen sich nicht, Zwiebeln brennen nicht, Pollenallergiker haben keine brennenden Augen mehr, Reinigung einfacher, kein Rand, nicht spürbar, wie ohne Brille. Nie verloren.
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