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Körper & Geist Jetzt dem Heuschnupfen den Kampf ansagen

Mit einer spezifischen Immuntherapie kann jetzt gegen den Heuschnupfen vorgegangen werden. Da sie aber nicht bei allen Heuschnupfengeplagten wirkt, ist vorgängig eine genaue Abklärung notwendig. Entscheidet man sich dann für die Therapie, stellt sich die Frage: Spritzen oder Tabletten?

Legende: Video Immuntherapie gegen Heuschnupfen abspielen. Laufzeit 12:00 Minuten.
Aus Puls vom 16.11.2015.

«Allergenspezifische Immuntherapie» – das ist das Schlüsselwort für Heuschnupfengeplagte. Und zudem ist es die einzige Möglichkeit, die Ursache der Allergie zu behandeln.

Zwar lassen sich mit Anthistaminika in Form von Nasensprays, Augentropfen oder Tabletten die Symptome behandeln, doch die Medikamente haben Nebenwirkungen und lösen das Problem nicht nicht.

Ziel: Das Immunsystem stärken

Nur die spezifische Immuntherapie stärkt das eigene Immunsystem. Das Immunsystem schützt uns vor Fremdstoffen wie Bakterien oder Viren, die in den Körper eindringen. Es entwickeln unter anderem Antikörper, die mithelfen, diese Fremdstoffe unschädlich zu machen.

Eine Allergie ist eigentlich nichts anderes, als eine Überreaktion des Immunsystems, das die Pollen als «Feind» betrachtet. Je nachdem, in welchem Teil des Körpers sich diese Überreaktion abspielt, zeigen sich die verschiedenen Formen der allergischen Reaktion: An den Nasenschleimhäuten kommt es zu erkältungsähnlichen Beschwerden, an den Augen zu Bindehautentzündungen, in den Bronchien zu Husten und Atemnot (Asthma) und auf der Haut zu Ausschlägen.

Die allergenspezifische Immuntherapie hat zum Ziel, den Körper langsam an die Allergene zu gewöhnen. Sie bewirkt eine sogenannte «Umstimmung» des Immunsystems: Es wird so beeinflusst, dass es nicht mehr überreagiert, sondern so normal wie bei einer Person ohne Allergie.

Abklärung in drei Schritten

Am Anfang einer geeigneten Immuntherapie steht eine genaue Abklärung. Massgeblich ist, welches Allergen wirklich für die Allergie verantwortlich ist.

  • Die Diagnose beginnt mit einer genauen Anamnese. Die Symptome und der auftretende Zeitraum werden festgehalten.
  • Mit Hilfe eines Hauttests (Pricktest) können viele Allergene gleichzeitig getestet werden. Auf den Unterarm wird mit einer Pipette unter anderem das Birkenextrakt geträufelt und die Haut mit einer Pinzette angestochen. Rötet sich dieser Punkt stark, ist man auf Birke allergisch.
  • Jetzt wird Blut gezapft. Auf diesen Bluttest sollte man bestehen, denn nur damit kann herausgefunden werden, ob eine Immuntherapie überhaupt helfen kann und wie gross die Erfolgsaussichten sind.
Auf einen Arm mit grünen Kreisen wird mit einer Pipette Flüssigkeit getropft.
Legende: Ein Pricktest ist für die genaue Bestimmung der Allergene unerlässlich imago

Aus den geschilderten Heuschnupfen-Symptomen und den Testergebnissen ergibt sich ein Gesamtbild. Erst jetzt kann entschieden werden, ob eine Immuntherapie stattfinden soll.

Subkutan oder sublingual?

Die klassische Immuntherapie ist jene mit der Spritze. Seit über 100 Jahren wird diese Therapie durchgeführt, immer wieder wurde sie angepasst und verbessert. Hierbei wird die Lösung direkt in den Oberarm gespritzt – subkutan, also unter die Haut.

Die Therapie dauert drei bis fünf Jahre. Im Allgemeinen wird sie bei Beschwerdefreiheit beendet oder wenn die Symptome sich zumindest deutlich vermindert haben.

Als Alternative zur ganzjährigen Therapie ist bei der Pollenallergie eine Kurzzeittherapie möglich. Hier wird die Allergenlösung mehrmals in wöchentlichen Abständen kurz vor der entsprechenden Pollensaison injiziert. Sie eignet sich weniger, wenn schwere allergische Beschwerden, speziell Asthma, vorliegen.

Bei der sublingualen Therapie wird die Lösung unter die Zunge geträufelt. Allerdings gibt es diese Therapieform nicht für alle Allergieauslöser. Im Moment steht sie in Tropfenform für Bäume und in Tablettenform für Gräser zur Verfügung. Eine Tablette gegen Hausstaubmilben ist geplant.

Vorteile sind die wenigen Arztbesuche und die geringen Nebenwirkungen. Die Therapie erfordert aber ein hohes Mass an Disziplin, da drei Jahre lang täglich an die Einnahme gedacht werden muss.

Bei der Spritzentherapie sind hingegen viele Arztbesuche nötig. Und nach jeder Spritze müssen die Patienten im Wartezimmer 30 Minuten lang warten, bis ein allergischer Schock ausgeschlossen werden kann.

Welche Methode wirkt besser?

Verschiedene Studien zeigen auf, dass sowohl die subkutane Therapie (SCIT) als auch die sublinguale Therapie (SLIT) wirken.

Legende: Video Immuntherapie hilft nicht allen abspielen. Laufzeit 1:06 Minuten.
Aus Puls vom 13.11.2015.

Eine neue Metaanalyse, die die Effektivität und Sicherheit der Gräsertabletten geprüft hat, zeigt nun aber enttäuschende Daten: Obwohl der Behandlungserfolg der SLIT gegenüber Placebo statistisch signifikant war, blieb der klinische Nutzen insgesamt gering. Die Heuschnupfensymptome gingen nur minimal zurück, und die Betroffenen benötigten weiterhin Antihistaminika, um die saisonalen Plagen zu überstehen.

Das grosse Problem der SLIT: Viele Patienten nehmen die Tabletten oder Tropfen nicht regelmässig ein, respektive lassen den Wirkstoff zu kurz unter der Zunge. Bei der SCIT hingegen ist die Überprüfung durch die engmaschige Arztkontrolle gegeben. Eine höhere Dosis des Stoffes wird als Depot gespritzt.

Eine zeitlich ausgedehnte Übersichtsstudie, ob SCIT oder SLIT besser wirkt, gibt es noch nicht. Vergleicht man die einzelnen Studien jedoch miteinander, schneidet die Spritzentherapie klar besser ab.

Subuktan vs. Sublingual


Subkutan
Sublingual
AnwendungLösung wird in den Oberarm gespritzt Tropfen oder Tablette wird unter die Zunge gelegt
TherapiedauerVariante 1: 4-7 Injektionen pro Jahr

Variante 2: bis zu 25 Injektionen pro Jahr während 3-5 Jahren
Variante 1: Tägliche Einnahme

Variante 2: 9 Monate lang tägliche Einnahme während 3 Jahren
Einsatz
Für verschiedene Allergien: Pollen, Hausstaubmilden, Katze, Hund, Schimmelpilze, Wespen, Bienen
Erst für gewisse Gräser und Bäume
Pro
Bessere Resultate, Langzeitresultate, klare Überprüfung durch Arzt, gegen mehr Allergenextrakte möglichEinfache Anwendung, schwache Nebenwirkung, wenig Arztbesuche.
Kontra
Viele Spritzen, hoher Zeitaufwand (viele Arztbesuche), starke Nebenwirkungen möglichLangzeitwirkung unbekannt, schlechteres Resultat, häufig Nebenwirkung, täglich an die Einnahme denken

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