Knochen heilen mit Kunststoffkitt

Eine neue Therapie mit Kunststoffimplantat statt Metallschiene soll Brüche des Mittelhandknochens ebenso gut stabilisieren. Einsatzbereit ist die Hand so noch schneller, denn die Folgeoperation zur Entfernung der Metallteile entfällt.

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Knochenbruch – Heilung mit Kunststoff und Licht

5:23 min, aus Puls vom 22.6.2015

Für Mittelhandfrakturen kamen bislang je nach Art des Bruchs zwei Behandlungsoptionen zum Einsatz: ein klassischer Gips, bzw. eine Kunststoffschiene oder die Osteosynthese, also eine chirurgische Korrektur mittels Metallplatten, Spiralen oder Drähten, die die Knochenteile wieder aneinander fixierte. Letztere Methoden hatten aber den Nachteil, dass sie einen relativ grossen Eingriff erforderten, der eine entsprechende Narbe hinterliess.

Seit einigen Monaten ersetzt das Inselspital Bern – als mit eine der ersten Kliniken in der Schweiz – die Fixiersysteme aus Metall durch ein Kunststoffimplantat. Dieses kann minimal-invasiv eingebracht werden, der Eingriff ist somit kleiner und hinterlässt eine kleinere Narbe. Das Implantat stabilisiert die Fraktur und fördert die Heilung. Die verwendete Kunststoffverbindung, ein photodynamisches Polymer, ist keine Unbekannte in der Medizin: Sie wird bereits seit Jahren erfolgreich von Zahnärzten für Kunststofffüllungen eingesetzt.

Lücken werden einfach aufgefüllt

Mittels kleiner Schnitte wird ein Ballon-Katheter an die betroffene Stelle in den Knochen geleitet. Durch den Katheter wird der Markraum des Röhrenknochens dann mit dem flüssigen Kunststoffmonomer befüllt – die Methode ist dadurch auf die Knochen der äusseren Extremitäten beschränkt, da nur sie diese Struktur aufweisen.

Hart dank Licht

Über eine ebenfalls eingeführte kleine Lichtquelle wird das Monomer mit sichtbarem blauen Licht mit einer Wellenlänge von 436 Nanometer innerhalb von 200 Sekunden in ein hartes Polymer ausgehärtet. Biomechanische Untersuchungen ergaben: Die so entstandene Kunststoffschiene gibt ebenso viel Stabilität wie eine Drahtschiene.

Diese Erfahrung machte auch David Schneider, den «Puls» bei einer derartigen Operation im Berner Inselspital begleitete. Er hatte sich bei einem Motocrossrennen den Mittelhandknochen des kleinen Fingers gebrochen. Für die Kunststoffstütze hatte er sich vor allem deswegen entschieden, da eine zweite Operation zur Entfernung der eingebauten Metallteile entfällt. Wenige Tage nach der Operation war der operierte Finger wieder beweglich, nach sechs Wochen wieder voll belastbar.

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