Krampfadern – Bindegewebsschwäche mit Folgen

Mehr als die Hälfte aller Erwachsenen hat Krampfadern. Sie sind nicht nur ein kosmetisches Problem: Mit der Zeit können sich auch starke Beschwerden einstellen und Komplikationen drohen. Spätestens dann sollte man sie behandeln lassen. Es gibt dafür verschiedene Methoden.

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Krampfadern - Lästige Bindegewebsschwäche

18 min, aus Puls vom 7.4.2014

Krampfadern entstehen in erster Linie durch eine vererbte, angeborene Bindegewebsschwäche der Venenwände. Aufgrund dessen weiten sich die Venenwände aus. Die Venenklappen schliessen dann nicht mehr richtig. Der Effekt: Die Venen transportieren das sauerstoffarme Blut nicht mehr Richtung Herz, sondern das Blut fliesst «rückwärts». Schwangerschaften und Übergewicht können bei entsprechender Veranlagung die Entstehung der Varizen fördern.

Von diesem Problem sind jedoch nur die oberflächlichen Venen und ihre Nebenäste betroffen. Den Grossteil des Blut-Rücktransports übernimmt nämlich das tiefe Venensystem, das von Muskulatur umgeben ist und von ihr unterstützt wird, so dass sich die Venenwände nicht so ausdehnen können wie bei den oberflächlichen Venen, die im Fettgewebe liegen und keinerlei Muskelstütze haben. Glück im Unglück: Sowohl die beiden grossen oberflächlichen Stammvenen als auch ihre Nebenäste sind entbehrlich und können deswegen entfernt werden.

Erst stört meist nur die Optik

Manche Krampfadern sind sichtbar, verursachen aber keine Beschwerden, bei anderen ist es umgekehrt. Meist stören die Krampfadern zunächst einmal vorwiegend aus ästhetischen Gründen, verursachen jedoch noch keine Beschwerden. Allerdings ist nie auszuschliessen, dass mit den Jahren Komplikationen auftreten, weil der ständige Druck die Haut von innen her schädigen kann. Auch schwere Beine, Brennen, Schmerzen oder Ödeme kommen vor. In fortgeschrittenen Stadien kann es neben den Hautveränderungen auch zu offenen Beinen, Blutungen, Venenentzündungen oder Thrombosen kommen. Etwa 17 Prozent der Erwachsenen berichten von Schwellungen und Hautverfärbungen. Alle Symptome sollten immer ernst genommen und unbedingt abgeklärt werden.

Behandlungsziel: Rückfluss stoppen

Wichtigstes Ziel jeder Behandlung ist es, das Zurückfliessen des Blutes in Richtung Fuss zu stoppen. Denselben Zweck hat das Tragen von Kompressionsstrümpfen. Für die Behandlung der Krampfadern stehen zwei Wege offen: Man kann die Varizen chirurgisch entfernen oder durch verschiedene Verfahren undurchlässig machen lassen. Beide Methoden haben unter dem Strich gleichwertige Behandlungserfolge. Je nachdem, ob die Stammvenen oder Nebenäste betroffen sind, gestaltet sich die Situation etwas anders.

Behandlung von Nebenästen

Häkel-Methode
Krampfadern werden mit einem Häkchen durch kleine Einstiche aus dem Bein gezogen.
Schaum-Sklerosierung Man spritzt ein schäumendes Mittel in die Krampfader. Die Venenwand entzündet sich lokal und verklebt.

Behandlung von Stammvenen

Chirurgisches Stripping
Das spricht dafür:Das spricht dagegen:

Das «Stripping» ist die klassische, bewährte Standard-Methode. Die Stammvene wird in einem chirurgischen Eingriff mit einem Stab aus dem Bein gezogen. Oft wird beim Eingriff die Einmündungsstelle der Stammvene in das tiefe Venensystem auch behandelt (Crossektomie). Das Stripping erfolgt in Voll- oder Teilnarkose, je nach Arzt auch in lokaler Betäubung. Nach der Behandlung wird für einige Wochen ein Kompressionsstrumpf erforderlich.Besser geeignet bei stark ausgeweiteten, stark gewundenen Stammvenen. Es gibt kaum schwere Komplikationen. Die Grundversicherung trägt die Kosten. Bei nur einem behandelten Bein ist eine ambulante Behandlung möglich, sonst meist eine Nacht in Klinik.

Es braucht einen Schnitt in der Leiste und einen Einstich am Unterschenkel. Sehr selten treten tiefe Venenthrombosen auf, selten vorübergehende Gefühlsstörungen, nur manchmal schmerzhafte Blutergüsse im Venenkanal. Arbeitsunfähigkeit besteht einige Tage bis maximal zwei Wochen.

Hitze-Therapie
Das spricht dafür:Das spricht dagegen:

Die Venen werden durch Hitze (aus Laserlicht oder Radiowellen) von innen verschlossen. Diese beiden endovenösen, thermischen Verfahren sind vor rund 15 Jahren aufgekommen. Sie gelten inzwischen als etabliert. Nach der Behandlung rund eine Woche Kompressionsstrumpf

Die Behandlung ist ambulant und in örtlicher Betäubung möglich und weniger invasiv, da kein Leistenschnitt erforderlich ist. Dadurch ist das Verfahren besser geeignet für Patienten mit Blutverdünnung, Gerinnungsstörung, starkem Übergewicht und bereits vernarbtem Leistengewebe. Normalerweise besteht keine Arbeitsunfähigkeit.
Es treten kaum schwere Komplikationen auf, tiefe
Venenthrombosen sind sehr selten. Selten verschliesst sich die behandelte Stammvene
unvollständig. Die Grundversicherung übernimmt die Kosten von 2‘500 bis 3‘500 Franken bis jetzt nicht. Die Materialkosten sind hoch (ein Einwegkatheter kostet mehrere hundert Franken).

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