Stillen bei Grippe?

Muttermilch hat die besondere Eigenschaft, Viren mit einer Hülle abzutöten. Darum können Mütter trotz verschiedener Erkrankungen weiterstillen, ohne ihr Baby zu gefährden - sogar bei Hepatitis C.

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Stillen trotz Grippe

0:29 min, aus Puls vom 4.11.2013

Viren wie das Hepatitis-C-Virus haben keine Chance gegen Muttermilch. Das zeigt eine Untersuchung von Eike Steinmann und ihrem Team. «Bezüglich der antiviralen Eigenschaften von Muttermilch gehen wir davon aus, dass nur bestimmte Viren, und zwar die Viren, die eine Hülle haben, abgetötet werden. Bei ‹nackten› – also unbehüllten – Viren wie zum Beispiel dem Rotavirus, sehen wir diesen Effekt nicht.» In der Studie wurde auch der Grippevirus H1N1 untersucht – auch ihm setzte die Muttermilch zu. «Über andere Erkältungsviren können wir leider keine Aussage treffen», bedauert Eike Steinmann.

Vorgehen

Die Forscher versetzten Muttermilch von gesunden Frauen in Kulturschalen mit hohen Virusmengen und analysierten anschliessend die Effekte auf die Erreger. Die Muttermilch tötet viele Viren ab. Bei vier Grad Celsius setzte sie Hepatitis-C-Viren innerhalb von einer Minute Schachmatt – genauso schnell wie 80-prozentiger Alkohol. Die Forscher untersuchten diese Eigenschaft im Labor. Sie gehen jedoch davon aus, dass diese Erkenntnis sich auch auf die stillende Frau übertragen lassen.

Laut Forscherteam sind freie Fettsäuren in der Milch für den antiviralen Effekt verantwortlich. Sie lösen die Hüllen der Viren auf. Weder mit Muttermilchersatzprodukten noch mit Kuh- oder Pferdemilch liess sich dieser Effekt reproduzieren.

Krank – weiterstillen?

Ärzte und Stillberaterinnen empfehlen Frauen weiter zu stillen, wenn sie krank sind. Denn die Muttermilch enthält viele wichtige Immunstoffe und Antikörper, die das Immunsystem der gestillten Säuglinge stärken. Auch wenn die Mutter erkrankt ist, enthält die Muttermilch weiterhin viele Immunstoffe und Antikörper. Frauen, die sich zu erschöpft zum Stillen fühlen, sollten die Milch abpumpen und das Baby mit dem Fläschchen füttern.

Neben der Muttermilch lassen sich Babys aber auch durch weitere Vorsichtsmassnahmen vor Ansteckungen schützen:

  • Häufiges Händewaschen mit Seife.
  • Hände des Babys öfters waschen.
  • Küsschen vermeiden, Hautkontakt aber unbedingt weiter aufrechterhalten.
  • Beim Niesen oder Husten abwenden, gegebenenfalls Mundschutz verwenden.
  • Die gemeinsame Verwendung von Spielzeug und anderen Gegenständen, die der Säugling in den Mund nimmt, sollte eingeschränkt werden. Alles, was mit dem Mund des Säuglings in Kontakt kommt, sollte gründlich mit Wasser und Seife gereinigt werden.
  • Schnuller (inkl. Schnullerring) und andere Gegenstände sollten nicht von Erwachsenen oder anderen Kindern in den Mund gesteckt werden, ehe der Säugling sie erhält.

Bei diesen Krankheiten sollten Sie laut des Berufsverbands Schweizerischer Stillberaterinnen nicht mehr stillen und dies mit Ihrem Arzt besprechen:

  • Streptokokken Typ A und B: Stillpause von 24 bis 48 Stunden, bis Antibiotikum wirkt.
  • HIV und Humane T-Zell-Leukämie: In Industrieländern gilt die Empfehlung, nicht zu stillen.
  • Zytomegalie-Viren (CMV): Für Früh­ge­borene gilt die Empfehlung, nicht zu stillen.
  • Akut ausgebrochene Windpocken- oder Maserninfektion: Nach einer passiven Immunisierung des Kindes mit Immunglobulinen ist Stillen möglich.

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