Ade, Vitamin C und E!

Einige Sportler schlucken Vitamin C und E, um den Muskelaufbau zu fördern. Tatsächlich bewirken die Stoffe das Gegenteil: Neue Studien aus Oslo zeigen, dass sie Trainingseffekte sogar abschwächen können.

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Unnötige Vitamine

0:34 min, aus Puls vom 26.1.2015

Bei Sportlern sind Präparate mit Vitamin C und E beliebt. Die Mittel, so die Hoffnung, sollen Trainingseffekte verbessern, indem sie schädliche Sauerstoffradikale beseitigen.

Diese entstehen vermehrt, wenn Bewegung die energieproduzierenden Kraftwerke in den Muskelzellen, die Mitochondrien, stark beansprucht. Es kommt zu sogenanntem oxidativen Stress, der – so war zumindest die Theorie – den Mitochondrien und damit dem Muskel schaden und Trainingseffekte verhindern kann.

Vitamin C und E ohne Effekt?

Da Antioxidantien wie Vitamin C und E freie Sauerstoffradikale unschädlich machen, schlucken Sportler die Stoffe, um ihren Muskelaufbau zu unterstützen. Das bringt aber offenbar nichts, sagen zwei Studien von Wissenschaftlern der Norwegischen Sporthochschule in Oslo.

Die erste Studie zu Antioxidantien-Einnahme und Ausdauertraining veröffentlichten Goran Paulsen und sein Team Mitte 2014 im «Journal of Physiology», die zweite zu Antioxidantien und Gewichtheben erschien Mitte Dezember im selben Fachmagazin. Für beide Untersuchungen nahm jeweils die Hälfte der Probanden ein gängiges hochdosiertes Präparat, das 1000 Milligramm Vitamin C und 235 Milligramm Vitamin E enthielt, während die andere Hälfte ein Placebo schluckte.

Kein Einfluss auf Muskelaufbau

Bei der jüngeren Studie besuchten 32 trainingserfahrene Männer und Frauen viermal pro Woche zehn Wochen lang ein Fitnessstudio, um Krafttraining zu machen. Die aufgelegten Gewichte wurden nach und nach erhöht. Zwischendurch entnahmen die Forscher kleine Proben Muskelgewebe, um herauszufinden, welchen Einfluss die Antioxidantien-Einnahme und das Training auf zellulärer Ebene haben.

Nach zehnwöchigem Training hatten sich die Muskeln in beiden Gruppen gleichermassen vergrössert. Bei der Muskelkraft schnitt die Placebogruppe sogar besser ab.

«Die Antioxidantien fangen zwar freie Sauerstoffradikale ab», sagt Martin Halle vom Zentrum für Prävention und Sportmedizin am Klinikum der TU München. Gerade diese seien aber für bestimmte physiologische Prozesse notwendig, die die Eiweissproduktion im Muskel steigern und damit zu einer Zunahme der Muskelstärke führten.

Laufen ohne Supplemente

Ähnlich scheinen die Verhältnisse beim Ausdauertraining zu sein. Bei dieser Studie absolvierten 54 junge Männer und Frauen drei- bis viermal pro Woche ein Lauftraining kombiniert mit Intervalltraining. Die Antioxidantien machten die Probanden nicht schneller, aber auch nicht langsamer. «Die Untersuchung von Muskelproben zeigte jedoch, dass Vitamin-C- und -E-Supplemente den Anstieg an Mitochondrien-Proteinen durch die Bewegung lahmgelegt haben», sagt Erstautor Paulsen laut einer Pressemitteilung der US-amerikanischen Physiologischen Gesellschaft. «Diese sind nötig, um die muskuläre Ausdauer zu erhöhen.»

Das Fazit der Studienautoren: Vitamin C und E sollten bei Ausdauertraining und Krafttraining zurückhaltend und vorsichtig eingesetzt werden. Es kann dennoch nicht ausgeschlossen werden, dass Leistungssportler bei sehr intensivem Training von der Einnahme von Antioxidantien profitieren können, weil der dann entstehende oxidative Stress ungewöhnlich hoch ist.

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