Expedition ins Altersheim

Viele Menschen tun sich schwer mit Besuchen im Altersheim. Das Zusammentreffen mit gebrechlichen Bewohnern im letzten Lebensabschnitt kann belasten. Altersforscher Heinz Rüegger gibt Tipps, wie sich die Hemmschwelle überwinden lässt.

Drei Rollatoren stehen in einem Pflegeheim auf einem Parkettboden vor einem Fenster.

Bildlegende: Das Altersheim wird von Aussenstehenden oft als beängstigender Ort. empfunden. Ein Besuch kostet viel Überwindung. Keystone

Das Altersheim ist eine fremde Welt und für seine Bewohner in aller Regel die letzte Station in ihrem Leben. Keine angenehme Vorstellung, wenn wieder einmal ein Besuch bei jemandem ansteht, der hier seinen Lebensabend verbringt.

Der Altersforscher, Ethiker und Theologe Heinz Rüegger rät, zu seinen Gefühlen zu stehen: «Das Altersheim ist eine fremde Welt, die Angst machen kann. Es hilft, sich das einzugestehen und sich nicht verstellen zu wollen.» Stattdessen könne man eine gewisse Entdeckerfreude entwickeln und dem Unbekannten neugierig begegnen: Fragen stellen und herausfinden, wie das wirklich ist!

Sich so viel Zeit nehmen, wie es braucht

Ist die Schwellenangst erst einmal überwunden, empfiehlt Rüegger, sich beim Besuch ganz natürlich zu geben und sich mit seinem Gegenüber aktiv zu unterhalten. «Wichtig ist bei einem solchen Besuch, sich genügend Zeit zu nehmen und zuzuhören, Fragen zu stellen, auf die Antworten einzugehen und auch mal etwas von sich selber zu erzählen.» Die Eindrücke der Aussenwelt, die Besucher in ein Heim mitbringen, seien nämlich durchaus eine Bereicherung.


Besuch im Heim als Entdeckungsreise

5:15 min, aus Musikwelle Magazin vom 19.06.2014

Wie geht man am besten mit Erwartungen und Vorwürfen der Hochbetagten um? Sollen Beziehungsprobleme während einer potenziell «letzten Chance» um jeden Preis geklärt werden? Und ist das Besuchen einer anderen hochbetagten Person statt eines «schwierigen» Elternteils ein gangbarer Weg, um das schlechte Gewissen mit einer guten Tat zu beruhigen? Antworten von Heinz Rüegger auf diese und weitere heikle Fragen im nebenstehenden Audio der Sendung «Musikwelle Magazin».

Pflichtübung oder Selbstverständlichkeit?

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Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Sex im Altersheim - Zu wenig Raum für Intimität

    Aus Puls vom 17.12.2012

    Auch alte Menschen wollen Sex. Alters- und Pflegeheime sind aber gerade für allein stehende Personen Orte, wo der Wunsch nach Nähe, Zärtlichkeit und Sexualität nicht ausgelebt werden kann. Und die meisten Alters- und Pflegeheime verfügen über keine Angebote, um auf diese Wünsche reagieren zu können. Sie bieten höchstens ihrem Pflegepersonal Weiterbildungskurse an, wie auf allfällige sexuelle Anspielungen oder Übergriffe reagiert werden kann. Doch wohin mit den sexuellen Wünschen der Bewohnerinnen und Bewohner?

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  • Vorurteil Altersheim: Vom sozialen Glücksfall zum Abstellgleis

    Aus Puls vom 5.3.2012

    Abgeschoben, entmündigt, ruhig gestellt. So stellen sich viele das Leben in einem normalen Altersheim vor. Was heute mit vielen Vorurteilen bedacht ist, galt Ende der 1940er-Jahre als gesellschaftssoziale Revolution. Ein Blick in die Schweizer Altersheimgeschichte.

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  • Altersheim oder WG: Der Zimmertausch

    Aus Puls vom 5.3.2012

    Wie ist das Leben in einem Altersheim, wie fühlt es sich an, wenn der Alltag plötzlich von anderen geregelt wird? «Star TV»-Moderatorin Stephanie Stöckli hat ein Zimmer im Alterszentrum bezogen und drei Tage zwischen Gymnastikstunden, Diskussionsrunden und Kaffee und Kuchen verbracht. Wie ist es, plötzlich wieder im wilden Leben zu stehen? Umgeben von Menschen, deren Alltag von Stress begleitet ist? Altersheimbewohnerin Heidi Schönenberger zog für drei Tage in eine Gross-WG - zwischen Ämtliplan, gemeinsamen Kühlschrank und Futon-Bett.

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  • Mehr als ein Heim: Innovative Wohnideen im Alter

    Aus Puls vom 5.3.2012

    Die vergangenen Jahre sind an den Altersheimen alles andere als spurlos vorbei gegangen. Mit den veränderten Generationen sind auch neue Ansprüche hinzugekommen - nicht nur in Sachen Infrastruktur. «Puls» zeigt innovative Ansätze.

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