Kids im Dauerstress

Der Leistungsdruck zwingt nicht nur Erwachsene in die Knie: Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden unter einer Erschöpfungsdepression, besser bekannt als Burnout.

Einsamer Junge sitzt auf einer trostlosen Betontreppe, rund um sich nur Dunkelheit

Bildlegende: Die ständig wachsenden Anforderungen unserer Gesellschaft hinterlassen auch bei Kindern und Jugendlichen Spuren. imago

Leistungsdruck und Terminstress: Was man gemeinhin mit Erwachsenen in Kaderpositionen in Verbindung bringt, macht vermehrt auch Kindern und Jugendlichen zu schaffen.

Schon früh werden sie heute darauf getrimmt, sich auf die berufliche Zukunft zu fokussieren und sich selber ständig unter Druck zu setzen, gut, besser, am besten zu sein. Hinzu kommt, dass der Kinder-Alltag deutlich voller und durchgeplanter ist als zum Beispiel noch in den 1970er Jahren: 36 Wochenstunden in der Schule, danach noch Kurse, Angebote, Sport, Sprachen, Musik, Hausaufgaben, lernen für Klausuren – 60 Stunden pro Woche kommen so schnell zusammen.

Krisen-Coach Andreas Diethelm kennt die typischen Zeichen einer daraus resultierenden Erschöpfungsdepression: «Schlafstörungen, Veränderungen im Essverhalten, Magenleiden oder sozialer Rückzug gehören etwa dazu.» Betroffene haben keine Lust mehr, hinauszugehen oder zu spielen und vergraben sich noch mehr hinter Playstation, Handy, Computer.

Dünnhäutigkeit und Aggression gegenüber der Familie sowie allgemeine Lustlosigkeit sind ebenfalls nicht selten.

Schwierige Unterscheidung

Wie lassen sich Burnout-Symptome von ganz normalen emotionalen Schwankungen während der Pubertät unterscheiden? «Meine jüngsten Patienten sind sieben bis acht Jahre alt – da stehen die ersten Liebesschmerzen normalerweise noch nicht so im Vordergrund», meint Diethelm. In späteren Jahren ist die Unterscheidung aber tatsächlich schwierig.

Wichtig sei, dass die Eltern achtsam sind und dem Dialog mit dem eigenen Kind Priorität geben. «Man muss ihm zuhören und genügend Zeit einräumen, auch wenn man selber unter Druck steht.» Dann sei die Wahrnehmung krankhafter Veränderungen in einem normalen Familienverbund durchaus möglich.

Was tun?

Ab wann es Sinn macht, professionelle Hilfe beizuziehen, lässt sich nicht generell sagen. «Zunächst sollten die Eltern das Gespräch mit dem Kind suchen», empfiehlt der Burnout-Coach. Gegebenenfalls könne das auch über den Götti oder Bekannte erfolgen, die einen anderen Zugang zum Kind haben. «Ausserdem sollte man frühzeitig den Kontakt mit den Lehrer suchen, um festzustellen, ob und was sich in der Schule verändert hat.»

Aus diesem Dialog kristallisiere sich dann heraus, welche Anlaufstellen und nächsten Schritte in Frage kommen.

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