Psychische Probleme – In der Arbeitswelt kein Thema

Depressionen, Burnout, Angststörungen, Sucht: Besonders in der Arbeitswelt sind psychische Krankheiten tabu. Eine neue Studie zeigt: Aus Angst vor Diskriminierung würde sich nur ein Viertel gegenüber dem Vorgesetzten outen und nur jeder Zehnte mit Arbeitskollegen darüber sprechen.

Während über körperliche Beschwerden offen gesprochen wird, gehören psychische Themen für Herrn und Frau Schweizer strikt in den engen familiären Rahmen. Zu gross ist die Scham und die Angst vor Stigmatisierung.

Viele sind der Meinung, dass psychisch Kranke im Arbeitsumfeld diskriminiert würden und verbergen ihr Problem deshalb so gut wie möglich. Doch das ständige Schweigen und die Isolation haben fatale Folgen: Nicht selten endet die Qual im Suizid.

Soll ich meine psychische Erkrankung überhaupt am Arbeitsplatz thematisieren? Wie soll ich es meinem Chef und den Arbeitskollegen sagen, wenn ich befürchte, dass ich damit auf wenig Verständnis stosse? Was, wenn sich das Outing am Arbeitsplatz negativ auswirkt? Tipps vom «Ratgeber»-Psychologen Rolf Heim, nachzuhören in der obigen Sendung von Radio SRF 1.

Schwieriger Umgang mit psychisch Kranken

Wie stark psychische Krankheiten in der Schweiz immer noch tabuisiert sind, belegt auch eine neue repräsentative Studie im Auftrag der Werner Alfred Selo Stiftung in Kooperation mit Pro Mente Sana. Einige Ergebnisse daraus:

  • Psychische Probleme bleiben im engsten Vertrauenskreis. Eine eigene psychische Erkrankung würden 89 Prozent der Befragten mit dem Partner oder der Familie besprechen. Obwohl psychische Krankheiten jeden Zweiten einmal im Leben treffen, sprechen wir über Depression, Angst, Sucht oder Schizophrenie nur hinter vorgehaltener Hand.
  • Tabuzone Arbeitswelt. Nur 25 Prozent würden sich gegenüber dem Vorgesetzten outen und nur jeder Zehnte würde unter Arbeitskollegen über psychische Probleme sprechen. 56 Prozent sind der Meinung, dass psychisch Kranke im Arbeitsumfeld diskriminiert würden.
  • Fremde und professionelle Hilfe ist bei vielen verpönt. Nur etwa die Hälfte der Befragten würde eine psychologische Fachperson beiziehen (Facharzt 58 Prozent, Psychologe 43 Prozent). Zu viele Menschen verschweigen ihre Leiden oder suchen erst zu spät Hilfe.
  • Psychisch Kranke werden nach wie vor ausgegrenzt. Zwei Drittel der Befragten glauben, dass psychisch Erkrankte öffentlich diskriminiert werden und selbst im privaten Umfeld sieht noch fast jeder Dritte diese Gefahr. Das eigene stigmatisierende Verhalten wird dabei unterschätzt: 36 Prozent finden, dass psychisch Kranke eine Last für die Gesellschaft sind. Und fast die Hälfte der Befragten würde keine psychisch kranke Person als Schwiegersohn oder Schwiegertochter haben wollen.
  • Männer haben eher Berührungsängste. Männer und ältere Menschen schweigen das Thema psychische Krankheiten häufiger tot, während Frauen und Jüngere offener darüber sprechen und auch besser informiert sind. Zugleich zeigen sich aber jüngere, leistungsorientierte Personen härter in ihren stigmatisierenden Urteilen.