Zum Herbstblues kommt der Weltschmerz

Krieg, Krankheit, Katastrophen: Die Welt scheint aus den Fugen und lässt den einen oder anderen darob schier verzweifeln. Vor allem wer eh schon schlecht gelaunt ist, ist anfällig auf Negativschlagzeilen – und darf sich durchaus davor schützen.

Ein Kameramann sucht sich nach einem Zugsunglück den optimalen Standort. Daneben ein Haufen zerstörte Zugsitze.

Bildlegende: Katastrophenbilder erreichen uns heute viel schneller und öfter als früher. Dem kann und darf man aus dem Weg gehen. Keystone

Ebola, IS, Naher Osten, Ukraine – wenn die Blätter fallen und die nebligen Tage kürzer werden, sind Negativschlagzeilen aus aller Welt nicht wirklich das, was aus dem Herbstblues hilft. Was tun? Den Bad News aus dem Weg gehen, auf die belastenden Online- und Fernsehbilder verzichten und stattdessen mehr Radio hören?

Ratgeber-Psychologe Viktor Meyer sieht darin kein Patentrezept: «Radio hören ist möglicherweise sogar noch schlimmer, denn wenn ich eigentlich Musik hören möchte und eine Negativmeldung den Tag hindurch immer wieder wiederholt wird, belastet das fast noch mehr.» Wenn es diesbezüglich ein verträgliches Medium gäbe, sei dies wohl am ehesten noch die Zeitung. «Da kann man lesen, was man will und hat den Überblick übers Ganze.» Bei allen anderen Medien muss man wohl ganz bewusst entscheiden, was man sich zumuten mag.

«Das Problem bei Negativmeldungen ist, dass wir uns für das Geschehen interessieren, weil wir innerlich spüren, dass man etwas tun müsste.» Oft könne man ja auch tatsächlich etwas tun, selbst wenn es nur etwas Kleines ist wie eine Spende oder ein Einkauf an einem anderen Ort. «Manchmal können wir aber gar nichts tun – dann ist es wichtig, auch wieder zu vergessen und nicht ständig herumzugrübeln.»

Nicht an Unlösbarem herumgrübeln

Hochemotionalen Menschen, denen auch entfernte Unglücke über die Massen nahe gehen, empfiehlt Meyer, sich erst einmal bewusst zu werden, ob nicht etwa ein belastendes Problem im näheren Umfeld besteht, auf das man tatsächlich Einfluss hätte. «Beim Newskonsum sollten sie ausserdem umso selektiver sein und zum Beispiel die Nachrichten nur einmal am Tag hören.» Man habe durchaus ein Recht, sich selber zu schützen und gegebenenfalls bewusst wegzuschauen. Auf jeden Fall bringe es nichts, über Sachen zu grübeln, die man sowieso nicht ändern kann.