Zweite Ehe – zweite Chance?

Jedes Jahr geben sich in der Schweiz rund 40'000 Paare das Ja-Wort; bei vielen war mindestens ein Partner schon einmal verheiratet. Im «Treffpunkt» von Radio SRF 1 haben Hörerinnen und Hörer über ihre Erfahrungen mit der zweiten oder dritten Heirat berichtet.

Ringauswahl an einer Hochzeitsmesse

Bildlegende: Beim erneuten Gang vor den Traualtar wird auch emotional kräftig investiert. Keystone


«Ja, ich will… nochmal»

106 min, aus Treffpunkt vom 29.01.2013

«Die Ehe ist ein viel zu interessantes Experiment, um es nur einmal zu versuchen.» Das sagte einst Schauspielerin Rita Hayworth. Die Frau musste es wissen, hatte sie doch insgesamt fünf Mal geheiratet. Ganz so oft muss es ja nicht sein. Aber Frauen und Männer, die nach einer Scheidung ein zweites oder gar drittes Mal heiraten, gibt es in der Schweiz viele: Im Jahr 2011 war bei fast einem Drittel der über 40'000 Hochzeiten mindestens ein Partner schon einmal in den scheinbar sicheren Hafen der Ehe eingelaufen. In zehn Prozent der Fälle hatten sogar beide Heiratenden den Zivilstand «geschieden».

Übung macht nicht zwingend den Meister

Wer es «noch einmal wissen will», muss sich bewusst sein, dass die erste Ehe nicht zwingend ein Testlauf war. «Die erste Ehe kann statt einer Vorbereitung auch eine Vorbelastung sein», sagt die Zürcher Psychologin Gabriela Rüttimann.

Die Paartherapeutin stellt immer wieder fest, dass Leute, die schon einmal verheiratet waren, in der zweiten Ehe wieder in die genau gleichen Muster geraten, wie in der ersten. Darum sei auch das richtige Abschliessen der ersten Ehe so wichtig und gegenüber dem neuen Partner nichts als fair: «Nur wer die erste Ehe ganz hinter sich gelassen hat, kann neu anfangen. Unmittelbar nach einer Scheidung wieder zu heiraten, ist daher oft eher ein Risiko.»

Toleranz als oberstes Gebot

Nicht selten bringt wenigstens einer der beiden Partner Kinder mit in die zweite Ehe. Das kann für den kinderlosen Ehepartner zur Belastung werden: «Der Partner ist in diesem Fall eben nicht nur Partner, sondern hat zusätzliche Aufgaben als Vater oder Mutter zu erfüllen», meint Gabriela Rüttimann. «Das setzt Toleranz voraus – und zwar auf beiden Seiten. Denn der Ehepartner mit Kindern darf nicht vergessen, dass er eben auch Teil eines Paares ist.»

Aller guten Ratschläge zum Trotz und unabhängig davon, ob Kinder involviert sind oder nicht: Auch in der zweiten Ehe wird es hin und wieder Uneinigkeiten geben, wie es sie wohl in jeder Ehe immer wieder gibt. Um diese möglichst ohne zerschlagenes Geschirr zu lösen, sei eines entscheidend, sagt Paarberaterin Gabriela Rüttimann: «Reden Sie miteinander. Das ist immer noch eines der besten Mittel für eine gute Beziehung und eine gute Ehe.»