Tag 5: Etwas Ablenkung wäre nett

«Puls» geht der Frage nach: Was passiert bei Nahrungsentzug im Körper, und kann das auch gesund sein? Redaktorin Sarah Allemann macht, unterstützt von Spezialisten des Kantonsspitals Aarau, sieben Tage lang die Probe aufs Exempel und berichtet im Fasten-Tagebuch, wie es ihr dabei ergeht.

Ein Glas Orangensaft und ein Blick auf einen Teller mit klarer Suppe

Bildlegende: Fruchtsaft zum Lunch, klare Suppe zum Znacht – da gibt es nichts zu kauen. srf

Endlich Wochenende! Zeit, um raus an die frische Luft und in die Natur zu gehen. Schneller als mir lieb ist, kann ich meinen Wunsch in die Tat umsetzen. Frühstück gibt es ja keines, nur Wasser und Tee. Ich mixe mir vorher aber noch einen frischen Fruchtsaft zum Lunch und nehme ihn verdünnt mit.

Mein Blutzuckergerät hat mir die letzten Tage verraten, dass Fruchtsaft viel mehr schnelle Energie liefert, als Gemüsesuppe. Und bei meiner geplanten Wanderung kann ich die Energie vielleicht gut gebrauchen.

Ich habe mir vorgenommen, den Klingnauer Stausee zu umrunden. Die Strecke ist flach und hat mit gut sechs Kilometern eine moderate Länge. Das gestaute Gewässer zieht Ornithologen gleich scharweise an – hier kann man vor allem im Winter spannende Vogelbeobachtungen machen. Ich bewaffne mich ebenfalls mit einem Feldstecher. Und das Glück ist mir hold: Ich sehe Eisvögel, Zaunkönige, Waldbaumläufer, Schwanzmeisen, Grosse Brachvögel und unzählige Enten-Vögel. Mehr als 50 Meter am Stück komme ich kaum vorwärts, so viel gibt es zu sehen!

Die Ablenkung ist durchaus erwünscht. Solange ich mich nämlich auf etwas anders konzentrieren kann, denke ich nicht ständig ans Essen! Es ist nicht der Hunger, der mich plagt, vielmehr sind es die Gedanken an all die leckeren Dinge, die es gibt...

Ich vermisse bei meinem Saftfasten das Erlebnis beim Zubereiten der vielfältigen Nahrungsmittel, die wir das ganze Jahr über immer zur Verfügung haben. Ich vermisse das gesellige Beisammensein bei Tisch, und ich vermisse das Kauerlebnis.

Ich liebe Käse. Kollegen schreiben mir, dass es abends bei ihnen Fondue gibt – Gemeinheit! Ich zweifle, ob ich regelmässig fasten könnte.

Beim Umrunden des gestauten Sees merke ich zudem, dass ich weniger leistungsfähig bin. Die sechs Kilometer fallen mir definitiv schwerer als sonst. Zurück beim Parkplatz und im Auto bin ich froh, dass ich mir keine strengere Tour ausgewählt habe.

Auf dem Heimweg kaufe ich frisches Gemüse ein, rüste zu Hause die Zutaten für die Suppe mit Hochgenuss – dass Rüsten so viel Spass machen kann, ist eine neue Erfahrung für mich ;-) – und löffle die abgesiebte, klare Suppe, als ob es eine Belohnung fürs Langsamessen gäbe.

Fasten-Tagebuch

Fasten-Tagebuch

Wie es «Puls»-Redaktorin Sarah Allemann eine Woche lang beim Vollfasten ergangen ist, können Sie in ihrem Fasten-Tagebuch nachlesen.

Sendung zu diesem Artikel