Wie zuverlässig sind Online-Bewertungen?

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Ein Zimmer mit Meeresblick, ein unbekanntes Restaurant, ein neues Bügeleisen – oft verlassen wir uns beim Einkaufen und Buchen bloss auf Bewertungen aus dem Internet. Aber wie zuverlässig sind solche Empfehlungen? Und mit welchen Tricks lassen sich falsche Bewertungen von echten unterscheiden?

Jemand drückt einen Knopf mit Sternen darauf für eine Bewertung.
Bildlegende: Achten Sie bei Online-Bewertungen etwa auf die Sprache, den Verfasser und das Publikationsdatum. Colourbox

Um bei den Online-Bewertungen die Spreu vom Weizen zu trennen, können folgende Tipps hilfreich sein:

  • Achtung vor Marketing-Sprache: Wird ein Angebot über den grünen Klee gelobt, ist Vorsicht geboten. Vor allem wenn dabei Floskeln verwendet werden, die sonst nur in Werbeprospekten zu lesen sind, aber einer Privatperson nie über die Lippen kämen. Vorischt auch, wenn der Produktname mehrmals in exakter Bezeichnung verwendet wird – also z.B. stets vom «TurboLoadGrillstar3000 ZRX-HD3» die Rede ist.
  • Wichtig ist auch, von wem eine Bewertung erfasst wurde: Hat die Person sonst keine anderen Bewertungen geschrieben, schreibt sie immer nur über die Produkte derselben Firma oder bewertet sie jedes Produkt mit maximaler Punktezahl? Dann kann es sich um eine gekaufte Bewertung handeln.
  • Gibt es mehrere Bewertungen mit fast demselben Wortlaut? Oder wurden viele positive (oder auch negative) Bewertungen im kurzer Zeit nacheinander erfasst, während davor und danach lange nichts geschah? Auch das deutet auf gekaufte Bewertungen hin.
  • Bei Plattformen wie Uber oder Airbnb können nur Personen bewerten, die eine Dienstleistung auch tatsächlich in Anspruch genommen haben. Gekaufte Reviews findet man dort also kaum. Allerdings liegt bei diesen Plattformen der Durchschnitt der Bewertungen ausgesprochen hoch – bei Airbnb liegt so gut wie keine unter dreieinhalb (von fünf) Sternen.
  • Bewertungen sammeln sich oft am oberen und unteren Ende der Skala. Beim Restaurant-Vergleichsdienst Yelp soll es zum Beispiel mehr 5-Sterne-Noten geben (das Maximum) als alle anderen Wertungen zusammengenommen. Ein differenzierteres Bild zeigen oft die Texte der Bewertungen, die zwischen diesen Extremwerten liegen.
  • Sterne oder Zahlen allein sagen noch nicht alles über die Qualität eines Produktes oder einer Dienstleistung. Wer auch den Text einer Bewertung liest kann erfahren, dass sich eine schlechte Punktezahl nicht auf das Produkt selbst bezieht, sondern auf Details, die nichts mit dessen eigentlicher Qualität zu tun haben, z.B. die Lieferzeit.

Kurz: Online-Bewertungen geben einen raschen Überblick über die Qualität eines Produktes, eines Restaurants oder eines Hotels. Bei der Auswahl sollte man sich trotzdem nicht auf solche Empfehlungen beschränken. Bei grösseren Ausgaben lassen sich böse Überraschungen vermeiden, wenn zusätzliche Quellen wie Testberichte, Restaurant- oder Reiseführer zu Rate gezogen werden.

Ein Problem bei Online-Bewertungen sind gekaufte Bewertungen. Ein anderes Problem ist die Tatsache, dass viele Konsumenten zu Maximal- oder Minimalbewertungen greifen und so einen Daumen nach oben oder unten geben, ohne sich um eine feinere Differenzierung ihres Urteils zu kümmern.

Moderation: Michael Brunner, Redaktion: Jürg Tschirren