Gesucht: Der WM-Topfavorit

Restlos überzeugen konnte bisher wohl keiner der 16 Achtelfinalisten. Als klarer Titelanwärter hat sich folglich kein Team herauskristallisiert. Die Favoritenrolle fällt deshalb den historisch erfolgreichsten Nationen zu.

Maracana-Stadion in Rio de Janeiro

Bildlegende: Das Ziel aller Träume Das Maracana-Stadion in Rio de Janeiro. Keystone

Die Geschichte spricht dafür, dass eines der verbleibenden 8 Teams vom amerikanischen Kontinent die WM-Trophäe am 13. Juli im Maracana-Stadion in Rio holt. Die 6 europäischen und 2 afrikanischen Nationen sind statistisch gesehen im Nachteil. Oder wie es Nati-Verteidiger Stephan Lichtsteiner vor dem Honduras-Spiel formulierte: «Die Südamerikaner sind sich an das Klima und die Plätze gewohnt.» Zum erlauchten engeren Kreis der Favoriten dürften folgende Mannschaften zu zählen sein:

Die Südamerikaner

  • Brasilien: Für die Selecao spricht neben dem offensichtlichen Heimvorteil, dass Superstar Neymar dem Druck bisher standgehalten hat. Mit scheinbarer Leichtigkeit erzielte der 22-Jährige 4 Tore und zeigte seine Ballkünste besonders im Spiel gegen Kamerun. Sieht der Barça-Stürmer allerdings im Achtelfinal die gelbe Karte, wäre er in einem möglichen Viertelfinal gegen das spielstarke Kolumbien oder Uruguay gesperrt. Im Halbfinal droht ein Duell mit Deutschland, ein Final gegen Argentinien ist ebenfalls möglich.
  • Argentinien: Ob der 3. WM-Titel der «Albiceleste» Tatsache wird, hängt in erster Linie von Lionel Messi ab. Kann der Captain an seine 4 Tore anknüpfen, scheint der grosse Coup möglich. Allerdings genügte die Verteidigung zuletzt nicht den Ansprüchen. Auch Messis Sturmkollegen blieben hinter den Erwartungen zurück. Wird die Schweiz nicht zum Stolperstein, könnte man auf Belgien treffen.
  • Kolumbien: Das Offensivduo James Rodriguez und Jackson Martinez begeisterte in der Gruppenphase. Die «Cafeteros» feierten als einziges Team neben der Niederlande, Argentinien und Belgien 3 Siege. Der Viertelfinal-Vorstoss gegen ein Uruguay ohne Luis Suarez scheint machbar. Dann würde allerdings wohl Brasilien warten.
  • Mexiko: Das 0:0 gegen den Gastgeber hat gezeigt, wie stark die ungeschlagene «Tri» ist. Gelingt das Weiterkommen gegen die Niederlande, liegt mindestens der Halbfinal drin.

Die Europäer

  • Deutschland: Die Euphorie nach dem 4:0-Startsieg gegen Portugal ist etwas abgeflacht. Der Traum vom 1. WM-Titel seit 1990 lebt aber weiter. Thomas Müller entpuppte sich als Tor-Garant (4 Treffer), Miroslav Klose traf als Joker gegen Ghana. Übersteht das Löw-Team die Achtelfinals gegen Algerien, könnte im Viertelfinal Frankreich warten. Ein Spaziergang würde es mit Bestimmtheit nicht werden - im Halbfinal bahnt sich ein Duell mit Brasilien an.
  • Niederlande: Coach Louis van Gaal überstand mit seinem verjüngten Team die Vorrunde bravourös. Robben und Van Persie sind in blendender Verfassung, die Abwehr hielt gegen Chile die Null. Nimmt der Vizeweltmeister die nicht zu unterschätzende Hürde Mexiko, würde im Viertelfinal Griechenland oder Costa Rica warten. Im Halbfinal winkt ein mögliches Duell gegen Argentinien.
  • Frankreich: Auch ohne Franck Ribéry gelangen der «Équipe Tricolore» 8 Tore in 3 Spielen. Karim Benzema könnte diesem Turnier seinen Stempel aufdrücken. Allerdings dürften im weiteren Turnierverlauf Deutschland und Brasilien zum Prüfstein für die Franzosen werden.
  • Belgien: Der «Geheimfavorit» überzeugte vor allem in defensiver Hinsicht. Das Team von Coach Marc Wilmots kassierte - wie Costa Rica - nur einen Gegentreffer (ebenfalls per Elfmeter), traf vergleichsweise aber auf eher schwächere Gegner.

Nur Aussenseiter-Chancen haben die übrigen 8 Teams. Nigeria, Algerien, Griechenland und die USA dürften ihr Ziel mit der Achtelfinal-Teilnahme bereits erreicht haben. Dass der Höhenflug von Costa Rica nach dem ebenso überraschenden wie überzeugenden Sieg in der «Todesgruppe» D bis in den Final führt, wagen nur Fussball-Romantiker auszusprechen. Uruguay scheint nach Luis Suarez' Sperre zu geschwächt. Die Schweiz und Chile hoffen ihrerseits aber insgeheim aber auf den grossen Exploit.

Sendebezug: SRF zwei, FIFA WM 2014 live, 12.6. - 26.6.14

Die Achtelfinal-Paarungen

Brasilien
- Chile
Samstag,
28.6., 18:00 Uhr
Belo Horizonte
Kolumbien
- Uruguay
Samstag,
28.6., 22:00 Uhr
Rio
de Janeiro
Niederlande
- Mexiko
Sonntag,
29.6., 18:00 Uhr
Fortaleza
Costa
Rica - Griechenland
Sonntag,
29.6., 22:00 Uhr
Recife
Frankreich
- Nigeria
Montag,
30.6., 18:00 Uhr
Brasilia
Deutschland - AlgerienMontag,
30.6., 22:00 Uhr
Porto Alegre
Argentinien
- Schweiz
Dienstag,
1.7., 18:00 Uhr
Sao
Paulo
Belgien - USADienstag,
1.7., 22:00 Uhr
Salvador
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Porträt über Brasil-Star Neymar

2:24 min, aus FIFA WM 2014 live vom 24.6.2014