Latour: «Leiden und Leidenschaft gehören dazu»

Vor dem kapitalen Spiel der Schweizer Nati gegen Honduras spricht SRF-Experte Hanspeter Latour im Interview übers Klima in Manaus und erklärt, warum er das Team von Ottmar Hitzfeld auch nach dem Frankreich-Spiel noch auf Kurs sieht.

Nati-Spieler während einer Trinkpause im Training.

Bildlegende: Strapazen Gegen Honduras werden die Schweizer auch mit der Hitze zu kämpfen haben. Keystone

Hanspeter Latour, wie haben Sie die Schweizer Nati in den Tagen nach der 2:5-Schlappe gegen Frankreich erlebt?

Latour: Am Anfang waren die Mannschaft, das gesamte Umfeld und selbst die Medienschaffenden geschockt. Die Schweiz ist zuversichtlich ins Spiel gegen Frankreich gestiegen, das Resultat schliesslich war brutal. Und man konnte nicht einmal sagen, dass Frankreich unverdient in dieser Höhe gewonnen hatte. Inzwischen hat sich das Team aber von diesem Schock erholt.

Einige Spieler sprachen davon, dass die Partie gegen Honduras nun zum Charaktertest werde.

Eine Reaktion ist gefordert. Man darf aber nicht vergessen, dass die Nati noch immer auf Kurs ist. Man wusste, dass Ecuador geschlagen werden muss und dass dann gegen Frankreich jedes Resultat möglich ist. Dass die Schweiz das Spiel gleich in dieser Höhe verloren hat, hat die Nati in stürmische Gewässer geführt. Der Kurs stimmt aber weiterhin. Nun heisst es, Honduras zu schlagen. Dann winkt der Achtelfinal, denn ich glaube daran, dass sich die Nati mit 6 Punkten für die K.o.-Runde qualifiziert. Damit wäre das Hauptziel erreicht.

Welche Umstellungen wird Hitzfeld in der Aufstellung vornehmen?

Interessant ist, dass man bei der Kadernomination davon ausgegangen ist, dass die Mannschaft steht. Man wusste aber auch, dass mit Shaqiri und Schär 2 Spieler aus längeren Verletzungspausen zurückkamen. Nach Von Bergens Verletzung und der Formschwäche einiger Schlüsselspieler wird nun viel spekuliert. Es könnte durchaus einige Wechsel geben.

Wie nehmen Sie das viel diskutierte Klima in Manaus wahr?

Es ist heiss und schwül. Die Nati hat sich darauf aber vorbereitet. Man darf nicht vergessen, dass diese Partie bereits das vierte Spiel in Manaus sein wird. Man hat hier tolle Spiele gesehen, England-Italien etwa oder Portugal-USA. Partien mit Dynamik und vielen Toren. Das Klima darf daher kein Grund für Ausreden sein. Gelitten aber wird bei diesen Bedingungen ganz sicher. Leiden und Leidenschaft ist aber ein Teil des Spitzensports. Es wird jene Mannschaft gewinnen, die sich in diesen Bereichen durchsetzen kann.

Was erwarten Sie vom Schweizer Gegner Honduras?

Keine grossen Änderungen im Vergleich zum Honduras von der WM 2010. Es war in Südafrika nicht einfach gegen diesen Gegner und das wird es auch in Brasilien nicht sein. Ich glaube aber, dass sich die Schweiz in den letzten 4 Jahren stärker entwickelt hat als Honduras. Bei allem Respekt vor diesem Gegner: Die Schweiz müsste Honduras von der Qualität her schlagen.

Honduras muss die Schweiz mit 2 Toren Unterschied besiegen, um seine Chance auf die Achtelfinals zu wahren. Auch die Schweiz braucht einen Sieg. Gibt es einen offenen Schlagabtausch?

Wenn eine Mannschaft früh in Führung geht, kann sich das Spiel durchaus so entwickeln. Für das Team im Rückstand geht es dann um alles oder nichts. Aber: ich habe mich absichtlich nicht gross mit den Tordifferenzen und der Ausgangslage befasst. Die Schweiz muss dieses Honduras einfach schlagen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Nati mit 6 Punkten nicht in den Achtelfinals stehen wird.

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Interview mit Hanspeter Latour

1:56 min, aus FIFA WM 2014 live vom 25.6.2014