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Schweizer Nationalmannschaft Nati mit «Geheimmittel» gegen die Hitze

Nati-Betreuer Markus Tschopp erklärt, wie sich die Schweiz in Brasilien auf die Hitze vorbereitet. Und verrät, mit welchem Mittel man den Flüssigkeitsverlust kompensieren will.

Xherdan Shaqiri bei einer Pause während der Trainingseinheit.
Legende: Trinken ist Pflicht Xherdan Shaqiri und Co. müssen in der Hitze Brasiliens den Flüssigkeitsverlust kompensieren. EQ Images

Markus Tschopp ist in der WM in Brasilien ein wichtiger Mann für das Schweizer Team. Der 44-jährige Zentralschweizer ist Sportwissenschaftler und Leistungsdiagnostiker im Bundesamt für Sport und an der WM damit beauftragt, die Schweizer Spieler so gut wie möglich auf die Hitze in den brasilianischen Stadien vorzubereiten.

Immerhin rechnet man in Brasilia, Salvador und Manaus jeweils mit rund 30 Grad, dazu wird die für die Leistung ebenfalls zentrale Luftfeuchtigkeit vor allem in den beiden letzten Schweizer Gruppen-Spielorten enorm hoch sein. «Wir werden nicht in der Lage sein, den durch das Schwitzen entstandene Flüssigkeitsverlust vollständig zu kompensieren», sagt Tschopp. «Wir sind dafür besorgt, den »Schaden« in Grenzen zu halten.»

Markus Tschopp während der Pressekonferenz.
Legende: Kümmert sich um das Wohlbefinden der Schweizer Sportwissenschaftler Markus Tschopp. Keystone

Viel trinken ungemein wichtig

Elementar ist, dass die Spieler so viel wie möglich trinken. «Jede Gelegenheit zur Flüssigkeitsaufnahme soll genutzt werden», mahnt Tschopp die Nati-Cracks. Zusätzlich bedient sich die Nati eines «Geheimmittels.» Eine - natürlich völlig legale - Salzlösung soll dazu führen, dass die Flüssigkeit im Körper gespeichert und nicht gleich wieder ausgeschieden wird.

Weshalb aber ist es derart wichtig, den Flüssigkeitshaushalt unter Kontrolle zu haben? Tschopp erklärt: «Mit dem Flüssigkeitsverlust werden wichtige Funktionen wie Herz- und Kreislauf negativ beeinflusst.» Daneben gebe es neuronale Mechanismen. Der Körper antizipiere, dass er 90 Minuten lang Leistung bringen muss. «Sensoren registrieren die Hitze und sorgen dafür, dass der Körper diese Belastung 90 Minuten lang durchhält.»

Legende: Video «WM: Öffentliches Training vom Sonntag» abspielen. Laufzeit 3:15 Minuten.
Aus FIFA WM – Magazin vom 09.06.2014.

Prozentsatz niedrig halten

Wegen diesen Signalen des Körpers gehe ein Spieler eine Partie automatisch und unbewusst mit einer «gemächlicheren» Kadenz an. Resultat: ein niedrigeres Tempo und geringere Intensität. Auf 15-25 Prozent beziffert Tschopp die Leistungsreduktion unter den brasilianischen Voraussetzungen im Vergleich zu einem Spiel im europäischen Klimaraum.

Wichtig also, diesen Prozentsatz so klein wie möglich zu halten. «Seit drei bis vier Jahren messen wir im Training, welcher Spieler wie viel Flüssigkeit verliert», erzählt Tschopp. Er weiss also genau, welche Schweizer Spieler besonders auf ihren Flüssigkeitshaushalt achten müssen - und wird mit seinem umfassenden wissenschaftlichen Background zur wichtigen Figur im Schweizer WM-Team.

7 Kommentare

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  • Kommentar von Asterix, Bern
    Wundermittel ! Haha wahrscheinlich der Zaubertrank vom Druiden Miraculix ;·)
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  • Kommentar von Reto Munteler, Zürich
    Im tropischen Klima sind eben nicht nur die hohen Temperaturen ein Problem, sondern die hohen Temperaturen - in Kombination! - mit der hohen Luftfeuchtigkeit! Auf diesen Umstand wird m.E. zu wenig hingewiesen und ich gespannt darauf, wie stark sich die klimatischen Bedingungen auf das Leistungsvermögen insbes. der europäischen Teams auswirken. Vor allem in Manaus und Cuiaba soll es diesbezüglich besonders extrem sein. Vor allem hoffe ich, dass bei diesen Bedingungen kein Spieler kollabiert!
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  • Kommentar von Reto Munteler, Zürich
    Neben dem Flüssigkeitshaushalt ist die Aufnahme von Sauerstoff eine weitere Herausforderung für den Körper. Bei warmen Temperaturen sind die Sauerstoff-Moleküle weniger dicht beeinander, das heisst, es hat pro m3 Luft weniger Sauerstoff. Im tropischen Klima durchmischt zudem noch die hohe Luftfeuchtigkeit (H2O im Gaszustand) den vorhandenen Sauerstoff. Das bedeutet, dass bei grosser Anstrengung das Atmen schwerer fällt, es braucht mehr Atemzüge um den Sauerstoffbedarf zu decken.
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    1. Antwort von Biochemiker, Zürich
      Stimmt nicht wirklich. Ein Gas nimmt generell mehr Platz ein wenn es erwärmt wird, das stimmt. Aber kann nicht einfach so übernommen werden für dieses Beispiel. Da wir unbegrenzt Sauerstoff haben und sich bei höherer Temperatur die Moleküle schneller bewegen und dadurch auch schneller wieder zur Nase unsere Nati-Spieler, kann dieser Effekt vernachlässigt werden. Den grösseren Effekt hat viel eher die Meereshöhe oder die Sauerstoffkonzentration (Durch Wälder eher erhöht).
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