«Zwei Herzen schlagen, ach, in meiner Brust…»

Das Duell Deutschland gegen die USA um den Achtelfinal-Einzug verspricht nicht nur sportliches Drama. Für die stark vertretene «deutsche Fraktion» bei den US-Boys ist der «Showdown in Recife» auch eine emotionale Angelegenheit.

Jürgen Klinsmann und Jermaine Jones vor dem kapitalen Duell mit Deutschland.

Bildlegende: «The Germans» Jürgen Klinsmann und Jermaine Jones vor dem kapitalen Duell mit Deutschland. Reuters

«Wenn ich die amerikanische Nationalhymne höre, werde ich meine Augen schliessen und mir alles durch den Kopf gehen lassen», meint der langjährige Schalker Jermaine Jones vor dem Spiel der Spiele seiner US-Boys gegen Deutschland. Es sind gefühlvolle Worte für einen, der auf dem Platz eher als unzimperlicher Brecher in Erscheinung tritt. Auch Kyle Beckerman (Real Salt Lake City) gibt sich emotional: «Es ist das grösste Spiel unseres Lebens.»

Deutsche Fraktion mit gemeinsamer Geschichte

Die Gründe für die anrührende Wortwahl sind nicht nur sportlicher Natur: Jones und Beckerman sind zwei Vertreter der fünfköpfigen Fraktion an Deutsch-Amerikanern, für die das Schicksalsspiel gegen Deutschland auch ein Bruderduell ist. Neben ihnen sind auch die «Deutschen» John Anthony Brooks (Hertha Berlin), Tim Chandler (Nürnberg) und Julian Green (Bayern) im US-Kader.

Die «Five Germans» eint auch eine gemeinsame Familiengeschichte: Alle sind sie Söhne in Deutschland stationierter US-Army-Angehöriger. Alle haben deutsche Mütter. Ausser Beckerman wurden alle fussballerisch in Deutschland «sozialisiert».

Soccer «Made in Germany»

Angeführt wird die «deutsche Fraktion» bei den US-Boys von Trainer Jürgen Klinsmann, dem einstigen «Erneuerer des deutschen Fussballs». Daraus, dass auch in seiner Brust zwei Herzen schlagen, macht der bald 50-jährige Schwabe keinen Hehl: «Ich werde beide Hymnen mitsingen.»

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Klinsmann über seine Deutschland-Fraktion

1:25 min, aus FIFA WM 2014 live vom 26.6.2014

«Klinsi» im Kreuzfeuer der Kritik

Mit der Nominierung des deutschen Quintetts hatte der streitbare Revolutionär - wieder einmal - Kritik geerntet. Hatten US-Medien seine unorthodoxen, zuweilen esoterisch anmutenden Trainingsmethoden als «California Bullshit» abgestraft, stand nun ein neuer Vorwurf im Raum: Derjenige, den «American Way of Soccer» zu europäisieren, wie Ex-Nationalcoach Bruce Arena polterte.

Die Aussortierung des nationalen Fussball-Heiligtums Landon Donovan erinnerte gar an das mediale Gepolter, das Klinsmann in Deutschland mit der Degradierung Oliver Kahns augelöst hatte.

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John Brooks vor dem Spiel

0:35 min, aus FIFA WM 2014 live vom 26.6.2014

Über den Erfolg in die Herzen der US-Soccer-Fans

Mittlerweile haben sich die Wogen geglättet, die amerikanische Öffentlichkeit hat angesichts der erfolgreichen WM-Kampagne ihr Herz für Klinsis «Germans» geöffnet. Wozu freilich auch beitrug, dass der bislang überragende Jones als absoluter Teamleader überzeugte und andere, wie der junge Berliner Brooks (2:1-Siegtreffer gegen Ghana), ins Rampenlicht drängten. Das beste Mittel zur Integration bleibt in den USA eben doch ein Siegerlächeln.

Sendebezug: SRF zwei, FIFA WM 2014 live, 21.06.2014, 21:00 Uhr & 23.06.2014, 00.00 Uhr.

TV-Hinweis

TV-Hinweis

Verfolgen Sie den Spitzenkampf in Gruppe G zwischen Deutschland und den USA ab 18:00 Uhr auf SRF zwei und im Livestream.