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Super League «Die vielen Trainerwechsel sind erschreckend»

Die erste Saisonhälfte in der Super League ist gespielt. Die SRF-Co-Kommentatoren Hanspeter Latour und Benjamin Huggel ziehen im Gespräch eine Zwischenbilanz und analysieren im 1. Teil die Gewinner und Verlierer der Vorrunde.

Mit den Grasshoppers und St. Gallen spielen der letztjährige Fast-Absteiger und der Aufsteiger ganz vorne mit. Hätten Sie damit gerechnet?

Hanspeter Latour: Dass die beiden Teams gleich so stark sind, ist doch überraschend. Nach dem Aufstieg hatte St. Gallen Rückenwind. Doch der FCSG spielt sehr solid und hatte keinen Einbruch, damit hätte ich nicht gerechnet. Bei GC wusste man, dass sie eine junge, zukunftsorientierte Mannschaft haben, die in der Achse sehr geschickt verstärkt wurde.

Benjamin Huggel: Nein, nicht wirklich. Vor allem die Grasshoppers nicht. Aber GC hat sich mit Stéphane Grichting und Veroljub Salatic auf wichtigen Positionen entscheidend verstärkt. Bei St. Gallen ging ich davon aus, dass sie sich im Mittelfeld halten können. Jeff Saibene hat bereits im Aufstiegsjahr hervorragende Arbeit geleistet. Aber dass die Ostschweizer gleich an der Spitze mitmischen, hätte ich nicht gedacht.

FCB hatte oft einen schleichenden Start

Den Tritt überhaupt noch nicht gefunden haben Vizemeister Luzern, Titelaspirant YB und der ambitionierte FC Zürich. Woran liegt es?

SRF-Kommentator Hanspeter Latour.
Legende: Fussballexperte und SRF-Co-Kommentator Hanspeter Latour. Reuters

Latour: Es ist enttäuschend, dass YB nicht im Spitzenquartett vertreten ist. Vom Potenzial her müssten die Berner vorne dabei sein. Wieso sie dieses noch nicht abrufen konnten, ist schwierig zu eruieren. Denn in der Europa League haben sie gegen gute Gegner überzeugt. Das Team scheint etwas launisch und instabil. Zudem hinkt das argentinische Duo Raul Bobadilla/Gonzalo Zarate in der Meisterschaft hinter den Leistungen in der Europa League her. Luzern hat sich ein wenig gefangen nach dem Trainerwechsel. Die Schwierigkeiten beim FC Zürich, der ebenfalls den Coach entliess, haben sich abgezeichnet. Der Klub befindet sich im Umbruch, die Mannschaft hat sich nach dem Abgang namhafter Spieler stark verändert.

Huggel: Es ist schwierig, dies aus der Ferne zu beurteilen. Da müssen verschiedene Probleme vorliegen, die nicht vergleichbar sind. Aber für den Schweizer Fussball wäre es natürlich gut, wenn sich diese Teams wieder stabilisieren würden und sich nach vorne orientieren könnten.

Auch der FC Basel hatte einen holprigen Saisonstart, scheint den Tritt nun aber gefunden zu haben. Sind dies die Konsequenzen aus dem Trainerwechsel?

Latour: Dass Basel international durch die Abgänge von Xherdan Shaqiri und Granit Xhaka nicht mehr ganz auf dem Niveau der Vorsaison sein würde, war absehbar. Aber vom Potenzial her ist der FCB nach wie vor in der Lage, die Meisterschaft zu gewinnen. Murat Yakin kennt die Basler Szene und die Super League. Ich traue ihm zu, dass er die Weichen so stellen kann, dass der FCB bis zum Schluss um den Meistertitel spielt.

SRF-Kommentator Benjamin Huggel.
Legende: Fussballexperte und SRF-Co-Kommentator Benjamin Huggel. Keystone

Huggel: Der FCB hatte in den vergangenen Saisons oft einen schleichenden Start und wurde dann immer besser. Es braucht seine Zeit, bis sich das Team findet. Das ist dieses Jahr nicht anders. Es wird interessant sein, wo die Reise der Basler noch hinführt.

Neben Vogel mussten 6 weitere Coaches ihre Sessel räumen. Wieso wird das Trainergeschäft in der Super League immer kurzlebiger?

Latour: Für mich ist es erschreckend, dass vor Ablauf der Vorrunde so viele Teams den Trainer gewechselt hatten. Die Klubs scheinen zu wenig Geduld zu haben oder waren zu unvorsichtig bei der Trainerwahl. Wenn eine Mannschaft deutlich unter den Erwartungen liegt, ist ein Trainerwechsel immer das Einfachste. Es hat mit Bernard Challandes und Rolf Fringer auch Erfahrene getroffen – Leute, denen man sonst mehr Zeit eingeräumt hätte.

Klubs waren unvorsichtig bei der Trainerwahl

Huggel: Im Gegensatz zu einem Sportchef oder einem Präsidenten durchläuft ein Trainer eine lange Ausbildungszeit und braucht viele Diplome, um überhaupt an der Seitenlinie stehen zu dürfen. Dies ist ein nicht ganz einfacher Gegensatz. Die Vereinsverantwortlichen sind deshalb vielleicht ein bisschen anfälliger auf den Druck von aussen. Die Trainerentlassung ist halt meistens die erste Massnahme. Für die Glaubwürdigkeit der Super League ist es aber sicherlich nicht förderlich.

Hinweis

Im 2. Teil des Gesprächs tippen Hanspeter Latour und Benjamin Huggel den Meister sowie den Absteiger und sie nennen ihre persönlichen Entdeckungen der Vorrunde.