Gattuso: «Trainer» wider Willen

Gennaro Gattuso lebt und atmet Fussball. Doch in der Rolle des Spielertrainers scheint sich der Weltmeister nicht wirklich wohl zu fühlen. Kein Wunder, denn gefragt, ob er diese annehmen wolle, wurde er nicht.

Video «Gattusos Einstand als Spieler-Trainer im Cup» abspielen

Gattusos Einstand als Spielertrainer im Cup

4:04 min, vom 28.2.2013

Er schrie, gestikulierte und dirigierte auf dem Feld - genau so, wie er es schon immer getan hat. Gennaro Gattuso, der «Terrier», war auch im Cup-Viertelfinal gegen Lausanne am Mittwoch «mehr Spieler als Trainer», wie es Sions Mittelfeldakteur Didier Crettenand formulierte.

Kein Wunder, denn Gattuso scheint noch nicht bereit für feinen Zwirn und Krawatte an der Seitenlinie. «Ich beschäftige mich mit dem Gedanken, Trainer zu werden», sagte der 35-jährige Kalabrier unlängst in der Sendung «sportlounge». Aber er müsse sich zuerst «die Grundlagen aneignen».

Auch der Weltmeister muss gehorchen

Ob er diese besitzt oder nicht, war Christian Constantin egal. Der Sion-Präsident hatte am Montag Victor Muñoz als Coach entmachtet und Gattuso zum Spielertrainer ernannt. «Ich habe ihn nicht gefragt», sagt Constantin. «Das habe ich einfach entschieden. Gennaro ist unser Captain, also muss er Verantwortung übernehmen.»

«Riccio war unser Trainer»

Seine Mitspieler betrachten den Weltmeister von 2006 nicht als ihren Coach. «Luigi Riccio war unser Trainer», sagt Crettenand nach dem 2:0-Sieg in Lausanne. «Er hat uns auf dieses Spiel vorbereitet und gute Arbeit geleistet.» Muñoz' ehemaliger Assistenztrainer  war im Sommer zusammen mit Gattuso ins Wallis gestossen. Riccio und der gleichaltrige Gattuso sind Freunde, die sich aus ihrer Zeit bei den Glasgow Rangers kennen.

«Constantin ist der Kapitän»

Aber selbst dem widerspenstigen Gattuso sind die Sitten in Sitten unterdessen bekannt. Was der Präsident entscheidet, hat zu gelten. «Ich bin zwar der Captain in der Mannschaft, aber der Kapitän im Verein ist der Präsident», sagt Gattuso.

Und so muss der Mittelfeld-Ackerer wohl weiterhin das Spielertrainer-Amt ausfüllen - ob er will oder nicht. Und sollte er abgesetzt werden, was beim FC Sion grundsätzlich jedem Trainer droht, dann wäre Gattuso zumindest immer noch Spieler, Captain und Antreiber. In diesen Rollen gefällt er sich sowieso am besten.

Video «Gennaro Gattuso – ein grosser Fussballer, der sich selbst geblieben ist» abspielen

Gennaro Gattuso zu Gast in der «sportlounge» (19.11.2012)

13 min, aus sportlounge vom 19.11.2012