Doppelte Ohrfeige für Schweizer in Adelboden

Die Schweizer Fans haben die Weltcup-Rennen in Adelboden zu einem Skifest erster Güte gemacht. Im Kontrast dazu steht das Abschneiden der einheimischen Fahrer: Es war auf der gesamten Linie eine Enttäuschung.

Ein Fahrer auf der Piste, der Himmel ist dicht behangen.

Bildlegende: Dunkle Wolken Die Schweizer konnten bei den Heimrennen überhaupt nicht überzeugen. Keystone

3 Fahrer hat das Schweizer Team bei den beiden Rennen in Adelboden in den 2. Lauf gebracht. Dass sich im Slalom am Sonntag Luca Aerni mit einem ansprechenden 2. Lauf noch knapp in die Top 20 hievte, macht die magere Ausbeute auch nicht eben besser.

Mit den Rängen 19 (Aerni) sowie 21 (Carlo Janka) und 23 (Gino Caviezel) am Vortag im Riesenslalom fiel das Abschneiden sogar noch ernüchternder aus als im letzten Winter. Damals war Swiss-Ski mit Janka (20.) und Markus Vogel (17.) in beiden Disziplinen je einmal unter den besten 20 vertreten. Die letzten Top-10-Klassierungen am «Chuenisbärgli» gehen bereits ins Jahr 2011 zurück (Marc Berthod als 7. im Riesenslalom und Silvan Zurbriggen als 10. im Slalom).

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Die Analyse von Thomas Stauffer

2:07 min, aus sportpanorama vom 11.1.2015

«Einen Zacken zulegen»

Der Schweizer Cheftrainer nahm nach dieser bitteren Schlappe kein Blatt vor den Mund. Schon bei Halbzeit in Adelboden zeigte sich Thomas Stauffer äusserst genervt über die Tatsache, «dass wir gerade hier vor 30'000 Zuschauern am schlechtesten abschneiden.»

Auch Alpinchef Rudi Huber war frustriert, selbst wenn er «im Gesamtbild auf Fortschritte» hinweist. Im Vergleich zum Vorjahr seien 9 statt nur 5 Athleten zum Riesenslalom von Adelboden angetreten. «Aber klar sind nicht die Startplätze relevant, sondern die Ergebnisse. Diesbezüglich ist klar zu wenig gekommen. Die Fahrer müssen künftig wieder einen Zacken zulegen», fordert Huber.

Hauptprobe missglückte gründlich

Kommt dazu, dass der Heim-«Riesen» bereits die Hauptprobe für die WM in Vail/Beaver Creek war. Und diese also gründlich misslungen ist. Entsprechend räumte Jörg Roten, der Leiter der Schweizer Riesenslalom-Gruppe ein, dass der Rückschlag wirklich im dümmsten Moment kam.

Die Fans schwenken Schweizer Fahnen im Zielhang.

Bildlegende: Frenetische Stimmung Leider konnte der Anhang die eigenen Fahrer nicht zu Spitzenresultaten anstecken. Keystone

Wie also richtet er seine Mannschaft nun wieder auf? Der 40-Jährige verweist darauf, dass Beaver Creek ein ganz anderes Pflaster als das «Chuenisbärgli» sei. «Bei Gino mache ich mir im mentalen Bereich keine Sorgen. Und ‹Jänks› weiss, wozu er dort fähig ist. Da muss man in psychologischer Hinsicht nicht viel machen», sagt Roten.

Für den Olympiasieger von 2010 sei der Hang in den USA der klar beste. Janka belegte dort im letzten Winter Rang 6 und fuhr heuer zum Saisoneinstand einen 7. Platz heraus. «Ich traue ihm sicher etwas zu. Er ist allerdings auch bei der WM Aussenseiter. Aber wir versuchen das Maximum. Wenn einer Sechster wird, kann es ihm auch in die Top 3 reichen», glaubt Roten.

Aufbauarbeit bei den Jungen

Für den Verantwortlichen ist es wichtig, «dass wir all die anderen wieder aufbauen können.» Also etwa Manuel Pleisch, Justin Murisier, Elia Zurbriggen oder Thomas Tumler. «Das geht nur über Training und Europacup-Rennen», sagt Roten.

Porträtbild von Jörg Roten.

Bildlegende: Jörg Roten Hat mit seinem Team eine empfindliche Heimschlappe zu verdauen. Keystone

Denn es steht auch die Frage im Raum, wer aus seiner Gruppe bei der WM überhaupt an den Start gehen wird. Die Selektionskriterien erfüllt haben bislang erst Gino Caviezel und Janka. «Ich weiss nicht, ob wir noch zwei, drei oder vier zusätzliche Fahrer mitnehmen werden», führt der Walliser aus. Es sei wichtig, dass die Jungen Erfahrung sammeln können. Aber es sei auch eine andere Komponente zu berücksichtigen.

«Fahrer wie Zurbriggen mit einem bestehenden Top-15-Ergebnis benötigen noch ein solches Resultat, um möglicherweise Ende Saison in die Top 30 zu rutschen. Dies, weil ein Top-15-Ergebnis an der WM auch Weltcup-Punkte mit sich bringt. Andererseits muss der Fahrer seine Leistung bringen. Da gilt es nun abzuwägen.»

Etwas anders präsentiert sich die Lage im Slalom: Dort gibt es bis zum Beginn der Titelkämpfe in Beaver Creek am 2. Februar noch drei Chancen, um die Scharte auszuwetzen.

Sendebezug: SRF zwei, sportlive, 10.01.15 10:15/13:15 Uhr und 11.01.15 09:45/13:00 Uhr

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Zusammenfassung Riesenslalom

4:59 min, aus sportaktuell vom 10.1.2015

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Zusammenfassung Slalom

4:26 min, aus sportpanorama vom 11.1.2015