Kitzbühel-Jubiläum: 75 Jahre Spektakel und Drama

Am kommenden Wochenende finden zum 75. Mal die legendären Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel statt. Keine andere Abfahrtsstrecke kostet mehr Überwindung, bringt grössere Sieger hervor und fordert mehr Opfer als die «Streif».

Didier Cuche rast auf der «Streif» dem Ziel entgegen.

Bildlegende: «König von Kitzbühel» in Aktion Didier Cuche, mit 5 Triumphen Rekordsieger auf der «Streif», rast dem Ziel entgegen. Keystone

«Wenn ich wünschen könnte, würde ich 3 meiner Weltcup-Abfahrtssiege für einen Kitzbühel-Sieg hergeben», sagt SRF-Experte Bernhard Russi ohne Umschweife. Diese Worte der Schweizer Skilegende, die zwar viel gewonnen hat, aber nie auf der legendären «Streif» triumphieren konnte, sagt vieles über den Stellenwert der Abfahrt in Kitzbühel aus.

«Mausefalle, Steilhang, Hausbergkante, Traverse, Zielschuss - das sind Passagen, bei denen jeder auf der ersten Fahrt leer schlucken muss», sagt etwa Beat Feuz. «Es ist die extremste Abfahrt der Welt, und zwar in jeder Hinsicht. Bezüglich Überwindung, Technik und auch Gefahr», schlägt Russi in die gleiche Kerbe.

Video «Cuches Siegfahrt in Kitzbühel («sportaktuell» 21.01.2012)» abspielen

Cuches letzter Sieg in Kitzbühel

1:28 min, aus sportaktuell vom 21.1.2012

Cuche: Als wäre es ein Kinderspiel

Einer, der mit diesen Schwierigkeiten besonders gut klargekommen ist, ist Didier Cuche. Der Neuenburger ist mit 5 Triumphen in Kitzbühel Rekordsieger (1998, 2008, 2010, 2011, 2012). Wo andere ihre Ängste überwinden mussten, flog Cuche mit solch traumwandlerischer Sicherheit über die Piste, als sei es ein Kinderspiel.

Dabei wäre er bei seinem ersten Start «am liebsten wieder rückwärts aus dem Starthaus hinausgekrochen», verriet Cuche in einem Film über die «Streif», der anlässlich des 75-Jahre-Jubiläums gedreht wurde.

Albrechts Horrorsturz 2009

Doch die «Streif» hat nicht nur gloriose Sieger hervorgebracht, sondern auch ihre «Opfer» gefordert. In schlimmster Erinnerung ist dabei aus Schweizer Sicht die Austragung 2009. Daniel Albrecht stürzte im Training beim Zielsprung brutal, zog sich schwere Kopfverletzungen zu, lag 21 Tage im Koma und musste später seine Karriere vorzeitig beenden.

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Horror-Sturz von Daniel Albrecht auf der «Streif»

1:25 min, aus sportaktuell vom 22.1.2009

«Fast jedes Jahr nimmt sich die ‹Streif› einen. Du denkst, dass du der nächste sein könntest», macht Cuche keinen Hehl daraus, dass auch er seine liebe Mühe mit der gefährlichsten Abfahrt der Welt hatte.

Albrecht hat mittlerweile Frieden mit der «Streif» geschlossen, ganz losgelassen hat sie ihn aber nicht. Kitzbühel sei genau seine Strecke gewesen, sagt der Walliser. «Hier hätte ich sehr schnell sein können. Ich würde sie gerne nochmals fahren.»

Sendebezug: Radio SRF 1, Abendbulletin, 21.01.2015, 18:45 Uhr.