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Alles rund um die Sonnencreme
Aus Treffpunkt vom 07.07.2022.
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Ferienzeit! So nutzen Sie Sonnencreme richtig

Von Sonnenschutzpräparaten erwarten wir heute nicht mehr nur Schutz vor Sonnenbrand, sondern auch vor Langzeitschäden wie Hautalterung und Hautkrebs –aber dafür müssen sie richtig aufgetragen werden.

«Den grössten Fehler, den die meisten meiner Patienten machen, ist, dass sie zu wenig Sonnencreme anwenden», so die Erfahrung der Dermatologin Elisabeth Roider. Mit Sonnencreme können wir länger in der Sonne bleiben als ohne, aber wird sie nicht richtig aufgetragen, liefert sie nicht den erwarteten Schutz unserer Haut. Kurzfristig droht Sonnenbrand, langfristig eine schnellere Hautalterung und gar der möglicherweise tödliche Schwarze Hautkrebs.

Genug Sonnencreme auftragen heisst: rund 30 bis 40 Milliliter für einen Erwachsenen. Das sind gut vier Esslöffel. Wer zu wenig nimmt, hat auch weniger Schutz und der Lichtschutzfaktor 50 kann so schnell zum Lichtschutzfaktor 25 werden. Dann bekommen wir schneller Sonnenbrand als erwartet.

Nachcremen vergrössert den UV-Schutz nicht, aber er hält den versprochenen Sonnenschutzfaktor. Die UV-Filter in der Sonnencreme haben eine bestimmte Kapazität, um die schädlichen UV-Strahlen abzufangen. Irgendwann verlieren sie aber ihre Kraft oder sie werden abgetragen, weil wir schwitzen und uns bewegen. Die Dermatologin empfiehlt: Spätestens alle zwei Stunden nachschmieren und viel auftragen. «Wenn es einem zu viel vorkommt, dann ist es meist richtig.»

Weitere Tipps zum Eincremen

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  • Lichtschutzfaktor 50 und eine Creme, die möglichst viele Wellenlängen abdeckt, sicher UV-A und UV-B. Der Schutz ist auf den Tuben vermerkt.
  • Auf typische vergessene Stellen achten: Füsse, Hände, Rückseite der Arme, Ohren, Rücken.
  • Die Sonnencreme genügend lang einwirken lassen. Bis der Schutz einsetzt, dauert es 20 bis 30 Minuten.
  • Sonnenschutz, auch wenn es wolkig ist.
  • Sonnencreme am besten als Ergänzung nutzen: Die Schulter und Nacken bedecken, Kopfbedeckung und Sonnenbrille tragen, denn auch die Augen können vom UV-Licht geschädigt werden.

Wie funktioniert Sonnencreme?

Sonnenstrahlen sind Energie, die auf unsere Haut auftrifft. Ohne Schutz gehen sie direkt in unsere Haut und schädigen sie. Damit das nicht passiert, tragen wir mit der Sonnencreme Moleküle auf, die diese Energie aufhalten und in ungefährliche Wärme verwandeln.

Es gibt zwei Arten von UV-Filtern: In löslicher Sonnencreme, im Volksmund oft chemische Sonnencreme genannt, schützen bestimmte Moleküle, sogenannte Benzolringe, unsere Haut.

Video
Aus dem Archiv: Wie gefährlich ist die Sonne?
Aus Einstein vom 31.05.2018.
abspielen. Laufzeit 1 Minute 4 Sekunden.

In mineralischer Sonnencreme werden Partikel aus meist Zinkoxid oder Titandioxid verwendet. Auch sie absorbieren die UV-Strahlen und machen sie unschädlich. Früher erkannte man die mineralischen Cremes daran, dass sie einen weissen Film auf der Haut hinterliessen. Heute sind die Partikel immer öfter auf Nanobasis und besser verteilbar. Da die Partikel immer noch recht gross sind, dringen sie nach jetzigem Stand kaum bis wenig in die Haut ein.

Ist Sonnencreme schädlich?

In den letzten Jahren sind einige der UV-Filter in die Schlagzeilen geraten, weil sie den Korallen und anderen Meeresbewohnern schaden. Die meisten europäischen Kosmetikfirmen haben kritische Filter mittlerweile aus ihren Sonnencremes genommen und durch andere ersetzt. Immer mehr Kosmetikfirmen werben mit «riffsicherer Sonnencreme».

In Europa wird behördlich geregelt, welche UV-Filter in welcher Konzentration gesundheitlich unbedenklich eingesetzt werden können. In den USA hingegen sind noch alte Filter wie Benzophenone-3 im Einsatz, die Gesundheit und Umwelt schaden können. Die Dermatologin empfiehlt: «Kaufen Sie Ihre Sonnencreme hier, bevor Sie ins Ausland fliegen.»

«Für die Gesundheit ist Sonnencreme besser als ein Sonnenbrand».

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Frau Roider, Spuren von löslicher Sonnenmilch konnten im Urin und in Muttermilch nachgewiesen werden. Schadet sie mehr, als sie nützt?

Das Schlimmste wäre nun zu sagen: Sonnenschutzmittel sind schlecht. Dann nehmen die Leute keine Sonnenschutzprodukte und wir haben ein Riesenproblem. Für die Gesundheit ist jede Sonnencreme besser als ein Sonnenbrand.

Aber?

UV-Filter sind Moleküle, die in den Körper gehen. Wie übrigens alle Kosmetikprodukte, die wir auf die Haut auftragen.
Dazu kommt: Sonnenschutzmittel sind in Europa als Kosmetika eingestuft und sind dementsprechend nur schlecht reglementiert und getestet. Im Gegensatz zu jedem anderen Medizinprodukt haben wir deswegen wenig harte Daten.

Wie kommt es dazu?

Weil es kein Medizinprodukt ist, sind Tierversuche nicht erlaubt. Und Versuche an Menschen wären unethisch – wir können ja nicht einfach jemanden ohne Schutz in die Sonne schicken. Dennoch sollte dringend wissenschaftlich angeschaut werden, wie die UV-Filter und die Anwendung verbessert werden könnten. Aber das Thema ist wissenschaftlich und politisch komplex.

Bis dahin gilt also: Lieber Sonnencreme als keine Sonnencreme und Hautkrebs?

Das gilt immer, denn Hautkrebs, insbesondere der Schwarze, ist eine ernst zu nehmende Gefahr. Dennoch: Wenn ich eine Hautkrebs-Therapie mache, zahlen die Krankenkassen problemlos hunderttausende Franken. Aber die Sonnencreme zahlt jeder, dabei wäre das der günstigste Weg, um Hautkrebs zu vermeiden.

Kann ich auch gesund bräunen?

Jein. Um braun zu werden, brauchen wir die UV-B-Strahlen, die aber das Erbgut der Hautzellen schädigen. Mit der Bräune versucht die Haut, sich vor der krebserregenden UV-Strahlung zu schützen.

Eine Frau mit ausgebreiteten Armen sitzt am Strand in der Karibik.
Legende: Das Problem der Stubenhocker: Viele arbeiten das Jahr über in geschlossenen Räumen und versuchen denn in zwei Wochen Sommerferien oder gar noch während einer Fernreise in den Winterferien eine «gesunde» Bräune» zu erreichen. Da sind Sonnenbrand und Hautschäden fast vorprogrammiert. Imago

Je brauner wir sind, desto höher war die UV-Belastung, der wir uns ausgesetzt haben. Der Schutz, den wir uns so aneignen, ist minim: Der Lichtschutzfaktor von gebräunter Haut liegt je nach Hauttyp irgendwo zwischen 1.5 und 4. «Am besten ist es, langsam und verantwortungsvoll zu bräunen», so Elisabeth Roider.

Radio SRF 1, Treffpunkt, 07.07.2022, 10:00 Uhr

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