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Hongkong Buchhändler Daniel Lee und die Proteste
Aus Kultur-Aktualität vom 26.11.2019.
abspielen. Laufzeit 04:34 Minuten.
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Hongkongs bedrohter Buchmarkt Der Buchhändler, der Peking die Stirn bietet

Daniel Lee ist einer der letzten unabhängigen Buchhändler Hongkongs. Aber auch er steht unter Druck. Besuch bei einem Unbeugsamen.

Daniel Lee ist 38, ein schmaler Mann mit Kinnbart, Brille und ernsten Gesichtszügen. Er hat einen Abschluss in Philosophie und betreibt seit zwölf Jahren den unabhängigen Buchladen «Hong Kong Reader» in Kowloon.

80 Quadratmeter «Freiheit des Wortes», sagt Lee. Die liegen im siebten Stock eines heruntergekommenen Mietshauses im Stadtviertel Mong Kok.

Strassenszene in Hongkong.
Legende: Eingang mit ungewissem Ausgang: Daniel Lees Buchladen in Hongkongs Viertel Mong Kok. Sven Weniger, Michael Marek

Bei Hong Kong Reader sieht es aus wie in einem alternativen Buchladen im Westeuropa der 1970er-Jahre. Dicht an dicht stehen die Regale mit Werken von Camus bis Nietzsche, Belletristik, Geographie, Geschichte.

Gegenüber lange Reihen chinesischer Titel. Dazwischen Second Hand-Bücher. Viele Kunden suchen nach Werken, die sich mit Gewalt, Autoritarismus und Totalitarismus befassen, erzählt Lee. Kater Weiwei schaut aus dem Fenster.

Ein Buchhändler wehrt sich

Hong Kong Reader ist in der Szene als Buchladen für «gesellschaftlichen Aktivismus» bekannt. Er hat etwa 10'000 Kunden. Politische Lektüre ist Lees Spezialgebiet.

Es gibt Lesungen, Diskussionen, Buchvorstellungen. Die meisten Schriften behandelten die politische Situation in Festlandchina, sagt Lee, einige auch die Hongkongs.

Noch bekomme er alle Bücher, die er vertreiben wolle. Aber es werde immer schwieriger. Autoren berichten, dass ihre Werke, wenn sie politische Themen behandelten, von den grossen, von China kontrollierten Buchhandelsketten abgelehnt würden.

Aus kommerziellen Gründen, wie es heisst. Lee hingegen sieht dagegen allein ideologische.

Ein Wand voller bunter Post-its mit chinesischen Schriftzeichen.
Legende: Viele, viele bunte Post-its: Zeichen des Protests besorgter Bürger in Hongkongs Strassen. Sven Weniger, Michael Marek

Die Freiheit des Wortes verteidigen

Es braucht Kreativität, um in Zeiten der Repression die Redefreiheit zu verteidigen. Überall dort, wo viele Menschen vorbeikommen, etwa in U-Bahn-Stationen und auf Fussgängerbrücken, sind die sogenannten «Lennon Walls» aufgetaucht.

Das sind Plakat- und Pinwände, meist mit mehreren Metern breiten Flächen. Auf ihnen können sich Künstler, Aktivisten und besorgte Bürger ausdrücken. Sie befestigen Nachrichten über die aktuelle Situation der Proteste oder Aufrufe zu Kundgebungen.

Auf den Wänden finden sich Gedichte und Comics, in denen sich selbst die Polizeihunde vor ihren martialisch hochgerüsteten Hundeführern fürchten. Verfremdete Handyfotos setzen sich künstlerisch mit der allgegenwärtigen Polizeigewalt auseinander. Die Lennon Walls werden immer wieder von Hooligans und Pro-Peking Bewohnern zerstört.

Strassenproteste in China mit Menschen, die Masken tragen.
Legende: Der gelbe Schirm, das Symbol des Widerstands: ein künstlerisches Statement in Plakatform. Sven Weniger, Michael Marek

Schutzraum für Verfolgte

Um Demonstranten zu unterstützen und zu schützen, haben sich ausserdem viele Geschäfte – von Restaurants über Cafés bis zu Buchläden – zu den «Yellow Shops» zusammengeschlossen.

Gelb ist die Farbe der Regenschirmbewegung, mit der alles begann. Unter den Demonstranten kursieren Listen der «Gelben Läden». Die Shops haben während der Proteste geöffnet und bieten Demonstranten, die verprügelt werden und vor der Polizei flüchten, einen geschützten Raum vor Verfolgung. Hong Kong Reader gehört zu ihnen.

Trotz allen Widerstands durch Demonstranten und Kulturszene ist Buchhändler Daniel Lee pessimistisch. Er glaubt nicht, dass sich die Bewegung für Freiheit und Autonomie gegen den Machtapparat der kommunistischen Partei Festlandschinas durchsetzen wird.

Zu kompromisslos und brutal reagiert die von Peking kontrollierte Regierung Hongkongs. Dennoch, sagt Lee, werde man weiterkämpfen. Bis zum Ende, wenn es sein müsse «auch bis zum Tod».

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